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Yefim Bronfman: Groteske, grandios gehämmert

15.02.2008 | 18:35 |   (Die Presse)

Umjubelt: Pianist Yefim Bronfman bei den Wiener Philharmonikern unter Valery Gergiev.

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Da rattern Maschinen, spuken Monster und purzeln kühne Caprices, während es im Untergrund barbarisch brodelt: Prokofieffs Zweites Klavierkonzert stempelte bei der Uraufführung 1913 den 22-jährigen Komponisten und Pianisten zum Enfant terrible. Mittlerweile taugt es (freilich in der zweiten Fassung von 1922) im Wiener Musikverein zum umjubelten Höhepunkt – weil man gelernt hat, Schock und Schrecken zu genießen?

Doch der Reihe nach. Mit Valery Gergiev haben für die Wiener Philharmoniker wieder intensive Wochen begonnen: Der Workaholic aus dem Kaukasus leitet zunächst vier Konzerte mit drei Programmen in Wien als Probedurchlauf für eine Tournee, die Anfang März in der New Yorker Carnegie Hall enden wird. Nach dem Auftakt am Donnerstag im Wiener Musikverein schien freilich Solist Yefim Bronfman der eigentliche Erfolgsgarant. Mit virtuoser Selbstverständlichkeit leuchtete er Prokofieffs grandiose Groteske aus, klapperte so treffsicher wie lakonisch trocken mit stupender Rasanz gleichsam alle Winkel der Klaviatur ab und verlor dabei weder Übersicht noch Kondition. Letzten Herbst hatte er hier Brahms' B-Dur-Konzert mit ähnlich zugespitzter, unpassender Attitüde gespielt, diesmal erwies sich sein virtuos nuanciertes Hämmern als glänzendes Atout. Die Philharmoniker boten ihm nicht übel Paroli, sprühten, wo nötig, giftige Aperçus über des Solisten Parforceritt aus und knieten sich tief in die satten Tutti.


Erdhaft getönte „Pathétique“

Da konnte der Rest nur abfallen. Unlängst hatten die Berliner Philharmoniker unter Seiji Ozawa mit der „Pathétique“ Herbert von Karajans gedacht. An deren brillanter Direktheit und auf äußeren Glanz zielender Spielweise hat Gergiev kein Interesse, wohl aber an kompakt-dunklem, erdhaft abgetöntem Orchesterklang, der Tschaikowskys symphonischem Abschied an sich besser anstand. Und im Gegensatz zu Ozawa spulte er das Allegro con grazia nicht bloß als leichtgewichtiges Intermezzo ab, sondern integrierte es in die „Handlung“ des Werks.

Darüber hinaus ereignete sich wenig Mitreißend-Bewegendes: viel Steigerungspotenzial für die Tournee also. Fortsetzung folgt im Philharmonischen u.a. mit Liszts „Les Préludes“ und Tschaikowskys Fünfter sowie am Montag mit Wagners „Tristan“-Vorspiel nebst Liebestod und Debussys „La Mer“. wawe

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.02.2008)

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3 Kommentare
Gast: Beckmesserl
15.02.2008 19:45
0 0

Darüber hinaus - wenig???

Schon klar, wenn einer - wawe wohl - die von Bronfman unwahrscheinlich exekutierte Zugabe nicht kennt (letzter Satz der Prokofjew-Sonate Nr. 7 B-Dur), dann reduziert sich alles auf einen Bericht zu Herrn Ozawas Stil (mit den Berliner Kollegen). Und da Herr Gergiev in der PRESSE ganz allgemein nicht geschätzt wird, gibt es dann das zu lesen, was passenderweise als Groteske betitelt wurde...

Antworten wawe
15.02.2008 22:46
0 0

Re: Darüber hinaus - wenig???

Liebes Beckmesserl,
leider musste mein begeisterter Satz zur von mir sehr wohl identifizierten Zugabe aus Platzgründen wegbleiben. Dass Sie sich nicht für (noch dazu so naheliegende) Interpretationsvergleiche interessieren, kann ich kaum glauben, zumal Sie bei genauer Lektüre durchaus Lob für den von Ihnen besonders geschätzten Maestro Gergiev entdecken werden. Mein Resümee nicht zu teilen, ist Ihr gutes Recht, aber warum gilt Ihnen mein Text grundsätzlich als "Groteske", wenn wir doch in Bezug auf den Pianisten übereinstimmen?
Walter Weidringer (wawe)

Antworten Antworten Gast: Beckmesserl
16.02.2008 14:10
0 0

Re: Re: Darüber hinaus - wenig???

Maître!
"Groteske" ist - ganz simpel - Ihrem Text-Titel entnommen... nehmen Sie's mir übel?
Was ich halt so gar nicht schätze, ist, Be- (oder auch Ver-)urteilungen von kulturellen Erlebnissen durch Querverweise auf andere Interpreten vorzunehmen - das ist meistens ein Mittel, etwas zu desavouieren, ohne dass sich das aus der aktuellen Rezension beweisen lässt. Kurz gefasst: um eine Begegnung gut oder schlecht zu finden, muss ich nicht von einer anderen berichten!
Zum Ende: nach einer Flut von 6. (und 5.) Symphonien Tschaikowskys freut mich die Begegnung mit Prokofjew besonders, und Bronfman ist dafür der beste Handlanger!
PS.: ja,ja - die Zeilenbegrenzung ist ein Hund.... :-)