Rotterdam/Den haag. Dienstagfrüh gegen drei Uhr schrillte die Alarmanlage in der Rotterdamer Kunsthalle. Doch die Polizei kam zu spät. Als sie eintraf, konnte sie in einem der Ausstellungssäle der Rotterdamer Kunsthalle nur noch leere Wände sehen. Sieben weltbekannte Gemälde waren weg – und mit ihnen die Diebe.
Gestohlen wurden „Tête d'Arlequin“ von Pablo Picasso (1971), „La Liseuse en Blanc et Jaune“ von Henri Matisse (1919), „Waterloo Bridge, London“ und „Charing Cross Bridge, London“ von Claude Monet (1901), „Femme devant un Fenêtre ouverte, dite la Fiancée“ von Paul Gauguin (1888), ein Selbstporträt von Meyer de Haan (1889) und „Woman with Eyes Closed“ von Lucian Freud (2002). Die Diebe waren Kenner, wahrscheinlich klauten sie auf Bestellung.
Schaden für Privatstiftung
„Die Werke sind von unschätzbarem Wert, der in die Millionen geht“, sagte Wim van Krimpen, ehemaliger Direktor der Rotterdamer Kunsthalle, im niederländischen Radio 1. Die Bilder waren in Privatbesitz und wurden von der Kunsthalle anlässlich ihres 20-jährigen Jubiläums ausgeliehen. „Die Gemälde sind aber so bekannt, dass die Diebe sie nicht verkaufen können.“
Die gestohlenen sieben Gemälde gehören der „Triton Foundation“. Die Stiftung besitzt eine Sammlung von rund 250 weltbekannten Gemälden berühmter Maler aus der Periode zwischen 1860 und 1970 sowie einige moderne Werke, wie die von Lucian Freud. Es ist eine Privatsammlung, die von dem Rotterdamer Hafenbaron Willem Cordia aufgebaut wurde. Cordia, der im vergangenen Jahr starb, und der ein Vermögen von schätzungsweise 350 Millionen Euro hinterlassen hat, brachte seine private Gemäldesammlung vor seinem Tod in die Triton-Stiftung ein.
„Ich bin geschockt. Das ist ganz schön heftig“, kommentierte die amtierende Direktorin der Rotterdamer Kunsthalle, Emily Ansenk, den spektakulären Raub aus dem von ihr geleiteten Museum. Ansenk befindet sich derzeit nicht in den Niederlanden, will aber heute, Mittwoch, zurück in Rotterdam sein, um die Polizei bei ihren Ermittlungen zu unterstützen und sich persönlich ein Bild von diesem spektakulären Kunstraub machen zu können.
„Die gestohlenen Gemälde sind so gut wie unverkäuflich“, meint indes Job Ubbens, Direktor des Versteigerungshauses Christie's in Amsterdam. Seine Erklärung: „Niemand will mit diesen gestohlenen Gemälden in Verbindung gebracht werden.“ Er vermutet, dass „die Gemälde im Auftrag von jemandem gestohlen worden. Dann könnten sie künftig in der Villa des Auftraggebers an der Wand hängen und wir bekommen sie nie wieder zu sehen“, sagt der Kunstfachmann.
Lösegeld für Kunstwerke?
Ubbens schließt aber auch nicht aus, dass die Diebe die Gemälde gestohlen haben, um sie gegen Lösegeld zurückzugeben: Erpressung also. „Die Diebe können für diese Gemälde Millionen an Lösegeld fordern.“ Ubbens sagt ferner, dass alle gestohlenen Kunstwerke registriert werden. „Wenn uns bei Christie's gestohlene Kunst zur Versteigerung angeboten wird, dann können wir das schnell feststellen.“
Aus der Rotterdamer Kunsthalle („Kunsthal“) wurden Dienstagfrüh sieben Meisterwerke gestohlen. Bei den Gemälden handelt es sich um Bilder von Pablo Picasso, Henri Matisse, Claude Monet, Paul Gauguin, Meyer de Haan und Lucian Freud. Sie waren im Besitz der Triton-Privatstiftung, die die Gemälde für eine Wechselausstellung an die Kunsthalle verliehen hatte. Der Schaden liegt in Millionenhöhe. Von den Dieben fehlt jede Spur.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.10.2012)
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