Steude-Quartett: Kammermusik regt auf

Operndirektor, Generalmusikdirektor und Philharmoniker-Vorstand jubeln im Gläsernen Saal des Wiener Musikvereins.

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SteudeQuartett Kammermusik regt
(c) APA (MUSIKVEREIN/STUDIO ANZBOECK)

Wenn es je einen Quartettabend gab, dessen Wichtigkeit sich vorab schon durch einen Blick ins Auditorium erwies, dann diesen. Wiens Generalmusikdirektor Franz Welser-Möst saß auf dem Balkon, Philharmoniker-Vorstand Hellsberg auf der Estrade, einer seiner Vorgänger und Operndirektor Dominique Meyer saßen im Parkett.

Und im Übrigen drohte der Gläserne Saal aus allen Nähten zu platzen. Interesse für Kammermusik ist ja ausreichend vorhanden. Vielleicht wird es in den Wiener Konzertsälen nur nicht liebevoll genug bedient. Wie auch immer: Was die vier philharmonischen Herren im Verein mit ihrem fulminanten jungen Klarinettisten-Kollegen Daniel Ottensamer und der nicht minder fulminanten Pianistin Barbara Moser zuwege brachten, war nicht mehr und nicht weniger als ein musikdramatisches Ereignis in drei Akten.

 

Bewegendes von Franz Schmidt

Franz Schmidts hochexpressives, im Gedenken an die früh verstorbene Tochter des Komponisten geschriebenes B-Dur-Quintett inmitten. Barbara Moser hat die für den einarmigen Pianisten Paul Wittgenstein geschriebene Klavierstimme behutsam für beide Hände arrangiert und harmoniert blendend mit dem philharmonischen Ensemble: Was wienerische Spielkultur ist, ließ sich an den schlafwandlerisch sicher ausbalancierten Übergängen dieser Aufführung begeisternd studieren.

Zudem, nebst beschwingter Elegance im Finale, beschworen die Musikanten Stimmungen von entrückter Schönheit. Das Quartett umrahmte den Exkurs in die Wiener Spätromantik mit Schuberts Quartettsatz und Brahms' c-Moll-Quartett in – bei souveräner Formbeherrschung – atemberaubend eruptiven Darstellungen.

Steude-Quartett, Musikverein: 8. Mai 2012 (Korngold, Beethoven)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.03.2012)

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