Musikverein: Mephisto hat es einfach leichter

Tugan Sokhiev und sein Toulouser Orchester lieferten eine rundum überzeugende Deutung von Berlioz' „Fausts Verdammnis“.

Musikverein Mephisto einfach leichter
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Musikverein Mephisto einfach leichter
(c) APA/GEORG HOCHMUTH (GEORG HOCHMUTH)

Es ist ja meistens so: Die bösen Jungs bieten einfach die dankbareren Rollen. Und damit sind wir mitten in einem alten „Faust“-Problem: Dem Mephisto ist die steilere Vorlage gegeben. Freilich muss man sie zu verwerten wissen, doch ein ausgefuchster Profi wie Alastair Miles lässt sich das nicht zweimal sagen, und so geriet sein Mephisto in Hector Berlioz' „Damnation de Faust“ am Freitag im Wiener Musikverein mit vielen trefflich gesetzten farblichen Akzenten zur eindringlichsten Rollenzeichnung, auch wenn sein Bass vielleicht nicht der fülligste sein mag.

Abgesehen von der „Symphonie fantastique“ kann man ja nicht behaupten, dass Berlioz hierzulande Gefahr läuft, zu oft aufgeführt zu werden, vielleicht auch wegen seiner Neigung zu epischen Formaten. Umso deutlicher macht eine gelungene Aufführung des „Faust“ wie durch das Orchestre Nationale du Capitole de Toulouse unter seinem jugendlich-agilen Chef Tugan Sokhiev diese Leerstelle bewusst. Sokhiev gelingt scheinbar mühelos das Wichtigste: über die fast zweieinhalb Stunden Dauer die Spannung immer am Köcheln zu halten. Er weiß, dass man da mehr tun muss, als Berlioz' notorischer Farbenpracht die Bühne zu bereiten. Da gilt es, sich nicht in der Kleinteiligkeit instrumentatorischer Finessen zu verlieren, sondern organisch eins aus dem anderen folgen zu lassen und dieser herrlichen Partitur die nötige Luft zum Atmen zu geben. Da kann es auch schlüssig sein, einen Hit wie den „Ungarischen Marsch“ dezenter anzulegen: Sokhiev setzt hier keine harten Akzente, treibt das Stück nicht ungestüm voran. Man hört vielmehr das sich bedrohlich heranwälzende Heer der vorigen Szene.

 

Stimmlich gar nicht schüchternes Gretchen

Der von Johannes Prinz einstudierte Singverein fügte sich passgenau ins große Ganze, nur der heikle Einsatz zum Osterhymnus geriet etwas verwackelt. Ganz ordentlich auch die Sängerbesetzung: Neben Miles waren das vor allem Olga Borodina als stimmlich gar nicht schüchternes Gretchen und Bryan Hymel, der dem Faust seinen schön geführten, wenn auch eher schlanken Tenor lieh. Erst gegen Ende, in „Wald und Höhlenlandschaft“, blendete er seine Stimme einmal richtig auf und zeigte damit, was auch an anderen Stellen möglich gewesen wäre. hd

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.02.2013)

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