20.05.2013 04:57 Merkliste 0

Linz: Nazi-Raubkunst geht an Eigentümerin zurück

04.07.2012 | 12:16 |   (DiePresse.com)

Bei den Gemälden handelt es sich um Romako-Bilder, die dem jüdischen Internisten Oskar Reichel gehört hatten, und sich in der Sammlung des Kunstmuseums Lentos befinden.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Die Stadt Linz gibt weitere Werke bedenklicher Herkunft zurück. Diesmal handelt es sich um sechs Bilder des Wiener Malers Anton Romako (1832 bis 1889), die dem jüdischen Internisten Oskar Reichel (1869 bis 1943) gehört hatten. Die Gemälde, die sich in der Sammlung des Kunstmuseums Lentos befinden, gehen nun wieder an eine rechtmäßige Eigentümerin. Das berichteten die Oberösterreichischen Nachrichten (Mittwoch-Ausgabe).

Unter den betroffenen Bildern sind drei Porträts. In den vergangenen Jahren erzielten versteigerte Werke Romakos Preise von bis zu 48.000 Euro. Die sechs Gemälde kamen zwischen 1953 und 1956 in städtischen Besitz. Sie wurden vom Berliner Kunsthändler Wolfgang Gurlitt gekauft. Da sich die Herkunft von Etlichem aus dem Bestand Gurlitts als fragwürdig entpuppt hatte, forschen Experten seit 1999 nach der Herkunft dieser Gemälde.

Die Bilder haben dem jüdischen Wiener Internisten und Kaufmann Oskar Reichel gehört. Er besaß eine umfangreiche Kunstsammlung, musste sie aber nach der Machtergreifung der Nazis zwangsverkaufen. Reichel starb im Mai 1943 in einem Wiener Altersheim, nachdem seine Frau Malvine im Jänner 1943 in das KZ Theresienstadt deportiert worden war. Seine drei Söhne (einer wurde 1941 nach Lodz deportiert und dort ermordet) blieben kinderlos. 1998 erbte die Wahlnichte des jüngsten Reichel-Sohnes, eine in Deutschland lebende Ärztin, die Werke.

Die nunmehrige Rückgabe aus dem Bestand des städtischen Lentos erfolgt auf Basis von Gesetzen des Bundes und des Landes. Die Gemälde bleiben trotzdem im Lentos. Denn die Ärztin schließt mit der Stadt Linz einen entsprechenden Vertrag. Als rechtmäßige Eigentümerin kann sie die Romako-Bilder freilich verkaufen. Für den Fall, dass ein Kaufangebot kommt, hat die Stadt aber ein Vorkaufsrecht.

Das Lentos ist nicht das erste Museum, das Romako-Bilder aus der Sammlung Reichel an die Eigentümerin rückerstattet: 2006 restituierte das Wien-Museum vier Kunstwerke des Wiener Malers. 2010 empfahl der Kunstrückgabebeirat des Bundes dem Leopold-Museum die Rückgabe von Romako-Werken. Und im Dezember 2011 erhielt die Albertina den Auftrag, sechs Gemälde Anton Romakos der rechtmäßigen Eigentümerin zu übergeben.

Die Stadt Linz hat seit 1999 Nazi-Raubkunst zurückgegeben. Darunter Egon Schieles Bild "Stadt am Fluss" (Krumau), das die rechtmäßigen Eigentümer im Juni 2003 um 18 Millionen Euro verkauften, und Gustav Klimts "Frauenbildnis" (Porträt Ria Munk III), das im Juni 2010 einen Preis von 22,67 Millionen Euro erzielte.

(APA)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo
6 Kommentare
Gast: Karin K.
04.07.2012 19:40
0 0

Warum kauft der Staat die Bilder nicht zurück?

Für alles ist Geld da, nur dafür nicht.

0 0

Re: Warum kauft der Staat die Bilder nicht zurück?

Der Staat muss das Geld vom einstigen Verkäufer zurückverlagen und nicht auch noch zweimal dafür zahlen.

Gast: Mama Schlumpf
04.07.2012 15:44
1 0

Nazi-Raubkunst?

Die gewaltsame Wegnahme von Gegenständen aus Nazi-Besitz. Gewaltsam, aber einem kreativen Prozess folgend. Die Ausführung von Anfang bis Ende durchchoreographiert.

Romako ist natuerlich Geschmacksache

Doch zumindest das Vorkaufsrecht ist eine vernuenftige Loesung, so gehen die Werke nicht an private Haende verloren.

Angemerkt sei, dass der grosse Tegethoff, welcher in der Seeschlacht von Lissa auf der Kommandobruecke steht, von Romako gemalt wurde. Beeindruckend! (Heeresgeschichtliches Museum, Wien III)


Gast: Papa Schlumpf
04.07.2012 13:00
2 0

Was nicht alles geraubt oder angeblich geraubt wurde...

... und den Weg zurück nicht findet weil eben manche besonders wichtig sind und andere nicht.

0 0

Re: Was nicht alles geraubt oder angeblich geraubt wurde...

Vielleicht werden alle alles wieder zurückbekommen, was sie in einer Zwangslage erheblich unter Wert verkaufen mussten. Zwangsversteigerungen würden auch darunter fallen.