Iván Eröd: Szenen einer Befreiung

Werke des ungarisch-wienerischen Komponisten Iván Eröd.

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(c) Teresa Zötl

Iván Eröd ist einer jener Meister der zeitgenössischen Musik, die sich schon früh gegen den ästhetischen Gesinnungsterror der Avantgarde nach 1945 zur Wehr gesetzt haben. Er hat sein Abweichlertum zu spüren bekommen, doch haben ihm die Zeitläufe recht gegeben: Als die Postmoderne ausgerufen wurde, war Eröd (und mit ihm einige Kollegen aus Wien, zuvörderst Kurt Schwertsik und Heinz Karl Gruber) schon längst in den scheinbar neu erschlossenen Gefilden heimisch. Eröds Karriere spiegelt sich in dieser CD des Geigers Thomas Albertus Irnberger wider: Mit dem Israel Chamber Orchestra unter Martin Sieghart und dem Pianisten Michael Korstik hat er die beiden Violinsonaten und das Violinkonzert Eröds aufgenommen. Sonate Nr. 1 und Konzert sind früheste Dokumente eines Befreiungsschlags. Eröd, 1936,

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Er schreibt Musik, die er selber hören will: Iván Eröd, geboren 1936. – (c) Unison Shot/A.S.
aufgewachsen in Ungarn, Augenzeuge des NS-Terrors in Budapest, floh 1956 angesichts der Erneuerung der Repressionen unter kommunistischem Vorzeichen aus seiner Heimat nach Wien. Hier setzte er seine ­Studien fort und erkor nach Béla Bartók zunächst Arnold Schönberg als musikalischen Schutzheiligen. Die Bartók-Verehrung endete nie. Man meint sie noch am Beginn der 2000 vollendeten Sonate Nr. 2 durchzuhören. Doch die Auseinandersetzung mit den Zwölftonprinzipien der Schönberg-Schule okkupierte Eröds Denken – wie das der meisten seiner Generationskollegen in den späten Fünfziger- und frühen Sechzigerjahren. Erst mit der Uraufführung der Oper „Die Seidenraupen“, 1968 bei den Wiener Festwochen, wurde Eröds Abkehr von der sanktionierten Linie der Neuen Musik offenkundig. Das wurde heftig kommentiert – doch sein Entschluss stand fest: Er wollte Musik schreiben, die vom Publikum auch beim ersten Hören „dechiffriert“ werden konnte. Musik habe mit Kommunikation zu tun, erklärte er: „Wenn ich Musik schreibe, so mit der Absicht, dass sie auch angehört und begriffen wird. Ich muss mich also einer Sprache bedienen, die geeignet ist, wenigstens von einer größeren Anzahl von Menschen verstanden zu werden.“

Kraft und Charme. Schwertsik hatte die Probleme, die Komponisten mit den „Vorschriften und Tabus“ der Avantgarde hatten, auf den Punkt gebracht, als er seinem Kollegen Gruber riet: „Wenn du gerade nicht weißt, welche Musik du schreiben sollst, schreib einfach die Musik, die du selber hören willst.“ Das hätte auch Eröds Credo sein können: Er schrieb Musik, die er selber hören wollte – und mit der kein Publikum seither Probleme hatte. Die neue CD birgt Klänge, die in Film- und U-Musik Platz haben könnten, die aber von Meisterhand perfekt in klassische Formen gebracht wurde. Die Aufführungen haben Kraft und Charme. (Gramola)

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