Steude-Quartett: Kammermusik regt auf

11.03.2012 | 18:37 |  WILHELM SINKOVICZ (Die Presse)

Operndirektor, Generalmusikdirektor und Philharmoniker-Vorstand jubeln im Gläsernen Saal des Wiener Musikvereins.

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Wenn es je einen Quartettabend gab, dessen Wichtigkeit sich vorab schon durch einen Blick ins Auditorium erwies, dann diesen. Wiens Generalmusikdirektor Franz Welser-Möst saß auf dem Balkon, Philharmoniker-Vorstand Hellsberg auf der Estrade, einer seiner Vorgänger und Operndirektor Dominique Meyer saßen im Parkett.

Und im Übrigen drohte der Gläserne Saal aus allen Nähten zu platzen. Interesse für Kammermusik ist ja ausreichend vorhanden. Vielleicht wird es in den Wiener Konzertsälen nur nicht liebevoll genug bedient. Wie auch immer: Was die vier philharmonischen Herren im Verein mit ihrem fulminanten jungen Klarinettisten-Kollegen Daniel Ottensamer und der nicht minder fulminanten Pianistin Barbara Moser zuwege brachten, war nicht mehr und nicht weniger als ein musikdramatisches Ereignis in drei Akten.

 

Bewegendes von Franz Schmidt

Franz Schmidts hochexpressives, im Gedenken an die früh verstorbene Tochter des Komponisten geschriebenes B-Dur-Quintett inmitten. Barbara Moser hat die für den einarmigen Pianisten Paul Wittgenstein geschriebene Klavierstimme behutsam für beide Hände arrangiert und harmoniert blendend mit dem philharmonischen Ensemble: Was wienerische Spielkultur ist, ließ sich an den schlafwandlerisch sicher ausbalancierten Übergängen dieser Aufführung begeisternd studieren.

Zudem, nebst beschwingter Elegance im Finale, beschworen die Musikanten Stimmungen von entrückter Schönheit. Das Quartett umrahmte den Exkurs in die Wiener Spätromantik mit Schuberts Quartettsatz und Brahms' c-Moll-Quartett in – bei souveräner Formbeherrschung – atemberaubend eruptiven Darstellungen.

Steude-Quartett, Musikverein: 8. Mai 2012 (Korngold, Beethoven)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.03.2012)

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3 Kommentare
Gast: Musica
12.03.2012 10:27
1 0

Es interessiert mich sowas von überhaupt nicht, wer im Publikum sass!

lieber Sin - das Publikum spricht nicht für die Qualtität des Abends. Bitte beschränken Sie sich in einer MUSIKKRITIK auf das wesentliche - den Klatsch hole ich mir nach Bedarf wo anders!

Gast: schreker
11.03.2012 22:01
1 1

Sinko rettet wieder einmal

den Wiener Kulturbetrieb, indem er uns darüber belehrt, daß man hierzulande zuwenig Kammermusik spielt. Puh, gerade nochmal gut gegangen! Danke, sin!

Gast: furio
11.03.2012 21:56
1 1

unlaubhaft

Was mich aufregt, sind "Kritiken" wie diese ! Ich bitte wirklich instaendig, den halbwegs gebildeten geneigten Presse-Leser (in meinem Fall via Internet aus den USA) mit solchen Schwafeleien von "wienerischer Spielkultur" zu verschonen. Jeder international auf hoechstem Niveau spielende Orchestermusiker auf der ganzen Welt hat eine "Spielkultur".
Der Rest der "Kritik" bedient - wie ich vermute - anscheinend diverse Freundschaften des Dr. Sin - undenkbar waere so etwas z BSP hier in der NY Times !

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