Einer der großen Pianisten der Gegenwart stand im Mittelpunkt des jüngsten Auftritts der Wiener Philharmoniker im Rahmen der diesjährigen Mozartwoche: Radu Lupu. Selten hat man den Solopart von Mozarts B-Dur-Klavierkonzert KV 595 mit einer derart faszinierenden Mischung aus souveräner Gelassenheit und tief empfundener Poesie gehört. So wurde die melancholische Stimmung dieses Stücks besonders herausgearbeitet.
Schade, dass sich Iván Fischer und die Wiener Philharmoniker im Wesentlichen auf eine sorgfältig ausbalancierte Begleitung des Solisten beschränkten, dass sie nur wenig gestalterische Eigeninitiative erkennen ließen. Aber auch bei den übrigen Programmpunkten – der Prager Symphonie KV504, dem Marsch KV 335 und der Serenata notturna KV 239 mit den gut aufeinander eingestimmten philharmonischen Solisten Rainer Honeck, Christoph Koncz, Tobias Lea und Herbert Mayr – dominierte Musizierfreude über interpretatorische Originalität.
Ab 2013: Marc Minkowski
Auf diese will man offenbar in der Zukunft vermehrt setzen. Nicht nur bei den Sommerfestspielen, auch bei der Salzburger Mozartwoche stehen personelle Veränderungen bevor: Nach zehn Jahren wechselt Stephan Pauly als Intendant an die Alte Oper Frankfurt. Matthias Schulz, noch bis Sommer Konzertchef der Salzburger Festspiele, zeichnet künftig gemeinsam mit Marc Minkowski für die künstlerische Ausrichtung der Mozartwoche verantwortlich. Er wird die nächste Mozartwoche mit seinen Musiciens du Louvre Grenoble auch mit Mozarts „Lucio Silla“ eröffnen. Einige Tage später folgt – konzertant – die Lucio-Silla-Version von Johann Christian Bach, es spielt das Mozarteum-Orchester unter Ivor Bolton.
Die Mozartwoche 2013 beginnt am 24. Jänner und schließt am 3.Februar mit einem Konzert der Academy of St. Martin in the Fields mit Janine Jansen. Weiters bietet sie die drei letzten Mozart-Symphonien mit dem Orchestra of the Age of Enlightenment unter Sir Simon Rattle, Strawinsky und Mozart mit dem Mahler Chamber Orchestra unter Andrès Orozco-Estrada, das Emerson String Quartet und Menahem Pressler mit den Mozart-Klavierquartetten oder das Ensemble Intercontemporain unter George Benjamin mit Strawinsky, Messiaen, Boulez und Johannes Maria Staud, von dem auch ein Werk uraufgeführt wird. Die traditionellen drei Konzerte der Wiener Philharmoniker leiten neben Georges Prêtre mit Gustavo Dudamel und Teodor Currentzis zwei Vertreter der jüngeren Dirigenten-Generation. Beide werden dabei Pianisten begleiten: Maria Joao Pires respektive Pierre-Laurent Aimard.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.02.2012)

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