Wagner-Konzert in Israel wurde abermals abgesagt

Nach der Absage der Universität Tel Aviv ist jetzt auch die Suche nach einem Ersatzort für ein Konzert mit Wagner-Musik gescheitert. Die Gefühle von Überlebenden der Shoah seien zu respektieren.

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(c) APA (Herbert P. Oczeret)

Die Ouvertüren  von „Tannhäuser“ und den „Meistersingern“, der Liebestod aus „Tristan und Isolde“ und der „Walkürenritt“ sowie Siegfrieds Trauermarsch aus dem „Ring“: Diese bekannten Ausschnitte aus Opern Richard Wagners wollten der Veranstalter Jonathan Livny und der Dirigent Asher Fisch am 18. Juni in der Universität Tel Aviv aufführen. Das wurde als Bruch des Wagner-Boykotts empfunden, der 1938 – nach der Pogromnacht in NS-Deutschland – verhängt wurde, noch vor der Gründung des Staates Israel. Wohl wurden seitdem einzelne Stücke Wagners bei Konzerten gespielt – etwa 2001 von Daniel Barenboim –, nie aber gab es ein ganzes Konzert mit Wagner-Musik in Israel.

Auf Druck von Überlebenden des Holocaust sagte die Universität Tel Aviv das Konzert ab. Livny und Fisch fanden einen Ersatzort: das Hilton-Hotel in Tel Aviv. Dort sollte das Wagner-Programm schon am 16. Juni aufgeführt werden. Doch nun hat auch das Hotel abgesagt.

Rücksicht auf Shoah-Überlebende

Asher Fisch, der am 23. Juni in der Universität Tel Aviv mit dem Israelischen Philharmonieorchester Rossinis „Stabat Mater“ aufführt, hatte für das Wagner-Konzert eigens ein Orchester aus etwa 100 israelischen Musikern gebildet. Er meint, es könne nicht sein, dass israelische Orchestermusiker „ihr berufliches Leben leben, ohne Wagners Musik gespielt zu haben“. Ihn ärgere es, dass der letzte Boykott Israels gegen Deutschland ausgerechnet im Kulturbereich herrsche. Ansonsten wolle in Israel niemand auf deutsche Produkte verzichten, sogar U-Boote würden importiert. „Es gibt kein stärkeres Symbol für den Schrecken, in den die Nazi-Armee die ganze freie Welt versetzt hat, als das U-Boot.“

Befürworter des Wagner-Boykotts halten dagegen, die Gefühle von Überlebenden der Shoah seien zu respektieren. So meinte Zubin Mehta, der selbst lange gegen den Boykott argumentiert hatte, jüngst zur „Presse“, er habe volles Verständnis für diese Rücksichtnahme. Viele Holocaust-Überlebende empfinden Wagners Musik als „eine schreckliche ,Begleitmusik‘ des NS-Regimes“, sagt auch der Bayreuther Musikwissenschaftler Thomas Betzwieser, der dafür plädiert, auch Wagners Schriften zu berücksichtigen: „Es ist vor allem die Denkfigur der ,jüdischen Verschwörung‘, der sich Wagner fortwährend ausgesetzt glaubte.“

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