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Neue Studie: Österreicher sind Museumsmuffel

04.07.2012 | 17:02 |  Barbara Petsch (Die Presse)

Österreicher und Deutsche gehen im internationalen Vergleich wenig ins Museum. Ein Experte rät: Berührungsängste abbauen, mehr Events, Kooperationen mit der Wirtschaft eingehen, Mitarbeiter motivieren.

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Jeff Koons mit Generaldirektorin Sabine Haag im Kunsthistorischen Museum (KHM), nicht nur das Foto hat die Konkurrenz geärgert. Im heurigen Jänner war der US-Künstler im KHM zu Gast. Dieses widmet sich verstärkt zeitgenössischer Kunst, hat mit Jasper Sharp einen namhaften Kurator für diese engagiert – und macht auch sonst mit „Events“, etwa zum Thema Bacchus und Wein, von sich reden.

Die vom Ministerium lancierte Idee, dass Museen sich vor allem ihrem traditionellen Bereich widmen sollen, scheint vergessen. Koons' Skulpturen zieren auch das Titelblatt einer neuen Studie, die sich mit dem Management von Museen befasst. „Wir wollen nicht draufhauen, sondern neue Wege weisen“, sagt Unternehmensberater Stefan Höffinger. Seit 16 Jahren ist der WU-Absolvent in der Branche tätig, zuletzt war er bei Arthur D. Little. Nun hat er sich selbstständig gemacht und mit seiner Firma Hoeffinger Solutions die Museen durchleuchtet.

50 Prozent Eigenfinanzierung im Louvre

Er führte Gespräche mit Direktoren, nutzte den jüngsten Kulturbericht 2011 und verglich heimische Sammlungen mit ausländischen. Einige der Erkenntnisse: Österreichische Museen beklagen oft die zu geringe öffentliche Förderung, Subventionen werden kaum mehr valorisiert. Tatsächlich finanziert sich inzwischen sogar der Pariser Louvre zu 50 Prozent selbst, die Londoner Tate Modern zu 73, das New Yorker Metropolitan Museum sogar zu 87 Prozent. In Wien kommt das Belvedere auf 56 Prozent Eigenfinanzierung, die Albertina auf 50, das KHM auf 36, das Museum moderner Kunst auf 25 und das MAK auf elf Prozent. Sponsoring wird für Museen immer wichtiger. Das ist historisch gesehen keine Neuerung, früher waren Aristokratie und Geldadel Financiers von Museen. Von 2005 bis 2011 ist das Kultursponsoring in Österreich von 43 auf 50 Mio. Euro gestiegen, davon entfallen 27 Prozent auf bildende Kunst, 25 Prozent auf Musik und 21 Prozent auf darstellende Kunst. Deutsche Konzerne nutzen Sponsoring gezielt zur Imagepflege. Besucher scheinen international trotz Wirtschaftskrise in die Museen zu strömen. Der Pariser Louvre steigerte seine Besucherzahl von 2010 auf 2011 von 8,5 auf 8,9 Millionen, die Museumsinsel in Berlin blieb mit 3,4 Mio. stabil, ebenso das British Museum (5,8 Mio.). Das Pariser Centre Pompidou lockte 3,6 Mio. Besucher (2010: 3,1 Mio.) an, die Reina Sofia in Madrid 2,7 Mio (2010: 2,3). Sprünge bei den Besucherzahlen hängen oft mit Ausstellungen zusammen.

