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András Schiff: Ein Gipfelstürmer im Beethoven-Zenit

18.06.2012 | 16:35 |  Von Walter Dobner (Die Presse)

Ausschließlich Variationen brachte der 1953 in Budapest geborene Pianist András Schiff bei seinem jüngsten Auftritt im Wiener Konzerthaus – mit den Diabelli-Variationen als mitreißendem Finale.

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András Schiff ist das jüngste Ehrenmitglied der Wiener Konzerthausgesellschaft. Nach seinem Recital am Sonntag wurde ihm die Urkunde über diese selten verliehene Auszeichnung überreicht. Man zeichne „nicht nur einen einzigartigen Künstler, der dem Haus lange verbunden ist“, aus, sagte Konzerthausintendant Bernhard Kerres, „sondern auch einen couragierten Menschen, der sich für menschliche Grundrechte und gegen Fremdenhass, Antisemitismus und andere Formen der Ausgrenzung einsetzt“.

Tatsächlich zählt der 1953 in Budapest geborene Pianist zu den besonders treuen und wichtigen Künstlern des Wiener Konzerthauses. Anfang der 1980er-Jahre hat er sich hier mit Bachs Goldberg-Variationen vorgestellt, wurde dafür begeistert gefeiert. In den folgenden Jahren präsentierte er sich mit seiner ganzen künstlerischen Palette. Und diese ist weit: Sein interpretatorisches Interesse reicht von Bach bis in die Gegenwart. Neben seiner solistischen Tätigkeit spielt er gern mit verschiedenen Ensembles Kammermusik, begleitet Sänger, greift zuweilen zum Taktstock.

Neugierig machen Schiffs Auftritte stets, denn ausgetretene Pfade meidet er. Selbst bei einem Variationenprogramm – wie diesmal – wartet er mit Überraschungen auf. Wann hat man zuletzt Mozarts B-Dur-Variationen über ein (möglicherweise von ihm stammendes) Allegretto KV 500 gehört? Wie oft schon live Schumanns späte „Geistervariationen“, deren Thema, folgt man Berichten seiner Frau Clara, ihm angeblich Engel geflüstert haben sollen?

Beides, zusammen mit den mit ebensolcher Eleganz und Phrasierungsnoblesse bewältigten Variations sérieuses von Mendelssohn und Haydns f-Moll-Variationen, bildeten den ersten Teil von Schiffs Solorecital.
In diesem Fall, bei aller meisterhaften Darstellung, nur die Ouvertüre. Das eigentliche Ereignis fand nach der Pause statt: Schiffs Auseinandersetzung mit Beethovens Diabelli-Variationen. Hätte man es nicht gewusst, würde man nicht glauben, dass er dieses Werk erst seit Kurzem in seinem Repertoire hat. Mit solcher Selbstverständlichkeit in Tempo, Gestik und Dynamik durchmaß er diese an höchsten Ansprüchen reiche 33-teilige Variationenreihe.

Neben der perfekten pianistischen Darstellung, der schon von seinem Bach-Spiel bekannten exemplarischen Transparenz selbst in den vertracktesten polyphonen Passagen und seinem eminenten Klangsinn frappierte vor allem Schiffs Fähigkeit, bei aller subtilen Konzentration auf das Detail nie die große Linie aus den Augen zu verlieren. An Spannung nie erlahmende 50 Minuten waren damit garantiert. Demnächst wird Schiff diesen Beethoven auch einspielen, und zwar gleich doppelt: auf einem modernen Flügel und einem Hammerklavier.

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1 Kommentare

"von seinem Bach-Spiel bekannten exemplarischen Transparenz"

Was in aller Welt soll das heißen? Das man alle Noten hört? Das ist doch nur das Selbstverständliche!

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