Dmitri Schostakowitsch ist trotz häufiger Aufführungen nach wie vor ein Unbekannter, denn die Doppelbödigkeit seiner symphonischen Erzählungen, die geheimen Botschaften einer gequälten Existenz, die unter den stalinistischen Repressionen zu leiden hatte, entdeckt man erst langsam. Populär wurde seine Musik wegen ihrer scheinbar einfachen, zugänglichen – Mahler'sche Erzähllust weiterschreibenden – Klangsprache. Eine neue CD vereint drei Musterbeispiele für die frühe Schostakowitsch-Rezeption, als man ohne Hintergedanken zunächst einmal die brillanten Texturen seiner Konzertpartituren zu entschlüsseln begann. Exzellente Solisten halfen bei der Landnahme: David Oistrach spielte ohne mit der Wimper zu zucken noch die rasantesten Passagen des Ersten Violinkonzerts mit Bombenton, Mstislav Rostropowitsch zeigt auf, wie gesanglich man das Erste Cellokonzerte gestalten kann – und Leonard Bernstein demonstrierte dirigierend und als Pianist, wie viel er auch als Komponist von der metrisch-rhythmischen Bravour des Zweiten Klavierkonzerts gelernt hatte.
Schostkowitsch: Three Concertos Praga (harmonia mundi).
("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.08.2012)
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