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Lars Vogt, neben der Spur der Hörgewohnheit

20.06.2012 | 18:35 |  HELMAR DUMBS (Die Presse)

Der deutsche Pianist überzeugte im Wiener Konzerthaus mit Chopin, Brahms und Larcher. Berührender hat man das selten gehört.

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Lars Vogt ist ein Pianist, der gern ein wenig neben der Spur der Hörgewohnheiten spielt. Er unternimmt keine Egotrips, zwingt den Hörer aber zum Aufhorchen. Das ist im Allgemeinen zu begrüßen.

Trotzdem ist es im Speziellen vielleicht nicht die beste Idee, bei einem der humorvollsten Stücke der Klavierliteratur über die brachiale Komik einfach so hinwegzuspielen wie im dritten Satz von Haydns C-Dur-Sonate Hob XVI/50. Generell wäre die Hast, mit der Vogt in den Ecksätzen zu Werke ging, nicht nötig gewesen, sie verschüttet verschwenderisch manch feinsinniges Detail.

Beim folgenden Chopin gelangen Vogt gleich zwei Coups: Der erste, indem er die Berceuse in Des der b-Moll-Sonate quasi als nullten Satz voranstellte: Das passte, nicht nur wegen der Tonarten-Verwandtschaft, so perfekt zusammen, als hätte es der Komponist selbst so intendiert. Der zweite, indem er den berühmten Trauermarsch zum musikalischen Zentrum des Werks machte. Jenes Stück also, das auch Klavierschüler bald einmal bewältigen, dessen Schlichtheit aber die wahre Schwierigkeit darstellt. Vogt nimmt sich am Anfang viel Zeit, wie jemand, der durch den Tod eines geliebten Menschen noch halb benommen ist. Dann gewinnt der Klang sukzessive an Kontur und Kraft, um schlagartig zusammenzusacken und der Erinnerung an glückliche Tage Raum zu geben. Berührender hat man das selten gehört.

Nach der Pause widmete sich Vogt mit viel Hingabe und Liebe zum Detail dem sympathischen Zyklus „Poems – 12 Stücke für Pianisten und andere Kinder“ des anwesenden Thomas Larcher. Und damit man über die technisch eher einfachen Miniaturen nicht vergisst, wie brillant er Klavier spielen kann, gab's zum Abschluss noch Teil eins von Brahms' fingerbrecherischen Paganini-Variationen. Und viel Applaus.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.06.2012)

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