Musikverein: Mozart gregorianisch verfeinert

Peter Schreier dirigierte beim schon traditionellen Herbstauftritt der Wiener Hofmusikkapelle ein reines Mozart-Programm.

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(c) APA (DPA)

Legenden halten sich bekanntlich lange, auch wenn sie längst als falsch dechiffriert worden sind: wie etwa die Geschichte von Mozarts Krönungsmesse. Selbst in seriösen Programmen liest man, dass der Komponist diese 1779 fertiggestellte C-Dur-Messe anlässlich einer Erinnerungsfeier an die Krönung des Gnadenbildes der Basilika Maria Plain komponiert hätte. Tatsächlich verdankt sie ihren Beinamen der Tatsache, dass sie zu jenen Werken Mozarts zählt, die bei einer der Krönungsfeierlichkeiten in Prag aufgeführt wurden. Ihrer Popularität hat diese immerhin seit 1963 bekannte Erkenntnis freilich nicht geschadet. Mit ihren kantablen Soli, den kräftigen Chorpartien und den zahlreichen solistischen Einwürfen zählt sie zu den populärsten, wohl auch am meisten aufgeführten Werken Mozarts.

Vergangenes Wochenende war diese Missa brevis KV 321 wieder einmal im Konzertsaal zu hören, und zwar von der Wiener Hofmusikkapelle, die damit ihren traditionellen Herbstauftritt im Wiener Musikverein bestritt, unter Peter Schreier. Denn auch das gehört zu dieser Tradition: dass dieses aus Mitgliedern der Wiener Philharmoniker, dem Herrenchor der Staatsoper und den Wiener Sängerknaben bestehende Ensemble, dessen Geschichte bis 1498 zurückreicht, jährlich unter einem anderen prominenten Dirigenten im „Goldenen Saal“ gastiert. Kommendes Jahr wird Harnoncourt, im Jahr darauf Christian Thielemann die Hofmusikkapelle dirigieren.

 

Qualitätvolles Solistenquartett

Dass diesmal die Wahl auf Peter Schreier fiel, hat mehrere Gründe. Zum einen ist er Wien durch eine Vielzahl von Auftritten besonders verbunden. Zum anderen hat er neben Gesang auch Dirigieren und Chorleitung studiert und seine musikalische Karriere als Sängerknabe beim Dresdner Kreuzchor begonnen. Entsprechend großes Augenmerk legte Schreier bei seinen Mozart-Interpretationen – neben der Krönungsmesse standen noch die Versperae de Dominica KV 321 auf dem Programm dieser beiden Konzerte am Wochenende– auf eine plastische Ausgestaltung der einzelnen Vokalparts, forderte klare Artikulation und runde Phrasierung und wählte Tempi, die es den Vokalisten leicht machten, ihre Texte verständlich über die Rampe zu bringen.

Mit Ute Selbig, Britta Schwarz, Markus Schäfer und Stephan Loges hatte er ein qualitätvolles, sich allerdings unterschiedlich subtil in den Gesamtklang fügendes Solistenquartett zur Verfügung. Gut studiert zeigten sich Choristen der Hofmusikkapelle, die bekanntermaßen seit Jahresbeginn mit Erwin Ortner einen neuen, prominenten künstlerischen Leiter hat. Gewohnt souverän lösten die diesmal von Rainer Honeck angeführten Wiener Philharmoniker ihre Aufgaben.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.11.2010)

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