[Wien/Win] Eigentlich kennen wir sie von gediegeneren Veranstaltungen: Von „Lohengrin", „La Traviata" und natürlich vom Opernball, der einmal im Jahr die heimische Society ins Rampenlicht rückt. Doch am 7. Juli wird alles anders. Erstmals in der Geschichte findet dann in der Wiener Staatsoper ein Elektroevent statt. „Electr.Oper" - von „Electronic Oper" - heißt das Fest, das von den Vier, die hinter dem Electroclub „Grelle Forelle" stehen, veranstaltet wird.
Und die haben sich einiges ausgedacht: Für die Electr.Oper werden Carl Craig, Moritz von Oswald und Pianist Francesco Tristano auf der Bühne stehen. Sie werden Detroit Techno mit klassischen Klängen vermischen. Danach findet der Rebel Rave (u.a. mit Jamie Jones) statt, natürlich begleitet von Lichtinstallationen
Die Electr.Oper ist Teil des Jazz Fest Wien. Damit die 2.400 Gäste Platz haben wird die Oper adaptiert. Der Zuschauerraum ist gesperrt. Die DJs stehen zwar auf der Bühne, allerdings mit Blick zur Hinterbühne, die als Tanzfläche dient. „Turbo-Projects suchte die ausgefallenste Location für ihr Konzept", sagt Carla Jahn, Sprecherin der „Grellen Forelle" und der dahinter stehenden Firma Turbo-Projects. Georg Springer, Geschäftsführer der Bundestheater-Holding, sei dann auch gleich begeistert gewesen: „Auch wenn ich mir vor dem Treffen fest vorgenommen habe, abzusagen", erzählt Springer. Das Konzept hätte ihn dann überzeugt.
Gänsehaut-Feeling
Mit dem Electr.Oper hofft die Staatsoper auch jüngeres Publikum zu bekommen. „Da gibt es sicherlich eine große Schwellenangst", sagt Fritz Thom, Chef des Jazz Fest Wien, der geholfen hat, das Projekt zu planen. Was er nicht verstehen kann: „Auch die Oper erzeugt Gänsehaut." Gänsehaut-Feeling erhofft er sich auch von der Electr.Oper. Immerhin soll der Fokus nicht auf Party, sondern dem künstlerischen Aspekt liegen. Läuft das Event gut, schließt die Staatsoper eine Wiederholung nicht aus. Auf die Oper als neue Clubbing-Location dürfen sich Besucher aber nicht freuen: „Das wird es hier nicht geben", sagt Springer.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.05.2012)

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