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Konzerthaus: Elisabeth Kulmans Eroberungen

17.05.2012 | 16:20 |   (Die Presse)

Die Mezzosopranistin Kulman veredelte einen bemerkenswerten Abend im großen Saal des Wiener Konzerthaus mit musikalischer Romantik. Tröstliche Erfahrungen von Brahms' meditativen Gesängen erfuhr man hautnah.

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Elisabeth Kulman, vollständig genesen von ihrem – die Stimme gefährdenden – Unfall im vergangenen Sommer, wird so etwas wie eine Liedregentin des Wiener Konzerthauses. Beim Festival, das von der Konzerthausgesellschaft in Shanghai ausgerichtet wird, gastiert sie im Herbst mit einem Mahler-Abend, wenig später singt sie Schumanns „Frauenliebe und -Leben“ im Mozartsaal.

Kürzlich sang sie Brahms' späte „Ernste Gesänge“, die zum Intimsten gehören, das unser musikalisches Erbe bereithält – im großen Saal. Das musste sein, denn die Kulman hatte einen Organisten zum Begleiter: Im Verein mit Wolfgang Kogert gelang es der Künstlerin, dank expressiver, aus dem Wort geborener Darstellung, die Aufmerksamkeit des Publikums voll und ganz zu fokussieren. Bitternis und tröstliche Erfahrungen von Brahms' meditativen Gesängen erfuhr man hautnah.

Vor der Pause gab es bereits – sozusagen als himmlischen Gegenpol zur irdisch-grübelnden Todesnähe – schwebend-schöne Engelsgesänge aus der Feder von Louis Vierne („Les Angélus“, ein Triptychon op. 57) – das ist ja eine feine Komponente des Orgelzyklus, dass der Musikfreund hier ein Repertoire kennenlernen darf, zu dem er sonst kaum Zugang gewinnt.

Nicht nur im Falle der Werke des Orgelmeisters Vierne lohnt sich das. Auch ein Werk wie César Francks Choral III (A-Moll) und die ausgreifende C-Moll-Sonate „Der 94. Psalm“ von Julius Reubke sind lohnende Begegnungen: fantasievoll verzweigte, harmonische Pfade erkundend der Franck, heftig in „Walküren“-Sturmgefilden wildernd der Reubke: Die Anrufung des himmlischen Rächers, der die Gottlosen bestrafen möge, inspirierte den Liszt-Schüler zu einer gewaltig aufrauschenden Tondichtung nach dem Vorbild seines Lehrers, deren Akkordmassen Kogert gegen alle technischen Unbilden, die ihm Komposition wie Konzerthausorgel in den Weg stellten, siegforschend meisterte. sin

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