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Florian Werner: Abschied vom röhrenden Hirschen

13.10.2012 | 16:14 |  von Almuth Spiegler (Die Presse)

Hotelier Florian Werner machte aus dem Luxus-»Hospiz am Arlberg« ein Kunst-Quartier. Zu dessen fünftem Jubiläum gönnt er sich eine Extra-Ausgabe des format-sprengenden Kunstmagazins »Parabol«.

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Man trifft sich in der Lounge der „Viennafair“, wo der Vorarlberger Fünf-Sterne-Hotelier Florian Werner ganz nebenbei das Geburtstagsgeschenk präsentierte, das er sich selbst machte – und ja, auch das ist außerformatig, wie vieles in diesem Zusammenhang. Im fünften Jahr, in dem Werner das „Hospiz am Arlberg“ zu einem Kunst-Quartier ausbaute, sponserte er eine Sonderausgabe des „Parabol“-Kunstmagazins, für das die Wiener „section a“ und „section d“ bereits Designpreise einheimste.

„In Transit“ heißt das riesige Heft, das in keinen Bücherkasten passen will, passend. Christiane Meyer vom Kunstmuseum Liechtenstein kuratierte die Ausgabe, in der man u. a. Arbeiten von Francis Alys, Klara Liden und Simon Wachsmuth findet. Es soll die Richtung vorgeben, in die Werner sein „Kunst-Quartier“ entwickeln will, also klar international und klar mit internationalem Anspruch.

Denn er „macht nicht einfach so in Kunst“ wie andere Hotels, findet er. Sondern will die Sache gründlicher angehen. Obwohl alles ziemlich hausbacken begonnen hat – er suchte zum Geburtstag der Schwester 2006 ein Geschenk. Und man kam darauf, gemeinsam mit einer Künstlerin etwas zu malen. Wobei er merkte, dass er sich dabei mehr entspannen kann, „als beim Golf spielen oder beim Segeln, wie andere das tun“. Er richtete sich im Hotel in St. Christoph ein Atelier ein, machte Sommerkurse bei Markus Lüpertz und zuletzt bei Hermann Nitsch, wo er „große Schüttbilder gemacht hat“.

Sein eigener autodidaktischer Zugang ließ ihn allerdings nicht in die Falle vieler tappen, sich damit zu begnügen. Er begann damit, Künstler ins Hotel einzuladen, machte Ausstellungen in Hotelgängen. „Es war nachträglich betrachtet ein großes Glück, dass ich dabei aber ziemlich schnell überrissen habe, dass ich mir professionelle Hilfe dabei suchen muss.“ Die Wiener Kunstberater „Section a“ wurden engagiert, sie arbeiteten das Konzept für ein „Kunst-Quartier“ aus.

Ein Artist-in-Residence-Programm wurde gestartet, Maria Anwander, Bernd Oppl oder Alfredo Barsuglia residierten schon im Traditionshotel. Letzterer hinterließ etwa einen „Blick ans andere Ende der Welt“ – er füllte einen alten Bauernkasten mit Erde, durch ein Loch sieht man auf einem Bildschirm Kinder im Sand spielen. In Australien vielleicht – wo in Sydney originellerweise der Hospiz-Art-Award vergeben wird. Ein australischer Sammler zahlt den Flug für den Preisträger, der dann schlussendlich in den Alpen, bei Werner landet und arbeitet.

„Röhrende Hirschen“ und idyllische Almweiden wird er zumindest in den Hotelzimmern des Hospiz keine vorfinden, nicht mehr. In einer radikalen Aktion ließ Werner alle Bilder, die sich über die Jahrzehnte hier angesammelt hatten, abhängen. Rund 700 Stück wurden dann am Boden ausgebreitet, erzählt er, und aussortiert, die meisten fielen durch. „400 gingen gar nicht und wir haben begonnen, von jungen Künstlern nachzukaufen.“ Aber „nur“ Kunst ins Hotel zu hängen war ihm zu wenig. Ein Künstler gab ihm den fragwürdigen Tipp, eine Galerie aufzumachen, um bessere Leute anzuziehen.

Schon war die Galerie in Bregenz gegründet, im Juni 2009. Sechs Ausstellungen macht man hier pro Jahr mit externen Kuratoren, betreut von Werners Frau Ursula. Kommerziell möchte man sein, mehr Sichtbarkeit schaffen für zeitgenössische Kunst in Vorarlberg, der Plan sei durchaus, auch einmal auf Kunstmessen zu gehen. Ein vermessener Plan? „Im Nachhinein war es wohl gut, dass ich nie lange überlegt habe“, meint Werner. „Ausschlaggebend war immer die Leidenschaft für die Kunst – und dass es einfach Spaß macht.“

Wurde oft belächelt. Leicht hatte er es dabei nicht immer, mittlerweile sind seine Eltern, die Seniorchefs, aber auch überzeugt davon, dass es nicht unbedingt geschäftsschädigend ist, auf Kunst zu setzen. „Ich wurde von meinem Umfeld am Anfang aber oft belächelt“, so Werner. Das Gesamtpaket mit Sammlung, Residencies, eigenem Kunstmagazin, eigener Galerie hat wohl für Respekt gesorgt.

Zumindest die Sammelleidenschaft liegt schließlich in der Familie. Der Weinkeller des Hospiz, den Werner Vater aufgebaut hat, ist legendär. „Als mein Vater begann, Wein zu sammeln, hat das auch noch niemand verstanden“, erinnert sich der Sohn. „Aber keiner lebt das so wie er. Und meine Leidenschaft ist eben die Kunst.“

Diese Leidenschaft wird dem Arlberg vielleicht (noch fehlen Genehmigungen) sogar eine eigene Kunsthalle bescheren, unterirdisch, wie Werner andeutet. Das Schlechtwetterprogramm scheint gesichert.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.10.2012)

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