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Die Jagd auf den Kleinspender

21.07.2012 | 17:38 |  von ALmuth Spiegler (Die Presse)

Ab 100 Euro kann man in Wiens Museen bereits namentlich als Unterstützer genannt werden. Nachdem sich die großen Sponsoren zurückziehen, folgen jetzt auch Kulturinstitutionen dem Vorbild von NGOs.

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Wiens führender Galerist für Fotografie war bass erstaunt. Johannes Faber hatte sich gerade mit 250 Euro am neuen Patronanzsystem der Albertina für Fotografie beteiligt und die „Patenschaft“ für ein Bild der Ausstellung Joel Sternfelds übernommen: Eine Aufnahme der damals noch romantisch verwilderten New Yorker Schnellbahnstrecke Highline von 2000, die heute eine schicke Flaniermeile und Touristenattraktion ist.

Fabers Name steht jetzt dankend erwähnt in der Bildunterschrift, für jeden Besucher lesbar. Aber nur ganze neun Fotos von Dutzenden in der Ausstellung haben einen derartigen „Paten“ gefunden, der dadurch hilft, Transport- und Versicherungskosten des Werks zu finanzieren. Und der diesen Beitrag dann als Betriebs- oder Sonderausgabe von der Steuer absetzen kann. „Wenn man so etwas in New York anböte, hätte man in einer Stunde alle Bilder angebracht“, wundert sich Faber. „In Österreich ist das immer etwas seltsam. Wir stehen erst am Beginn dieser Sponsorenbeteiligung, die auch ein Beginn ist, die bildende Kunst wieder ins Bürgertum zurückzubringen.“

Bürgertum wieder involvieren. Dieses sei nämlich laut Faber durch die nach dem Krieg von der SPÖ flächendeckend eingeführte Subventionierungspolitik gewohnt, dass sich der Staat um die Kunst zu kümmern hätte. Was in der Schweiz oder in Deutschland ganz anders aussieht, denkt man an vom Bürgertum getragene Künstlervereine oder dem kulturellen Erbe gewidmete Stiftungen.

Wenn Basisabgeltungen aber nicht erhöht werden und große Firmen als Sponsoren aufgrund der Wirtschaftslage ausbleiben, sind die Museen gezwungen, sich auf Kleinspender zu konzentrieren. Die immerhin steuerliche Vorzüge sowie einen Werbe- bzw. Wohlfühleffekt davon haben. Patenschaften für Exponate kann man nicht nur in der Albertina übernehmen, sondern auch im Belvedere und im KHM. Bei Albertina und KHM geht das bequem über die Homepages, mit wenigen Klicks hat man sich hier seine Patenschaft gesichert. Das KHM ist im Zuge der langwierigen Finanzierung der Kunstkammer-Neueröffnung auf diese Methode gekommen. Ab 300 Euro (ebenfalls absetzbar) kann man sich an der Restaurierung eines von 300 Objekten beteiligen. Auf einer Onlineliste wird man dann als Pate angeführt, in der Eingangshalle des KHM wird diese nach der geplanten Kunstkammer-Eröffnung im Frühjahr auch auf einem Bildschirm ablaufen. 648 Euro etwa fehlen einem silbernen „Heiligen Augustinus, der einen Knaben lehrt“ nur, um wieder im alten Glanz der Vergoldung von 1260 erstrahlen zu können.


Der Direktor bittet um Geld. Derart aktiv den Kleinspenderbereich geht neben dem KHM – wo man übrigens ab Herbst wieder die mittlerweile ausverkauften goldenen Fahrrad- und Skihelme um 49 Euro erwerben kann – nur die Albertina an. Dort setzt man mit der neuen Leiterin der Fundraising- und Sponsoring-Abteilung, Marion Haumer, u.a. auf Methoden, die man sonst nur aus dem NGO-Bereich kennt (aus dem sie auch kommt): An 30.000 Adressen ausgesandte Bettelbriefe („Mailings“) etwa, in denen der Albertina-Direktor um Unterstützung bittet, die man über eine eigene Homepage ebenfalls mit ein paar Mausklicks gleich zukommen lassen kann. „Es rentiert sich schon, aber wir sind noch in der Aufbauphase“ sagt Haumer dazu. Sehr gut laufe übrigens bereits die Finanzierung der Architektur für den 54 Meter langen Triumphzug Albrecht Altdorfers in der Kaiser-Maximilian-Ausstellung im Herbst: Ab 100 Euro wird man als Dankeschön schon namentlich auf der Eingangswand zur Ausstellung genannt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.07.2012)

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