Das Berliner Kunsthaus Tacheles ist am Dienstag nach jahrelangen Auseinandersetzungen friedlich geräumt worden. Die rund 80 verbliebenen Künstler übergaben dem Gerichtsvollzieher freiwillig die Schlüssel, die Räume wurden versiegelt. "Wir weichen der Gewalt", sagte Sprecherin Linda Cerna. "Berlin hat heute einen großen Verlust erlitten."
Mit dem endgültigen Aus für das Kunsthaus geht eine Ära zu Ende. Die heruntergekommene fünfstöckige Ruine in Berlin-Mitte war das letzte verbliebene Gebäude eines Kaufhauskomplexes, der Anfang des vergangenen Jahrhunderts entstanden war. Im Zweiten Weltkrieg wurde er schwer zerstört, in den 1980er-Jahren ließ die Ostberliner Stadtverwaltung große Teile abreißen. Nur der Kopfbau an der Oranienburger Straße blieb erhalten. Nach dem Fall der Mauer wurde er von ostdeutschen Künstlern besetzt und so vor dem Abriss gerettet.
Das Haus wurde zu einem Anziehungspunkt für Touristen. 1998 hatte die Fundus-Gruppe das Gelände, auf dem das Tacheles steht, vom Land Berlin für rund 2,7 Millionen Euro erworben und wollte dort Wohn-und Geschäftshäuser bauen. Aus den Bauplänen wurde nichts, und die Fundus-Tochtergesellschaft, die das Gelände besaß, ging in die Insolvenz. Das Haus stand deshalb unter Zwangsverwaltung. Nach langem juristischen Tauziehen war nun der letzte Räumungstermin angesetzt.
(APA/dpa/AFP)
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