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Cissy Kraner: Frivolität im Nachkriegskabarett

03.02.2012 | 18:21 |   (Die Presse)

Die populäre Sängerin, bekannt für Chansons vom „Novak“ bis zum „Vorderzahn“, starb 94-jährig in Baden. Cissy Kraner war das weibliche Pendant zu Bronner, Qualtinger & Co.

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Ich hätt' sogar schon Morphium genommen, aber der Novak lässt mich nicht verkommen.“ „Ich wünsch' mir zum Geburtstag einen Vorderzahn, denn meinen schlug der Ferdinand mir ein.“ Sie war der Vamp von Favoriten, erzählte vom chaotischen Tortenbacken und nahm in „Eine verzwickte Verwandtschaftsgesellschaft“ die Patchwork-Familie vorweg. Cissy Kraner war das weibliche Pendant zu Bronner, Qualtinger & Co., die rustikale Variante der eleganten, leicht unnahbaren Louise Martini.

Kraner studierte klassischen Gesang und war Soubrette, bevor sie als dralle, blonde Sirene im Kabarett begann, die Lieder schrieb ihr langjähriger Gefährte Hugo Wiener. Die Blüte des Wiener Kabaretts nach 1945 wurde von Machomännern geprägt, Frauen waren die hübsche Garnierung. Kraner wie Martini gelang es mit Schmäh, sich ein wenig über dieses Schema hinwegzusetzen. In Hugo Wiener fand Kraner einen konstruktiven Partner, mit dem sie auch streiten konnte, wie sie erzählte.

Von den heutigen Comedy-Stars, die auf Augenhöhe Beziehungskisten plündern, wie Andrea Händler, Weinzettl & Rudle, Niavarani & Gernot war man damals noch sehr weit entfernt. Auch durchaus zivilisierte Mannsbilder intonierten schon einmal im Rausch „Geh Oide, schau mi net so deppat an“ oder eines der anderen wenig frauenfreundlichen Wienerlieder. Die Political Correctness war noch nicht erfunden. Heute würde ein Mann, der seiner Frau einen Zahn einschlägt, nicht mehr beifällig augenzwinkernd belacht. Cissy Kraner, als Gisela Kraner in Wien geboren, war 20 Jahre alt, als die Nationalsozialisten in Österreich einmarschierten. Wenige Monate nach dem „Anschluss“ ging sie auf Südamerika-Tournee. Dort lernte sie den zarten, witzigen Emigranten Hugo Wiener kennen, der bereits eine fixe Kabarett- und Revuegröße war. In Caracas eröffneten das Paar eine Exilantenbar, wo sie seine Lieder in fünf Sprachen vortrug. 1943 heirateten die beiden und blieben unzertrennlich, bis Wiener 1993 starb.

 

Einzigartig rauer Sprechgesang

1950 fand Kraner ihre künstlerische Heimat im Wiener Kabarett Simpl. Ihre Lieder, eigentlich eine Art Chansons, wurden zu Ohrwürmern wie Travnicek-Qualtingers „Waun mi des Reisebüro net vermittelt hätt“ oder „Der gschupfte Ferdl“. Hans Weigel rühmte Kraners einzigartige raue Stimme, die auch prächtig zu Brecht-Liedern gepasst hätte.

Aber mit Politik musste man in der Nachkriegszeit vorsichtig sein. Da war das Thema Beziehungen weniger gefahrvoll. Kraner & Wiener, der auch ein souveräner Conférencier war, traten nicht nur in Österreich auf. Sie gingen auf Tournee nach Deutschland, Israel, in die Schweiz. Kraner nahm Schallplatten auf, spielte Theater, im TV, in Filmen. 1994 erschienen ihre Erinnerungen, von Georg Markus aufgezeichnet, unter dem Titel „Aber der Hugo ließ mich nicht verkommen“. (ORF2 zeigt Sonntag, 5. 2., um 9.40h das Kraner-Wiener-Kabarettprogramm „Blick zurück nach vorn“). bp

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.02.2012)

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6 Kommentare
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gegen die cissy kraner

sind unsere kabarett-staatswünstler allesamt nur billigster ausschuss. am kanzlerfest herumzuschleimen allein genügt nicht.

Gast: justerix
03.02.2012 15:38
7 0

Cissy Kraner war noch eine "richtige Künstlerin"

und keine Staatskünstlerin!
Sie wird unvergessen bleiben!

Antworten Gast: kvasek
04.02.2012 10:57
0 0

Re: Cissy Kraner war noch eine "richtige Künstlerin"

Richtig, das Wort "Staatskünstlerin" hätte ihr nie und nimmer gefallen! Übrigens, ist der Ausdruck "Diseuse" nicht eigens für sie geschaffen worden? LG!

Antworten fefe
03.02.2012 16:58
6 0

Re: Cissy Kraner war noch eine "richtige Künstlerin"

Ja, sie war wirklich großartig. So wie auch Hugo Wiener. Es ist traurig dass Sie tot ist, aber es ist schön, dass sie doch lange gelebt hatte und offenbar ohne Leiden gestorben ist.

Wa. Serro_
03.02.2012 13:46
7 0

Eine großartige Chansonette

Hans Kudszus zitierte mal so treffend: "Liebe ist die gemeinsame Freude an der wechselseitigen Unvollkommenheit."

In diesem Zusammenhang bereicherte Sissi Kraner mit Hugo Wiener jahrzehntelang die Wiener Kabarett-Szene.

Ein Dank für ihr Wirken. Ich werde sie in Angedenken halten.

Antworten Gast: amüsant
04.02.2012 08:52
2 1

Re: Eine großartige Chansonette

Wenn Sie Cissy Kraner in Angedenken halten wollen, fangen Sie wohl am besten damit an, ihren Namen korrekt zu schreiben.

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