Nicht mit einer Jubelmeldung, sondern mit dem üblen Wort „Nachschubsorgen“ titelte das deutsche Wochenmagazin „Die Zeit“ unlängst seinen Eindruck vom deutschen Auktionsmarkt. Es fehlten in dieser Saison die „Millionenbilder“, niemand wolle gerade jetzt seine Meisterwerke verkaufen. Wobei doch gerade diese in ungewissen Zeiten die beste Wertanlage sind, wie sich über die Jahrzehnte zeigte. Während sich „ikonische“ Arbeiten anerkannter Künstler wie etwa Edvard Munchs „Schrei“ bei praktisch jeder finanziellen Wetterlage gut verkaufen, bleibt zurzeit die sogenannte „B“- und „C“-Ware, die sonst vielleicht aus reiner Lust und Kennerschaft gekauft wurde, liegen.
Das kann man nicht nur in Deutschland feststellen, das ist auch international der Fall. Obwohl sich der Kunstmarkt im Hochpreissegment trotzdem erstaunlich gut hält, wie auch die vergangene „Art Basel“ zeigte: „Wie lange geht der Kunstmarkt noch über das Wasser?“, fragt dazu das amerikanische „The Art Newspaper“ erstaunt. Leicht ist es allerdings nicht, diesen Eindruck aufrechtzuerhalten, erklärt Andrea Jungmann, Leiterin der Wiener Sotheby's-Dependance. „Es geht nicht locker, man muss ordentlich rennen für gute Werke. Der Wettbewerb ist stark. Aber die guten Werke gehen dann einfach.“ So passiert bei der gebührend glamourösen „Christie's“-Auktion der Sammlung des verstorbenen Playboys Gunter Sachs. Ob Alte Meister, Moderne, Antiquitäten oder zeitgenössische Kunst – Hauptsache, die Qualität stimmt.
Alte Meister im Dorotheum. Das bestätigt auch ein Blick auf die Toplose, die vergangene Saison das Wiener Dorotheum verließen: 869.800 Euro zahlte ein internationaler Kunstsammler bei der Auktion Alte Meister am 18. April für „Der Triumph Davids“ aus der Hand des Florentiner Meisters Lorenzo Lippi. Den zweithöchsten Zuschlag erhielt der indische Gegenwartskünstler Anish Kapoor mit einer – ja, für ihn ikonischen – Arbeit: Eine 120 cm durchmessende, dunkelblau lackierte Stahlscheibe, verkauft um 754.800 Euro. Platz drei geht an einen klassisch Modernen, an Max Ernst, überraschenderweise für eines seiner (weniger „ikonischen“) abstrakten dadaistischen Werke.
Diese weite Spanne des Angebots scheint das Glück für das Wiener Dorotheum zu sein, das „im Gegensatz zu spezialisierten Auktionshäusern sehr breit aufgestellt“ ist, kommentiert Geschäftsführer Martin Böhm die Situation im Vergleich zu den deutschen Kollegen. „Unser Geschäft ist großteils international orientiert, mit einer Homepage in sieben Sprachen und weltweiter Werbung.“
Diese Strategie scheint sich immer mehr zu bestätigen, wieder kann ein Rekord vermeldet werden: „Wir haben in der ersten Jahreshälfte das beste Ergebnis unserer Geschichte verzeichnet“, so Böhm.
Immerhin besser als die Saison des Vorjahres hat das zweite große Wiener Auktionshaus abgeschlossen: Mit einer Million Euro mehr als 2011 geht man heuer in die Sommerpause, bei den drei Auktionen wurden zwölf Millionen Euro umgesetzt. Die Spitzenreiter hier sind: Der Wien-um-1900-Bildhauer George Minne, Alfons Walde und Arnulf Rainer – sie brachten bis zu 180.000 Euro ein. ?
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Kunstmarkt: »Locker geht es nicht«
07.07.2012 | 17:17 | von ALMUTH SPIEGLER (Die Presse)
Saisonabschluss auf dem Auktionsmarkt: Es wird immer schwieriger, Spitzenwerke zu akquirieren. Diese erzielen dafür noch immer satte Preise, wenn nicht gar Rekorde. In London, New York – auch in Wien.
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