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Kunst sammeln im schicken Kollektiv

25.08.2012 | 16:10 |  von Almuth Spiegler (Die Presse)

Waren Sammler früher eher Einzelkämpfer, schließt sich eine junge Generation lieber zu neugierigen Reisegruppen zusammen. Das »21er Haus« bietet ebenfalls eine solche Plattform an, die »Young Collectors' Community«.

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Julia Stoschek ist, zugegeben, eine Ausnahmefigur, auch in Deutschland. Gerade deshalb gilt die 1975 geborene Industriellen-Erbin   (Fahrzeugteile) aber auch als Paradebeispiel einer jungen, sophisticated Sammlerin. 2007 eröffnete sie in Düsseldorf sogar ein eigenes Museum für ihre „Stoschek Collection“, die sich noch dazu auf „schwierige“ Kunst, auf Video, Installationen und Fotografie, konzentriert.

Wo sind aber die Julia Stoscheks Österreichs? Die sammeln hoffentlich (noch) im Verborgenen. Was ebenfalls seine Berechtigung hat, ist sammeln ja schließlich ein recht intimer Vorgang. Wer trotzdem drüber reden will, zumindest, hat seit Eröffnung des „21er Hauses“ (Belvedere) zumindest eine komfortable Gelegenheit dazu. Neben dem üblichen Freundeskreis wurde eine „Young Collectors' Community“ gegründet, eine überschaubare Gruppe mit „unter 50 Mitgliedern“, so 21er-Haus-Kuratorin Bettina Steinbrügge.

Kollektiv statt Einzelkämpfer.
Eine ältere Generation an Sammlern war eher einzelkämpferisch unterwegs, in Facebook-Zeiten scheint man lieber gemeinsam auf Reisen durch die immer unüberschaubarere Kunstwelt zu gehen, von einer Kunstmesse zur nächsten, von der Frieze zur Art Basel und als Zuckerl noch zur Art Basel Miami. Von einer Biennale zur nächsten. Von einer großen Personale zur nächsten. Mit Champagner-Trinken habe der „Young Collectors' Club“ des 21er Hauses aber nicht unbedingt zu tun, betont Steinbrügge, eher wolle man sich gemeinsam bilden, sich kritisch mit Fragen auseinandersetzen, wozu an immer unterschiedlichen Orten Fachleute, Künstler, Kuratoren zu informellen Treffen geladen werden.

Diese Art des Sammler-Kollektivs ist gerade „sehr angesagt“, wie Steinbrügge erkennen musste bei den Vorbereitungen zum Club. In Berlin gibt es die „Independent Collectors“, Guggenheim hat die „Young Collectors“, und die New Yorker „New Art Dealers Alliance“ (Nada) hat ebenfalls eine solche Community gegründet.

Vorreiter in Österreich war Jasper Sharp mit seinem auf zwei Jahre angelegten und von der Wiener Kreativagentur Departure mitfinanzierten Projekt „The Collective“. Zwölf Sammler um die 40 haben sich diesem intensiven zweijährigen Bildungsprogramm des in Wien lebenden englischen Karriere-Kurators unterzogen, es endete Ende vorigen Jahres, dann ging Sharp als Kurator für Zeitgenössisches ans Kunsthistorische Museum, mittlerweile ist er auch Kommissär des österreichischen Beitrags für die nächste Biennale Venedig. Viermal im Monat hat sich „The Collective“ getroffen, einmal im Monat einen internationalen Experten zum privaten Dinner nach Wien geladen, in zwei Jahren 40 Privatsammlungen in sechs Städten besucht, erzählt Sharp.

„Look, look, look.“
Heute sind seine Schützlinge auf die Freundesvereine der großen Museen verstreut. Schließlich sei Sharp vor allem auch wichtig gewesen, die gesellschaftliche Verantwortung eines Sammlers zu betonen. „Look, look, look“, war sein Motto. Und „ask, ask, ask“. War sein Projekt eine Art Entwicklungshilfe für die Wiener Sammlerszene? So würde er es nicht formulieren, die Sammlerszene in Wien sei immerhin nicht so schlecht, wie viele sagen. „Es gibt viel mehr Sammler, als man ahnt, in Österreich sind sie nur diskreter als in anderen Ländern“, so Sharp. Aber ein gewisser Auftrieb, eine Motivation sollte von seiner Initiative doch ausgehen. Jedenfalls ist sie Geschichte.

Wer heute mit Gleichgesinnten sammeln, diskutieren und reisen will, dem steht der „Young Collectors' Club“ offen. Altersgrenze gibt es keine, das „young“ beziehe sich eher auf die prinzipielle Einstellung, sagt Steinbrügge. Und man müsse auch nicht „contemporary“ sammeln, betont sie, sondern könne, zum Beispiel, auch Büroklammern lieben. Um 350 Euro im Jahr ist man dabei. 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.08.2012)

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1 Kommentare

Ich schreibe unserem, für eine Kulturnation unendlich peinlichen Schulsystem

wo sich Schüler entweder für Musik oder bildende Kunst entscheiden müssen, zu, dass sich junge oder mittelalterliche Menschen zum Zweck des Kunstkaufs zu einem Kollektiv zusammenschließen müssen, wo sie von geschäftstüchtigen KuratorInnen zum Kunstkauf animiert werden. Anstatt sich auf das eigene Gefühl und den eignen Geschmack zu verlassen, wozu auch eine kunsthistorische Vorbildung gehört, vertrauen sie "Experten" mehr als sich selbst.
Es steht das "Kunstinvestment" im Vordergrund. Nur ja nicht danebengreifen, mit dem guten Geld, ist die Devise, und ". Steigerung soll schon drinnen sein".
Die unheilige Allianz von Kunstmarkt und öffentlicher Kunstinstitution findet hier eine logische Fortsetzung.