„Seine Sänger“ schließt der Wiener Musikfreund bekanntlich ins Herz. Auf dass sich dieses Phänomen auch an den nachkommenden Stützen des Staatsopern-Ensembles erfüllen möge, hilft Neo-Staatsopern-Direktor Dominique Meyer mit einer neuen Matinee-Serie nach, bei der das Publikum Gelegenheit haben soll, „die Neuen kennenzulernen“, wie Meyer bei seiner Saisonpressekonferenz formulierte. Wobei die ausgewählten Sänger nicht durchwegs dem Publikum Unbekannte sind.
Am Sonntag fand die erste Matinee der Reihe statt, auf die bis Mai sechs weitere folgen werden. Julia Novikova und Gergely Németi, beide bereits vor Meyers Amtszeit in mehreren Rollen an der Staatsoper zu sehen, machten den Anfang, wobei besonders Novikova eine eminente Talentprobe abgab. Sowohl die Arie der Gilda („Rigoletto“), die sie kürzlich auch bei der TV-Originalschauplatz-Aufführung in Mantua mit Placido Domingo verkörpert hatte, als auch jene der Olympia aus „Les Contes d'Hoffmann“ meisterte sie mit feinsten Koloraturen, klaren Tönen und viel Gefühl und Charme.
Wie leicht sie die anspruchsvollen Sprünge der Olympia-Arie vorbrachte, um Vogelgezwitscher nachzuahmen, und wie sie als Gilda und auch in anderen Arien mühelose Phrasierungskünste demonstrierte, zeugte von einer perfekt geschulten Stimme. Sie forcierte nie, wusste sich auch im Sinn der Stücke zurückzunehmen, ihr großes Stimmvolumen füllte mühelos den Mahlersaal.
Was man von Gergely Németi nicht behaupten kann. Wohl konnte er in Rollen, die ihm lagen – wie dem Nemorino aus „L'elisir d'amore“ – überzeugen und auch seinen Charme unter Beweis stellen; doch hatte er auch einige Arien gewählt, die ihm offenkundig schwerfielen. Im Zwang zum Forcieren schrammte Németi mehrmals bei anspruchsvollen Passagen knapp am richtigen Ton vorbei. Schade, dass er nicht mehr auf jenes Repertoire setzte, mit dem er sich in der Staatsoper bereits positive Kritiken verdient hatte. Nach zahlreichen Einzelarien folgten zwei Duette aus „Liebestrank“ und „Don Pasquale“, die, umgekehrt gereiht, vielleicht mehr Effekt erzielt hätten...
Demnächst: Anita Hartig, Benjamin Bruns
Auf diese erste Matinee folgt am 24. Oktober eine mit der Sopranistin Anita Hartig, die am Haus bereits als Musetta zu sehen war, und dem Tenor Benjamin Bruns, der am 12.10. sein Hausdebüt als Almaviva gibt. Bis Mai folgen Tae Joong Yang, der bereits als Belcore im „Liebestrank“ und als Figaro in „Il Barbiere di Siviglia“ zu sehen war, und Marco Caria, der kürzlich Marcello in „La Bohème“ verkörperte. Weiters singen Sylvia Schwartz, die im Februar bei der Premiere von „Le Nozze di Figaro“ die Susanna singen wird, Caitlin Hulcup, die im Jänner Dorabella verkörpert, und Stephanie Houtzeel, die bei der Wiederaufnahme des „Rosenkavalier“ im Dezember den Octavian gibt. th-r
("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.09.2010)

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