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Jennifer O'Loughlin: Wie man ein „lustiges Weib“ wird

13.12.2010 | 18:18 |  WILHELM SINKOVICZ (Die Presse)

Der Sopran-Star im Volksoper-Ensemble im Gespräch, über sportliche Bühnenerfahrungen, hohe Töne und die klassische Bettlektüre einer Sängerin. Vor den Anforderungen großer Rollen hatte sie nie Angst.

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Es war ein gutes Training“, sagt Jennifer O'Loughlin, die an ihren ersten Auftritt in der Wiener Volksoper zuallererst sportliche Erinnerungen hat. „Ich war ab 1. September engagiert, meine erste Partie war die Valencienne in der „Lustigen Witwe – und ich musste als Allererstes den Cancan lernen.“

Vor den stimmlichen Anforderungen großer Rollen hatte die Amerikanerin nie Angst. Dabei gehörten auch Marie in Lortzings „Zar und Zimmermann“ und Mozarts „Figaro“-Susanna zu ihren Antritts-Rollen, allerhöchste Aufgaben im lyrischen Fach. Als Susanna war O'Loughlin 2007 schon bei den Salzburger Festspielen eingesprungen. Im selben Jahr gewann sie auch einen Preis im Liedwettbewerb der Londoner Wigmore Hall, womit ihr in allen Genres der Gesangskunst eine glänzende Zukunft vorausgesagt war.

Ihr Engagement in Wien verdankt sie einem Vorsingen, das man im Opernstudio Zürich veranstaltete. „Normalerweise heißt es danach immer: Dankeschön, Sie werden von uns hören. Und man hört nie wieder etwas.“ Bei Jennifer O'Loughlin war es anders. Sie war von der Bühne weg an die Volksoper engagiert. „Seither durfte ich hier ungefähr 15 verschiedene Rollen singen.“ Und den vielleicht spektakulärsten Erfolg mit der heiklen Zerbinetta in Strauss' „Ariadne auf Naxos“ einfahren: „Diese Partie habe ich noch mit Ernst Märzendorfer erarbeiten können. Er war streng, aber sehr lieb zu mir, weil ich ihm aufmerksam zugehört habe. Unglaublich, was er zu sagen hatte!“

Was dem Wiener Publikum an der jungen Künstlerin anlässlich ihres Zerbinetta-Debüts besonders auffiel: Sie verfügt nicht nur über die aberwitzig schwierigen Koloraturtöne jenseits des hohen Cs, sie singt die gesamte Partie mit schön gerundeter, voller Sopranstimme. „Ich hatte ja schon früh nicht nur die Königin der Nacht, sondern die Pamina in der ,Zauberflöte‘ gesungen,“ sagt O'Loughlin, „weil meine Mittellage gut funktioniert. Die gilt bei jungen Sopranen immer als besonders schwierig. Für mich war's kein Problem. Als ich die Zerbinetta an der Met covern durfte, hat die Sängerin der Ariadne zu mir gesagt: Wenn man dich die Arie singen hört, dann glaubt man, du bist ein lyrischer Sopran.“ Bevor die Höhen kommen...

Begabt mit solchen vokalen Fähigkeiten, träumt die Sängerin natürlich von der wichtigsten aller Aufgaben in ihrem Fach: „Irgendwann würde ich gern Lucia di Lammermoor singen,“ sagt sie. „Wegen der Violetta in Verdis ,Traviata‘ hat man mich schon gefragt. Das wäre noch ein Schritt weiter, als ich jetzt bin. Das möchte ich noch zwei bis drei Jahre studieren.“ Dann wird Jennifer O'Loughlin nicht mehr fix an der Volksoper engagiert sein, aber hoffentlich weiterhin hier gastieren.

Zum Beispiel als Gilda – „zur Vorbereitung lese ich gerade Verdis Originalvorlage von Victor Hugo“. Außerdem auf dem Nachtkästchen? „Natürlich Shakespeares ,Merry Wives of Windsor‘“, denn in der kommenden Premiere von Otto Nicolais „Lustigen Weibern von Windsor“ singt sie die Frau Fluth, „sicher technisch nicht so schwierig, aber die Arie ist ein Juwel. Und das Spielen in einer solchen Komödie macht Spaß.“

Volksoper: „Die lustigen Weiber von Windsor“, Premiere am 18. Dezember.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.12.2010)

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