Walter Braunfels: Späteste Romantik

KritikJohannes Wildner entdeckt Walter Braunfels wieder.

Johannes Wildner ist ein gern gesehener Gast in Großbritannien.
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Johannes Wildner ist ein gern gesehener Gast in Großbritannien.
Johannes Wildner ist ein gern gesehener Gast in Großbritannien. – (c) Beigestellt

Johannes Wildner, Intendant der Opernfestspiele von Gars am Kamp, ist ein gern gesehener Gast an den Dirigentenpulten in Deutschland und England. Nicht zuletzt, weil er gern ausgefallene Programme realisiert, geriet er auch in den Fokus der BBC, wo er mit dem Concert Orchestra der Sendeanstalt seit einigen Jahren konsequent an der Erarbeitung des symphonischen Repertoires des deutschen Komponisten Walter Braunfels arbeitet. Drei CDs sind bereits erschienen und beweisen, dass dieser 1882 in Frankfurt als Sohn eines Literaturwissenschaftlers und einer Großnichte des Komponisten Louis Spohr geborene Künstler tatsächlich zu den kreativsten Musikern der Zwischenkriegszeit gehörte. Für die Zeitgenossen galt der Opernmeister als Dritter im Bunde neben Richard Strauss und Franz Schreker. Wie sie – und anders als die Komponisten um Arnold Schönbergs Wiener Schule – wollte Braunfels die Segnungen der Dur-Moll-Tonalität nie ganz über Bord werfen.

Walter Braunfels:  Wildner dirigiert die BBC-Musiker (Dutton).
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Walter Braunfels:  Wildner dirigiert die BBC-Musiker (Dutton).
Walter Braunfels: Wildner dirigiert die BBC-Musiker (Dutton). – (c) Beigestellt

Von den Nazis verdrängt. Auch ihm gelangen im spätromantischen Idiom einige prächtige Stücke, die gewiss im Repertoire verblieben wären, hätte nicht die nationalsozialistische Rassen-Ideologie den „Halbjuden“ Braunfels aus allen Ämtern gedrängt und die Aufführung seiner Musik fast unmöglich gemacht. Dabei war Braunfels vom Protestantismus zum Katholizismus übergetreten und setzte seiner religiösen Überzeugung in einem „Te Deum“ ein Dokument . . .

Johannes Wildner und die BBC-Musiker legen nun die Instrumentalwerke Braunfels‘ gesammelt vor. Bis dato sind aus der Reihe Aufnahmen von höchst unterschiedlichen Kompositionen greifbar, vom formal beherrschten Klavierkonzert (1911) bis zur prachtvollen Opernsuite „Don Gil von den grünen Hosen“, Musik von großem Farbenreichtum und eminenten lyrischen Qualitäten. Dass sich Braunfels nicht außerhalb seiner künstlerischen Umwelt in einem Elfenbeinturm bewegte, lassen manche „Echos“ hören, so gehen weite Passagen aus der feingliedrigen, duftig instrumentierten Tondichtung „Ariels Gesang“ nach Shakespeares „Sturm“ (1910) deutlich auf Hans Pfitzners seinerzeit höchst populären „Blütenzauber“ aus der Oper „Die Rose vom Liebesgarten“ zurück; die Analogien reichen bis in die Nähe des wörtlichen Zitats. Andererseits scheinen schärfer geschnittene Passagen, etwa in der „Schottischen Fantasie“ für Bratsche und Orchester, an den Frankfurter Landsmann Hindemith anzuknüpfen – Musik also, direkt aus dem Epizentrum der deutschen Kultur zwischen den Kriegen. Nicht nur für Schatzgräber.

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