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Als Kunstmesseplatz ist Wien viel zu bescheiden

18.09.2012 | 16:46 |  von Barbara Petsch (Die Presse)

Stefan Höffinger, Experte für die oft problematischen Schnittstellen zwischen Kunst und Wirtschaft, über das Milliardengeschäft der Kunstmessen und die Vorliebe junger Käufer für Originale.

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„Als Linzer habe ich mich immer gefragt, warum Basel die Art Basel hat – und Linz hat nichts dergleichen, dabei haben die zwei Städte in etwa die gleiche Einwohnerzahl.“ Stefan Höffinger, Experte für die oft problematischen Schnittstellen zwischen Kunst und Wirtschaft, hat zur Viennafair (20.–23. 9.) eine Studie über Kunstmessen gemacht. Abseits von Blockbuster-Veranstaltungen (Basel, Maastricht) und Blockbuster-Künstlern (Picasso, Munch und& Co.) kaufen junge Leute zunehmend gern Kunst, was wohl mit der Flut vorgefertigter Bilder im Internet oder am Handy zu tun hat. „Facebook ist out, Originale sind in“, postuliert Höffinger. „,Kunst ist cool‘“, zitiert er Alexander Gilkes, Mitbegründer der Onlinegalerie Paddle8. „Kunst ist weiterhin als Investment gefragt, aber nicht nur.“

Höffinger kritisiert, dass Wien, das im Fin de Siècle ein Weltkunstzentrum war und mit seinen Museen, Galerien, Unis, Auktionshäusern bis heute viel zu bieten hat, als Kunstmesseplatz unterbelichtet ist. „Wien wird unter seinem Potenzial geschlagen“, sagt der Berater, der 2003 bei Roland Berger, wo er damals tätig war, für das Dorotheum den „Art Cluster“ entwickelt hat: Die daraus hervorgegangene Vienna Art Week findet heuer zum achten Mal von 19. bis 25. 11. statt. Das Motto lautet „Predicting Memories“, es geht u. a. um das, dessen später einmal erinnert wird. Eine Vielzahl von Veranstaltungen wird angeboten: Auktionen, Führungen durch Museen, Ausstellungen.

„Elemente eines Clusters oder Schwarms konkurrenzieren sich, befruchten einander aber auch, siehe Silicon Valley“, erläutert Höffinger: „Der Wettbewerb wird schärfer, trotzdem profitieren die Akteure. Dieses Paradoxon gilt auch für Kunstmessen.“ In Wien herrsche noch immer zu viel „Kantönligeist“: „Statt dass man sich freut, dass es eine relativ neue Initiative wie die Viennafair gibt, wird erst einmal abgewartet und kritisiert.“ Dass Kunstmessen lukrativ sind, sehe man am allgemeinen Messebusiness: 9,3 Mrd. Pfund werden jährlich für britische Messen ausgegeben, die 17 Millionen Besucher locken und einen Anteil am BIP von 4,1 Prozent haben. Messen bringen jährlich eine Milliarde Pfund an Steuern, die Hotellerie verdient 720 Mio., die Reisebranche 285 Mio. Pfund. In Basel und Zürich werden allein durch die 1,7 Mio. Besucher (Messe und Umfeld) 1,4 Mrd. Franken eingenommen, da ist auch die Art Basel dabei.

Frankfurt: Weltweit unter den Top 3

Der Kaufkrafteffekt deutscher Messen liegt bei 3,1 Mrd. Euro, 1,6 Mrd. davon entfallen auf den Messeplatz Frankfurt, der gemessen am Umsatz weltweit unter den Top 3 der Branche liegt. Die Frankfurter Messen ergänzen ihr Angebot mit Eigenveranstaltungen. „Ein Kunstevent bei einer Computermesse, warum nicht?“, meint Höffinger. Österreich könnte seine Rolle als Tor zum Osten stärker nützen, „die Entwicklung dort ist noch immer verhalten, trotz der niedrigeren Kosten als im Westen“. Einer der wenigen ernst zu nehmenden Messeplätze ist Brünn, pro Jahr gibt es dort 50 Messen, auch eine Kunstmesse. Die Brünner Messen ziehen eine Mio. Besucher aus 90 Ländern an.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.09.2012)

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2 Kommentare
Gast: böys
19.09.2012 21:07
0 0

NAIV

Als Linzer habe ich mich immer gefragt, warum Basel die Art Basel hat – und Linz hat nichts dergleichen, dabei haben die zwei Städte in etwa die gleiche Einwohnerzahl.“
naja, blöde antwort - (zu diesem naiven vergleich) aber schan sie mal was linz hat (ein "provinzielles" lentos, eine dünne international nicht mal erwähnenswerte "landesgalerie", zuviel bürokratie und leute die am brei mitmischen aber keinen schimmer haben) - und was basel hat (nebst geld) eine international agierende kunsthalle, ein museum f gegenwartskunst, eine sammlung beyeler, zudem offräume und intakte kunstszene (auch noch teilweise internationale galerien), was aber auch mit der geogrphischen bedingdheit der stadtnähe zu zürich, bern, genf od frankreich/deutschland zu tun hat mit vergleichbaren städten und institutionen in der nähe.
also dummer vergleich.

fragen sollte man in österreich eben sachen wie: warum ist linz trotz millioineninvestments noch immer "provinz" und wird nicht wahrgenommen?
oder kann das auch an eine sozio-politischen struktur liegen?

Gast: kei
19.09.2012 15:05
0 0

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