Wagner-Konzert in Israel wurde abermals abgesagt

11.06.2012 | 17:11 |   (Die Presse)

Nach der Absage der Universität Tel Aviv ist jetzt auch die Suche nach einem Ersatzort für ein Konzert mit Wagner-Musik gescheitert. Die Gefühle von Überlebenden der Shoah seien zu respektieren.

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Die Ouvertüren  von „Tannhäuser“ und den „Meistersingern“, der Liebestod aus „Tristan und Isolde“ und der „Walkürenritt“ sowie Siegfrieds Trauermarsch aus dem „Ring“: Diese bekannten Ausschnitte aus Opern Richard Wagners wollten der Veranstalter Jonathan Livny und der Dirigent Asher Fisch am 18. Juni in der Universität Tel Aviv aufführen. Das wurde als Bruch des Wagner-Boykotts empfunden, der 1938 – nach der Pogromnacht in NS-Deutschland – verhängt wurde, noch vor der Gründung des Staates Israel. Wohl wurden seitdem einzelne Stücke Wagners bei Konzerten gespielt – etwa 2001 von Daniel Barenboim –, nie aber gab es ein ganzes Konzert mit Wagner-Musik in Israel.

Auf Druck von Überlebenden des Holocaust sagte die Universität Tel Aviv das Konzert ab. Livny und Fisch fanden einen Ersatzort: das Hilton-Hotel in Tel Aviv. Dort sollte das Wagner-Programm schon am 16. Juni aufgeführt werden. Doch nun hat auch das Hotel abgesagt.

Rücksicht auf Shoah-Überlebende

Asher Fisch, der am 23. Juni in der Universität Tel Aviv mit dem Israelischen Philharmonieorchester Rossinis „Stabat Mater“ aufführt, hatte für das Wagner-Konzert eigens ein Orchester aus etwa 100 israelischen Musikern gebildet. Er meint, es könne nicht sein, dass israelische Orchestermusiker „ihr berufliches Leben leben, ohne Wagners Musik gespielt zu haben“. Ihn ärgere es, dass der letzte Boykott Israels gegen Deutschland ausgerechnet im Kulturbereich herrsche. Ansonsten wolle in Israel niemand auf deutsche Produkte verzichten, sogar U-Boote würden importiert. „Es gibt kein stärkeres Symbol für den Schrecken, in den die Nazi-Armee die ganze freie Welt versetzt hat, als das U-Boot.“

Befürworter des Wagner-Boykotts halten dagegen, die Gefühle von Überlebenden der Shoah seien zu respektieren. So meinte Zubin Mehta, der selbst lange gegen den Boykott argumentiert hatte, jüngst zur „Presse“, er habe volles Verständnis für diese Rücksichtnahme. Viele Holocaust-Überlebende empfinden Wagners Musik als „eine schreckliche ,Begleitmusik‘ des NS-Regimes“, sagt auch der Bayreuther Musikwissenschaftler Thomas Betzwieser, der dafür plädiert, auch Wagners Schriften zu berücksichtigen: „Es ist vor allem die Denkfigur der ,jüdischen Verschwörung‘, der sich Wagner fortwährend ausgesetzt glaubte.“

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15 Kommentare

Die gleichen Fehler werden in dümmlichster Weise wiederholt

Unter Hitler wurden jüdische Komponisten nicht aufgeführt, jetzt führt man Wagner in Israel nicht auf, nur weil Hitler ihn gerne hörte. Vielleicht wird auch noch ein allgemeines Eiernockerl- und Schäferhundverbot erlassen. Allen Ernstes wurde ja auch (obgleich das nicht direkt hierher gehört) Mozart zum Rassisten erklärt, indem vor Jahren ein überbeflissener Regisseur den Mohren Monostatos aufgrund des Satzes "...weil ein Schwarzer häßlich ist" zu einem Priester in schwarzer Soutane umfunktionierte. Man sieht die Kunst nicht mehr in ihre Entstehungszeit eingebettet, auch nicht als l´art pour l´art, sie ist (wie übrigens auch die Geisteswissenschaft, ja beinahe schon die Naturwissenschaft) zur Sklavin einer blindwütigen politischen Korrektheit geworden.

