Harnonocurt: Buchbinder am Hammerflügel!

10.06.2012 | 18:18 |   (Die Presse)

Bis etwa zur Reihe 12 konnte man den Steinway-Fetischisten Rudolf Buchbinder sogar am Walter-Flügel hören!

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Er könne sich gar nicht vorstellen, das je wieder anders zu machen, verkündete Nikolaus Harnoncourt eingangs: Erstmals paarte sich sein Concentus mit dem Nachbau eines historischen Walter-Flügels. Originalklang pur, also: Und dann gleich mit dem überzeugten Steinway-Spieler Rudolf Buchbinder! Der, stets neugierig, war für das Experiment zu haben und fügte sich nolens volens in die historisierende Klangkulisse. Er mag selbst gestaunt haben, wie schwach so ein Pianoforte klingt, selbst wenn man nach Leibeskräften versucht, einem Forte der Concentus-Pauken und -Trompeten akkordisch zu begegnen. Schon innerhalb des Ensembles stimmt ja die Balance nicht immer mit dem überein, was Mozart in seinen Partituren suggeriert: Forte ist nicht gleich forte – die Geigen verstehen es mittlerweile, jedem Trompetengetöse Paroli zu bieten und rauschen oft leuchtend auf.

Von den Fagotten ist des Öfteren wenig zu hören, selbst wo sie mit Oboen oder Klarinetten zu dialogisieren hätten. Auch nimmt sich das Bassfundament oft reichlich dünn und brüchig aus.

Aber das ist der Zoll, den man offenbar zu zahlen hat, wenn man in einem Riesensaal wie dem des Musikvereins in Kammerorchesterstärke nach vergangenen Klangidealen sucht. Die bange Frage bleibt: Auf welchem Klavier hat einst Mozart, der, wie wir aus Briefen wissen, in großen Sälen sehr große Orchesterbesetzungen liebte, gegen seine Instrumentalistenkollegen angespielt, wenn er Werke wie das glanzvolle C-Dur-Konzert (KV 503) aus der Taufe hob?

 

Zauberhafte Klangmixturen

Im intimeren A-Dur-Schwesterstück (KV 488) ergeben sich für Hörer, die aufmerksam ihre Ohren spitzen – weiter hinten, versicherte man einhellig, sei das Hammerklavier nur vernehmbar gewesen, wenn Buchbinder gerade allein spielte – hie und da auch im Goldenen Saal zauberhafte Klangmischungen, die sich auf modernem Gerät beim besten Willen nicht erzielen lassen. Insofern lohnt sich ein solcher Versuch. Es waren auch Mikrofone dabei und die Tontechnik wird sich beim Abmischen gewiss aller Tricks bedienen, um ein insgesamt stimmiges Konzerterlebnis zu zaubern. Auf CD wird dann vielleicht zu hören sein, wovon die Interpreten träumen. sin

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.06.2012)

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4 Kommentare
Gast: Ali Baba
11.06.2012 13:57
1 0

Blödsinn

Ich bin in Reihe 32 gesessen und habe keinerlei Probleme beim Vernehmen des Hammerklaviers gehabt. Alles eine Sache der Einstellung ...

Antworten Gast: schuppanzigh
11.06.2012 17:44
2 0

Re: Blödsinn

Barvo! Mir ging es genau so. Sins Kreuzzüge gegen alles, was nach Originalklang riecht, nehmen sich nur mehr lächerlich aus. Genauso wie seine Lobhudeleien für Bertrand de Billy und andere Künstler der Agentur Lewin. Das Konzert mit Harnoncourt und Buchbinder war eine tolle Sache und eine spannende Hörerfahrung.

Gast: Buchbibinder
11.06.2012 10:53
0 0

Olàlà

...Harnonocurt?
Vielleicht gar Harjajacurt?

Gast: Stefan Grauermann
11.06.2012 08:27
5 0

Seltsam ...

... daß auch ein Harnoncourt in die Falle gehen kann: das zirpende Klavierchen konnte dem diesmal teilweise geradezu entfesselt lauten Concentus musicus (ja, soweit sind wir inzwischen gekommen, daß so ein Ensemble krachend laut werden kann!) keineswegs Paroli bieten. Erst im insgesamt zarteren A-Dur-Konzert war die Balance etwas ausgeglichener. Schade drum.

Als Harnoncourt das Mozart-Doppelkonzert mit Chick Corea und Friedrich Gulda aufgenommen hat, waren es sogar zwei moderne Flügel - und es machen beide keinen "Lärm".

Es passiert ja nicht grundlos, daß in größeren Räumen mittlerweile z.B. Bach selbstverständlich am modernen Flügel gespielt wird, man würde sonst nichts hören - oder es braucht ein Cembalo besonderer Bauart (wie Andreas Staier es verwendet) damit noch was übrig bleibt.

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