Enttäuschte, die für Händels so gut wie ausverkaufte Alcina in der Staatsoper keine Karten mehr bekamen, hätten am Mittwoch eigentlich das Theater an der Wien stürmen müssen. Das taten sie offenbar nicht: es blieben durchaus einige Plätze frei, und das fällt in die Kategorie „schwer verzeihliches Versäumnis". Denn eines lässt sich ohne Übertreibung sagen: Recht viel besser als Robert King und sein auch schon wieder 30 Jahre existierendes King‘s Consort kann man eine Händel-Oper kaum spielen.
Konkret „Ottone, re di Germania" aus dem Jahr 1723. Ein Werk, das Händel nicht nur einen der größten Erfolge seiner Londoner Zeit eintrug, sondern auch die von jedem Musiklehrer gerne erzählte Anekdote, wie der Komponist die mit der Auftrittsarie unzufriedene italienische Koloratur-Drossel fast per Fenstersturz entsorgt hätte. Die Handlung: Der deutsche König Otto II. heiratet die byzantinische Prinzessin Teofane. Weil es eine Oper ist, gestaltet sich das nicht so einfach. Und weil es eine Barockoper ist, ist das Ganze noch ein wenig komplizierter. Interessierte lesen das bitte selbst nach.
Inszenierung hat bei dieser konzertanten Aufführung jedenfalls keine gefehlt. Weniger deshalb, weil Regisseure schon bei etwas leichter fasslichen Stoffen oft hilflos wirken, wie am selben Ort derzeit anhand von Mozarts „Finta Giardiniera" zu besichtigen ist. Sondern vor allem, weil die kaum fassbare Breite an Affekten und Nuancen, die King aus seinem bestens eingespielten Ensemble hervorzauberte, ohnehin alle Gefühlswelten aufs Schönste abbildete: von zartesten, aus den Saiten geschmeichelten Liebesregungen, über schneidende, einem hinterhältigen Pianissimo entwachsende Dissonanzen des seelischen Zwiespalts, bis zu heißblütigen Wutausbrüchen.
Einziger Wermutstropfen: Höherklassige Gesangssolisten hätten mit dieser Luxus-Vorgabe aus dem Orchestergraben vielleicht noch mehr anzufangen gewusst. Von dieser Kritik ausnehmen muss man allerdings den famosen britischen Countertenor Iestyn Davies, der in dieser Saison schon zum zweiten Mal im Theater an der Wien zu erleben war. Eine so kultiviert abgerundete, füllig-voluminöse Stimme können die Wenigsten seines Fachs aufbieten. Das wurde besonders im direkten „Duell" mit seinem Gegenspieler Robin Blaze (Adalberto) deutlich, ein Händelscher Geniestreich an musikalischer Dramaturgie. Der Sopran von Claire Debono (Teofane) legte im Verlauf des Abends seine anfängliche Schärfe glücklicherweise ab, Mhairi Lawson als Gismonda wollte hingegen weder mit ihrer Intrige noch mit ihrer Stimme so recht durchdringen.
Milliarden-Streifen Die 12 erfolgreichsten Filme der Kino-Geschichte
Günther Kaufmann ist tot Ein Leben wie ein Film
Song Contest Die Gegner der Trackshittaz