"Tosca" mit Gheorghiu und Kaufmann

Vier Minuten Applaus nach "und es blitzten die Sterne", aber keine Wiederholung: Und dennoch ein großer, ab dem Mittelakt wirklich spannender Staatsopern-Abend:

... also: er hat nicht wiederholt! Vier Minuten lang tobten die Verehrer Jonas Kaufmanns nach der "Sternenarie"; und doch gab es kein "Bis" wie im Vorjahr. So erschien dann auch Angela Gheorghiu rechtzeitig zum großen Finale . . .

Beide Stars waren diesmal bestens disponiert - sieht man vom etwas müden, nur von einigen strahlenden Spitzentönen aufgelockerten ersten Akt ab. Im zweiten fand die Gheorghiu in der Auseinandersetzung mit  Marco Vratognas Baron Scarpia zu dramatischer Höchstform. Die aufgeputschten Dialoge gerieten atemberaubend, Vratognas Zynismus beeindruckte ebenso wie das Ebenmaß, mit dem Tosca ihr "Gebet" sang: ganz verhalten beginnend, dann immer emotioneller steigernd und in weitgeschwungene Phrasen mündend. Erstaunlich immer wieder die vokale Wandlungsfähigkeit der Gheorghiu, die in dieser Partie vom Schrei bis zum gehauchten Pianissimo sämtliche Register zu ziehen imstande ist. Die exzentrische Diva muss sie ja nicht spielen . . .

. .  . und apropos Pianissmi: Was die anlangt, ist Jonas Kaufmann der unbestrittene Weltmeister. Zwar hat er keine Mühe, eruptive Ausbrüche wie das "la vita mi costasse" im ersten, "Vittoria" im zweiten Akt mit höchster Strahlkraft in den Saal zu katapultieren, doch berückt seine Kunst subtil modellierter Phrasen am Rande der Hörbarkeit am allermeisten. Dass Wiens Staatsopernorchester gerade in diesen Regionen kammermusikalisch raffiniert Kontra gibt, veredelt einen solchen Abend zusätzlich: Debütant Elvind Gullberg Jensen am Pult organisierte den musikalischen Fluss sicher und gewürzt mit einigen kraftvollen dramatischen Coups (etwa der imposanten Kräfteballung beim ersten Auftritt des Scarpia) - was angesichts der Freiheiten, die sich die Sänger bei Puccini gern gönnen, nicht immer ein leichtes Unterfangen ist. Chapeau . . .

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