Unter den Top Ten der meistbesuchten Ausstellungen weltweit finden sich 2011 auf Platz eins die Abstrakten Expressionisten im Museum of Modern Art in New York mit 1,159 Mio. Besuchern. Es folgten Monet im Pariser Grand Palais (913.000 Besucher), „Landscape Reunited“, Malerei der Ming- und Qing-Dynastie im National Palace Museum von Taipeh (704.000 Besucher), „Alexander McQueen Savage Beauty“ (Mode) im Metropolitan Museum NY (661.000 Besucher) und Schätze der Maori im Shanghai-Museum (611.000 Besucher). Vom eurozentrischen Weltbild muss man sich verabschieden: Asien, Südamerika, der Orient werden als Kunstszene immer wichtiger. Die meistbesuchte Altmeister-Ausstellung war 2011 „Malerei und Skulptur in Rom im 18. Jh.“ in der Eremitage von St. Petersburg mit 425.000 Besuchern. Museen, die viel Verschiedenes anbieten, sagt Höffinger, sind im Vorteil. Dazu zählt die Berliner Museumsinsel, aber auch das weniger bekannte „MAS – Museum aan de Strom“ in Antwerpen: 2011 eröffnet, bietet es mit seinen 470.000 Objekten ein epochen- und stilübergreifendes Konzept zu den Themen Machtdemonstration, Weltstadt, Welthafen, Leben und Tod.

Veraltete Administration verändern

Neubauten sind stets wirkungsvoll, um Besucher anzulocken, sie müssen nicht hunderte Mio. kosten: Heuer im April wurde mit „The Eye“ in Amsterdam ein Filmmuseum im Origami-Stil von den Wiener Architekten Delugan Meissl eröffnet. Investiert wurden 40 Mio. Euro. Im internationalen Vergleich sind die Österreicher wie die Deutschen „Museumsmuffel“, in Österreich gehen 60 Prozent, in Deutschland 50 Prozent nie ins Museum. (65 Prozent der Dänen gehen ins Museum!) Was tun? Dass hohe Qualität nicht „mehrheitsfähig“ sei, hält Höffinger für falsch. Er empfiehlt den Museen, die unternehmerischer agieren als früher, einen weiteren Abbau von Berührungsängsten gegenüber Events und Kooperationen mit der Wirtschaft, klare Definition von Erfolgskriterien und mehr Förderung von Mitarbeitern mit eigenen Ideen – um die teils antiquierte, zu komplexe Administration zu verändern.

Albertina strebt kein Wachstum mehr an

Was haben die Museumsdirektoren Höffinger verraten? Nicht sehr viel, aber doch einiges Interessante. „Man würde lügen, wenn man sagt, man ist unbeeindruckt von Quoten“, erklärte KHM-Generaldirektorin Sabine Haag: „Jede/r wird an Besucherzahlen gemessen. Das KHM hat 13 wissenschaftliche Sammlungen, natürlich sind nicht alle Blockbuster, trotzdem müssen sie präsent sein, Wissenschaft nach außen sichtbar machen.“ Albertina-Direktor Klaus Albrecht Schröder: „Im Moment gibt es keine langen Warteschlangen vor der Albertina, es gibt auch keinen Quotendruck.

Das Hauptthema ist: Stabilisieren! Das bedeutet, es wird kein Wachstum angestrebt. Das Ziel ist, in einem ruppigen Umfeld die Position zu halten. Es ist viel schwerer geworden, große Blockbuster-Ausstellungen zu machen, da die Kosten im Vergleich zu den Erträgen überdurchschnittlich hoch sind. Früher kosteten sie eine Mio, heutezutage sind es zweieinhalb bis drei Mio. Euro. Da bräuchte man 300.000 Besucher, um überhaupt einen Break-Even zu erreichen.“ Kunst könne nicht gepredigt, sie müsse erlebt werden, betont Schröder, das gelte zu jeder Zeit: „Ich fühle mich nicht als Künstler, sondern als Kunstvermittler. Ein Fehlen des Publikums heißt Scheitern der Kunstvermittlung.“

