Edita Gruberova: Ein Abend außer Konkurrenz

Die Kammersängerin erinnerte in der Staatsoper an ihre Leidenschaft für das Lied. Sie sang Schubert, Wolf und Strauss.

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(c) Epa CTK/Michal Dolezal (Michal Dolezal)

Es war ein Staatsopernabend außer Konkurrenz. In jeder Hinsicht. Der Vorhang blieb zu, davor fand eines der von Staatsoperndirektor Dominique Meyer ins Leben gerufenen Solistenkonzerte statt. Nur ein einsamer Flügel stand auf dem überdeckten Orchestergraben, an dem später der tapfere Klavierpartner Alexander Schmalcz Platz nahm. Gespannte Vorfreude im Saal, denn Kammersängerin Edita Gruberova wurde erwartet. Diesmal nicht mit einem Best-of ihrer Belcanto-Heldinnen, mit deren Tod und/oder Wahnsinn sie auch noch in ihrem 45.Bühnenjahr ihr treues Publikum begeistert. Nein, filigranes Liedgut hatte sie sich gewählt, von Schubert, Wolf und Strauss. Im Mai führt sie dieses Programm an die Scala, bevor sie für Donizettis „Roberto Devereux“ wieder szenisch nach Wien zurückkehrt.

Das Kunstlied war ja für die Gruberova neben ihrer Bühnenkarriere stets eine zarte Liebe; vor Kurzem hat sie ein neues Album mit Schubert-Liedern vorgelegt.

 

Als Gretchen und im Elfenlied

Schubert eröffnete auch den Abend. Seine vier italienischen Canzonen D 688 gaben Gruberova die Möglichkeit für zarte Töne, die sie geschliffen servierte. Ihr unnachahmlich belcantesker Aplomb kam bei der im Finale groß gesteigerten Vertonung „Vedi quanto adoro“ zur Wirkung. Mit „Suleika I und II“ blätterte sie in Goethes West-östlichem Divan, bevor sie als Gretchen ans dramatisch gedrehte Spinnrad griff. Pointiert folgten nach der Pause Mörike-Vertonungen von Hugo Wolf, in denen sie auch ihr komödiantisches Talent etwa beim „Mausefallen-Sprüchlein“ dezent, aber wirkungsvoll einsetzte und im Elfenlied neckisch das „Gukuk!“ in die Staatsopernluft warf. Zum Finale kam sie mit drei der sechs Strauss-Liedern nach Texten von Brentano in ihre elementaren Gefilde. Hier blitzte in schönen Momenten die Erinnerung an ihre Schlüsselpartie, die Zerbinetta, auf, hier konnte sie große Bögen bauen und ihrem Sopran blühenden Zauber abgewinnen.

Die Zerbinetta hat sie an der Staatsoper 97 Mal gesungen, gefolgt von der Lucia (89 Vorstellungen) und der Königin der Nacht (69). Schon diese Zahlen zeigen die Sonderstellung dieser Sängerin und verbieten es, über manchen nicht so gelungenen Ton zu beckmessern. Das Publikum feierte Gruberova jedenfalls herzlichst. Sie bedankte sich mit Zugaben von Strauss, Schubert und Eva dell'Acqua („Villanelle“). „Es ist voraussichtlich mein letzter Liederabend in dieser Stadt“, sagte sie schließlich und sang Millöckers „Ach, wir armen Primadonnen“. Da war dann der Ausnahmezustand perfekt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.04.2012)

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