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26. Biennale des Antiquaires: Hier steigen die Preise

29.09.2012 | 18:06 |  von Sabine B. Vogel (Die Presse)

Im Oktober eröffnet "Frieze Masters", Londons erste Messe für Kunst bis zum Jahr 2000. Mit Spannung wird die Halleninszenierung erwartet. Wie wichtig die sein kann, zeigte gerade die Biennale in Paris.

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Mit einem Quadratmeterpreis ab 1300 Euro ist die Biennale des Antiquaires eine der exklusivsten Messen überhaupt. Gegründet 1956, seit 1962 international, findet die Veranstaltung seit Beginn im Grand Palais statt. Dieser gewaltige Bau mit der 44 Meter hohen Glaskuppel entstand zur Weltausstellung 1900. Heuer war der Modezar Karl Lagerfeld für die Gestaltung der Stände eingeladen worden. Er ließ eine bemerkenswert uninspirierte Kulissenarchitektur errichten: Vom zentralen Platz strebten drei Gassen weg, an denen die Händler hinter Fassaden mit Bogenfenstern ihre sündteuren Waren inszenierten. Mitten im Raum schwebte ein Heißluftballon.

Offenbar wollte Lagerfeld den Geist der Aufbruchsstimmung des Paris um die Jahrhundertwende wiederauferstehen lassen. Tatsächlich aber wirkten die weißen Fassaden wie ein letzter Versuch, eine heile Welt zu behaupten. Und der blaue Ballon mittendrin wurde zur unfreiwilligen Metapher: Was hier aber unübersehbar immer höher stieg, war nicht die Stimmung, es waren die Preise.


Chinesische Opiumpfeifen.
Unter fünfstelligen Beträgen war bei den 121 Ausstellern kaum etwas zu haben, höchstens bei den 34 kleinen Händlern auf der oberen Etage, die heuer erstmals seit 1940 wieder zugänglich war. In diesem „Ehrensalon“ erzählten viele Objekte spannende Geschichten wie jene rund um die chinesischen Opiumpfeifen. Anfang des 19. Jahrhunderts setzten die Briten ihren Opiumhandel in China mit Waffengewalt gegen den Widerstand des Kaiserhauses durch, bis Ende des Jahrhunderts stieg der Export auf 6.500 Tonnen jährlich an – wofür Pfeifen in jeder Größe und Preisklasse angefertigt wurden. Galerist Dominique Delalande schrieb heuer zusammen mit seinem Sohn ein umfangreiches Buch zu diesem Sammelgebiet. Eines der besten Stücke seiner Sammlung allerdings steht nicht zum Verkauf, er hat es seinem zehnjährigen Enkel geschenkt.

Die wahren Prunkstücke der Messe standen unten in der großen Halle, diesmal vor allem ausgesuchte FFF-Stücke: Fine French Furniture, etwa die Solo-Schau mit 20 Möbeln von Jean-Henri Riesener, Kunstschreiner von Louis XVI: „Rieseners Möbel sind wie blau-weiße Diamanten,“ erklärte Händler Laurent Kraemer, „absolut makellos.“ Überhaupt waren allerorts mit Intarsien gerne überreich geschmückte Möbel zu sehen, dazu goldene Dekorationsstücke in gewagter Kitschnähe, präsentiert in opulentem Standdesign von Sternparkett bis zu antiken Säulen. Dazwischen immer wieder Kunst von Picasso bis Tom Wesselman, ein schwarz-weißer Victor Vasarely für 120.000.- Euro, selbstverständlich Andy Warhol, aber auch Historisches von Jan Breughel dem Jüngeren und Portraits aus dem Atelier Lucas Cranach – was berühmt und teuer ist, wurde angeboten.

Zeitgenössischer Schmuck. So hochqualitativ vieles war, so erschien es angesichts des Besucherverhaltens doch nur als Beiwerk. Denn regelrecht gestürmt wurden die Stände der 18 Juweliere, darunter zehn absolute Topnamen. Ob Bulgarie, Chaumet, Van Cleef & Arpels bis zu Wallace Chan aus Hongkong, sie alle boten nichts Historisches, sondern zeitgenössischen Schmuck. Boucheron ließ sogar eine eigene Messekollektion anfertigen. Da kostete das kleine Armband mit dem schwarzen Käfer in der Mitte, unter dessen aufklappbaren Flügeln sich eine Uhr verbirgt, 500.000,- Euro. Sie luden heuer 400 exklusive Kunden ein, darunter 100 aus China und Taiwan, „die sich locker einen Ring für zehn Mio. Euro leisten können“, erklärte Christian Deydier, Präsident des Antiquitätenhändler-Verbands und Messeverantwortlicher. Andere Stände, wie die umfassende Jean-Dubuffet-Schau, dagegen waren nur spärlich besucht. In dieser heilen Welt der vereinheitlichten Fassaden interessieren sich Kunden offenbar vor allem für Glitzerndes und für große Namen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.09.2012)

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