Für Direktoren und Direktorinnen öffentlicher Museen „gelten heute im Grunde dieselben Verhaltensregeln und Verantwortlichkeiten wie für das Leitungsmanagement privater Unternehmen“, erläutert Karola Kraus, Direktorin des Museums für moderne Kunst. Der erhöhte Einnahmen- und Kostendruck „birgt im Bereich der Vermittlung von Kunst die Gefahr einer Kommerzialisierung,“ so Kraus. Man müsse „die eigene Ausstellungs-und Vermittlungsfunktion aktiv und offensiv überdenken und erneuern“, dürfe aber keine „rein populistischen Konzepte verfolgen“: „Wir sehen uns nicht als Vertreter einer reinen Event-und Freizeitkultur, sondern fühlen uns dem Erbe einer aufklärerischen Moderne verpflichtet“, betont Kraus. Unterschiedliche Museen dürfen „nicht nivelliert“ werden. Die Unterstützung durch Unternehmen und Sponsoren weiß das Mumok zu schätzen, es gebe aber Grenzen, wenn Firmen „institutionsfremde Inhalte einfordern.“

MAK-Chef Christoph Thun-Hohenstein  wünscht sich mehr gemeinsame Marketinganstrengungen von Museen. Die erfolgreichste Ausstellung des MAK in den letzten Jahren war ausgerechnet die medial teils heftig attackierte über Nordkorea. Das MAK „muss sich anstrengen“, Thun will die „weltweite Community“ ausbauen: „Wir sind eines der herausragenden Museen für angewandte Kunst. Mein Ziel ist es, unsere Kernkompetenz zu verfolgen. Uns ist auch der Dialog mit der Gegenwartskunst sehr wichtig. - und der gesellschaftspolitische Diskurs.“

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15 Kommentare
Gast: gebemeinensenfdazu
06.07.2012 09:33
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Vielfalt gefragt

Ich gehe gerne ins Museum, aber ich schätze es, Ausstellungen zu verschiedensten Themen zu sehen. Ein Motto - wie das "Klimt Jahr" heuer - das von mehreren Museen "abgearbeitet" wird, verhindert Vielfalt und trägt damit sicher nicht dazu bei, mehr Menschen in die Museen zu locken.

Gast: 28495676535
05.07.2012 12:27
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EINE NÖ CARD FÜR WIEN FEHLT

EINE NÖ CARD FÜR WIEN FEHLT

Wir haben seit deren "Erfindung" die NÖ CARD und nutzen diese 30 - 40 mal im Jahr (Eltern und Kinder 14 und 17).

Viele Museen, die ich nie auf gut Glück bezahlt und besucht hätte haben wir so kennen gelernt (und meist im Shop so viel ausgegeben, wie die Karten gekostet hätten). Und wenn es einmal wirklich nur eine WC-Pause ohne sonstigen Nutzen war - wir habenuns nicht geärgert und weiter alles ausprobiert.

Die Jahreskarte für alle Wiener Museen könnte m.E. bis zu 200 % der NÖ CARD kosten und wäre ein Renner und ein Gewinn für Museen und Besucher.

Die KHM-Jahreskarte war grenzwertig: ein Jahr gehabt und intensiv genutzt, war sie sicher das Geld wert. Nochmals würde ich sie nicht - erst in Jahren wieder - nehmen.

Gast

Gast: bitteichweisswas
05.07.2012 10:48
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tja-

wenn das ganze Land quasi ein (Heimat) Museum ist-!!??

Preise

Bei den Preisen kein Wunder.
In London und Budapest sind die Museen kostenlos zu besichtigen.

Re: Preise

Aber auch nur die staatlichen Museen und die machen einen Bruchteil der gesamten Museumslandschaft dieser Städte aus.


Gast: Peter Hofmueller
05.07.2012 09:20
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"Ösi's" sind Museumsmuffel

"New's"?Doch schon immer waren....
Leider sind die Eintrittspreise ziemlich "heftig"!
Gratistag eiführen wie in bella Italia & "VIVA" ESPAN'A!Auch "New's"?

Gast: Na das ist ein Ausrede...
04.07.2012 23:26
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Berührungsängste...

Vielleicht liegt's daran das man zwar die Schätz schätzt, aber keine Lust hat diese auch zu besichtigen...

