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Haydns Symphonik, seine Liebe und seine Vorbilder

23.10.2011 | 20:00 |   (Die Presse)

Nikolaus Harnoncourt richtete im Musikverein ein Haydn-Fest aus. Am Tag davor: Ton Koopman im Konzerthaus.

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Manchmal ist der Zufall der beste Dramaturg. Am Samstag richteten Nikolaus Harnoncourt und sein Concentus Musicus ein Haydn-Fest im Musikverein aus. Die Tageszeiten-Symphonien standen auf dem Programm, von Haydn 1761 komponiert, kurz nachdem er seinen Dienst als Vize-Kapellmeister in Eisenstadt angetreten hatte. Es sind frühe sinfonische Wunderstücke, die er für den Eisenstädter Hof komponierte – und mit denen er das dortige Orchester vorführen konnte. So setzt er Flöte, Oboe, Fagott, Geige, Cello und Kontrabass genüsslich solistisch ein und lässt sie miteinander kommunizieren. Ein Genuss auch für Harnoncourt und seine prachtvollen Musiker, die mit aller Beredtheit, virtuoser Raffinesse und herrlich warmem Ton diese Concerti Grossi in Sinfonieform quicklebendig zum Klingen brachten, von den ersten Sonnenstrahlen bis zum nächtlichen Sturm.

„Wer mich gründlich kennt, der muss finden, dass ich dem Emanuel Bach sehr vieles verdanke, dass ich ihn verstanden und fleißig studiert habe“: Dieses Haydn-Zitat überliefert Biograf Griesinger. Was für ein Glück, dass am Tag vor dem Concentus-Konzert Ton Koopman mit seinem Amsterdam Baroque Orchestra im Konzerthaus gastierte und just von dem zwischen Barock und Klassik komponierenden Bach-Sohn Carl Philipp Emanuel zwei ebenfalls höchst originelle Sinfonien in feinem Alte-Instrumente-Ton brachte: die in G-Dur (Wq 183/4) und die in D-Dur (Wq 183/1). Dazwischen bewies Koopman seine Organistenkunst mit dem frühen Orgelkonzert in C-Dur, das Haydn 1756 für Therese Keller komponiert hatte. In diese, die jüngere Schwester seiner Frau, war er laut Griesinger verliebt. Sein Pech: Die Komposition galt ihrem Klostereintritt. Das spannende Quasi-Proseminar zum Concentus-Konzert klang in einer mit viel Verve und glänzenden Trompeten gegebenen dritten Orchestersuite von Vater Bach aus.

Im Musikverein kam zum Finale die ganze symphonische Größe Haydns zu ihrem Recht: mit der 1794 komponierten „Militär-Symphonie“, die Harnoncourt zur „Anti-Militär-Symphonie“ erklärte, um plastisch und mitreißend, samt krachend martialischem Schlagwerk und schallendem Trompetensignal des Deserteurs, den bejubelten Beweis dafür zu führen. mus

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.10.2011)

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