Gast: Sachs
14.06.2012 10:50
2 0

Mir geht dieses Thema allmählich auf den A''''

Das Wagner nicht unbedingt judenfreundlich war ist kein Geheimnis. Nur: Jeder hat seine Feindbilder. Das heißt nicht, dass deswegen Massenmorde an einer entsprechenden Gruppe befürwortet/unterstütz/gutgeheißen wird.

Wagner starb 50 Jahre bevor Hitler an die Macht kam. Dass der ausgerechnet seine Musik "benutzt" hat, kann nicht Wagner zum Vorwurf gemacht werden. Ebensogut hätte es jeden anderen Komponisten treffen können (aus Mozarts Zauberflöte oder Entführung hätte sich sicher einiges machen lassen, nur so als Beispiel).

Wenn jemand die Musik nicht hören will, soll er dem Konzert einfach fern bleiben. Dass sie deshalb von einem gesamten Staat boykottiert wird, weil man nicht zwischen dem Komponisten, dem Werk, und dem was daraus 50 Jahre später gemacht wurde, differenzieren kann, finde ich lächerlich.

Israel X Iran

Zeigt mir bitte den Unterschied zwischen Israel und dem Iran! Es gibt keinen, da in beiden Länder die religiösen Oberhäupter das Wort haben.

Gast: lalalala
12.06.2012 12:08
1 6

Israel hat recht



Israel hat recht darauf zu bestimmen, was es will und NICHT will

abgesehen:
Die Musik von Wagner ist montom und düster. Wie kann man so was anhören!

Re: Israel hat recht

Ja das ganze Volk hätte das Recht zu bestimmen ob es das Konzert besuchen will oder nicht. Aber nicht einige religiöse Rabinas haben das Recht dem Volk vorzusagen was es will oder nicht will.

Mir persönlich gefällt Wagner überhaupt nicht. Und trotzdem lasse ich mir nicht vorschreiben ob ich Ihm hören darf oder nicht!

Antworten Gast: tommon
12.06.2012 20:54
0 1

Re: Israel hat recht

ja stimmt, die is so montom!

Antworten Antworten Gast: schreker
14.06.2012 14:56
0 0

Re: Re: Israel hat recht

Ja, mir ist sie auch immer schon sehr montom vorgekommen!

3 3

Zitat Woody Allen

Immer wenn ich Wagner höre, habe ich das Bedürfnis, in Polen einzumarschieren.

wer Wagner Musik nicht ...


hören will, der soll nicht hingehen.

Na dann halt nicht...

wen kümmert das? Was geht uns das an?

Gast: gast 09798
11.06.2012 21:56
11 3

Wirklich lächerlich!


ziemlich lächerlich

und auf Mercedes, BMW, vw, Siemens, man, BASF, deutsche u Boote, deutsches Geld und und und verzichtet israel nicht? gerade die Kultur wird boykottiert?! das heutige D ist wohl der demokratischste und anständigste Staat auf der Welt und hat nichts mit nazideutschland zu tun.

Du tust ja gerade so, als ...

... ob Wagner das einzige deutsche Kulturgut wäre, das boykottiert wird, weil deutsch.
So ein Schwachsinn!
Ich will diese Entscheidung des Boykotts nicht gutheißen, aber sie zu verurteilen wäre auch nicht besonders intelligent!

Re: ziemlich lächerlich

eine Stärke israels, man nehme nur wenn es etwas bringt

Antworten Antworten Gast: Sinnlos
12.06.2012 16:40
0 0

Re: Re: ziemlich lächerlich

Der Mensch sucht immer die besten Ismen für sich aus.

Sinkothek

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