Zur Erinnerung, dieses Salzfassel das damals entwendet wurde, ich wette mal das es auf dem Planten keine 100 Leute gab die über den Wert bescheid wußte und es kannten, danach kam es sogar in die Top 10 der FBI, wollte man das mit legaler Werbung der Welt bekannt machen, hätte man 100er Millionen Euro gebraucht...

Was macht man, statt den Täter mit dem große Ehrenkreuz der Republik zu würdigen steckt man in in's Hefen als Dankeschön, viel blöder geht's eh schon nimmer, im übrigen für mich persönlich ein Grund genau jenes Museum nie wieder einen Fuß hineinzustellen!

Denkbar wäre mehr Aktivitäten hineinzubringen, das die Besucher die Objekte umstellen und neu verteilen können, etc, mit derartigen Aktionen, limitierten Karten und höheren Preis, samt Mittag/Abend essen ist die Flaute in den altehrwürdigen Häusern sicher sehr schnell ein Ende gesetzt, Museen zeichnen sich aber nicht unbedingt durch Phantasie aus, viel eher durch grenzenlose Phantasielosigkeit, und das dürfte auch das Grundübel schlecht hin sein!

Gast: lhgfktghl
04.07.2012 21:47
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nicht angreifen!

des dürfen aber da nicht, gell, etc.
vor allem mit kindern sehr nicht zu empfehlen, unsere museen, drum haben mich die auch zu letzten mal gequält ....

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Museums Perversion

Ein Museum ist naturgemäß eine Perversion. Ein Künstler, der ein Kunstwerk schafft, damit es später in einem architektonisch missglückten, scheußlichen Ausstellungsraum steht oder hängt und von verschwitzten, schlecht gekleideten Pseudotouristen - ohne Blitz natürlich - fotografiert werden kann, ist selber pervers oder dumm. Wenn die Kunsthändler-Spekulanten, zu denen ja notgedrungen auch die Museumsdirektoren gehören müssen, dann damit Handel treiben, haben meist nur die Auktionshäuser etwas davon. Kunstwerke gehören in Galerien, damit man sie dort kaufen kann, wenn man es sich leisten kann. Bei der nächsten, wahnsinnigen und verbrecherischen Welle der Kunst-Politik wird dann ohnedies Vieles wieder enteignet, was immerhin vielen kunstsinnigen Juristen, Richtern und Restitutionsforschern eine Zeitlang den Lebensuntehalt sichert. Museen sind nur die Zwischenlager, in denen die Kunstwerke vorübergehend prostituiert werden. Das ist die Wahrheit.

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Naja ....

vielleicht liegst ja auch an den Preisen?
Eine Person durchschnittlich zwischen 10 - 15 € ist nicht gerade wenig wenn man zu dritt unterwegs ist ;-)

Antworten Gast: Namen sind Schall und Rauch
04.07.2012 20:53
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Re: Naja ....

Wie kommen Sie auf diese absurden Preise? In den meisten großen Museen liegt der Vollpreis für Erwachsene zwischen 7 und 10 Euro, Ermäßigungen gibt's z.T. schon mit ÖAMTC-Karte oder sogar IKEA-Familycard...

Re: Re: Naja ....

KHM oder NHM gibt's nicht unter 10 Euro, auch nicht das technische Museum oder das Haus des Meeres.

Antworten Antworten Antworten Gast: Namen sind Schall und Rauch
05.07.2012 14:04
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Re: Re: Re: Naja ....

Ja, eh. Das widerspricht mir jetzt nicht wirklich.

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Es ist kein Wunder, das

Meine Expertise: lauterEvents, Konkurrenz im eigenen Haus mit Events der Reihe nach. Schlecht ausgebildete Museumsleiter mit Haufen von Museums-Pädagogen. "Goldschätze"-Plakate auf Baustellen-Abschirmungen etc., etc.
Vielleicht wacht Ihr auf, Ihr Kapazunder in den Führungsetagen.

da kann ich lachen

ich arbeite im Wien im Museum