Sängerknabe, Klavierschüler, mit 16 dann schon Student am Zürcher Konservatorium: Dem Sohn des Dirigenten Armin Jordan prophezeiten hellhörige Beobachter bald eine schnelle Karriere. Philippe Jordan, heute 36, war kaum 20, als er Jeffrey Tate in Paris assistieren durfte, als der Wagners „Ring des Nibelungen" einstudierte.
In Paris war er dann mit Mitte dreißig selbst an führender Stelle inthronisiert: Seit zwei Jahren ist Philippe Jordan Chefdirigent der Pariser Oper und angesichts des anhaltend labilen Gesundheitszustands von Intendant Nicolas Joël ungewöhnlich stark in die Direktionsgeschäfte involviert.
Trotzdem haben die Wiener Symphoniker den Dirigenten nun zu ihrem künstlerischen Leiter gekürt. Wiens Kulturstadtrat hat gestern, Mittwoch, die Ernennung Jordans zum Nachfolger von Fabio Luisi bekannt gegeben. Der Kontakt zwischen dem künftigen Chef und dem Orchester ist seit Jahren intensiv und hat zu allseits umjubelten Konzerten geführt.
In Österreich ist Jordan seit seiner Wahl zum Chefdirigenten der Grazer Oper ein Begriff: Mancher Musikfreund pilgerte zu Jordan-Premieren in die steirische Landeshauptstadt, seit er als Mittzwanziger mit Tschaikowskys „Eugen Onegin" dort seine Visitenkarte abgegeben hatte: Sensibilität und Gestaltungskraft vereint der immer noch junge Maestro souverän. Von Mozart bis Richard Strauss und Benjamin Britten reichte der Repertoire-Bogen, den Jordan in Graz abdeckte, und nur krasses Missmanagement hat seine Vertragsverlängerung verhindert.
Die schlechten Erfahrungen, die Wiens Symphoniker zuletzt wegen der Mehrfachbelastung ihres künstlerischen Leiters machen mussten, wiegen - angesichts von Jordans Pariser Engagement - weniger schwer als die Hoffnung auf eine gedeihliche musikalische Partnerschaft. „Die künstlerische Leitung des Konzertorchesters der Stadt Wien bildet eine ideale Ergänzung zu meinen Verpflichtungen als Musikdirektor der Pariser Oper", räumt Jordan Bedenken aus. sin
(sin)

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