Hockneys Eiserner: Es ist, was es ist

Zum 15. Mal senkte sich am Dienstag ein neuer Eiserner Vorhang in der Wiener Staatsoper herab – gesponsert von der „Presse“. Diesmal zeichnete ihn der englische Malerstar David Hockney am iPad.

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(c) APA

Man darf sich das so vorstellen: Ein vergnügter englischer Sir im Hawaiihemd sitzt in einer Fünfsternehotel-Lobby, irgendwo auf dieser Welt. Er ist Malerstar, Engländer, lebt in Los Angeles und East Yorkshire und ist weit gereist in letzter Zeit. Seine Ausstellung in der Royal Academy in London wurde rund um Olympia von 650.000 Besuchern gestürmt, im Guggenheim Bilbao waren es eine halbe Million, und die letzte Station der Schau im Kölner Ludwig-Museum wird wohl auch nicht wenig Erfolg haben. David Hockney zündet sich eine Zigarette an und öffnet sein iPad. Er ist müde, hat nicht viel Zeit und noch einen Auftrag zu erfüllen. Das österreichische Museum in progress bat ihn, einen Entwurf für den eisernen Vorhang der Wiener Staatsoper zu liefern.

Staatsoper: Die Eisernen Vorhänge



Am Dienstag senkte sich das erste Mal der neue „Eiserne“ herab. Wiener Künstler, Kuratoren, Galeristen waren zur Pressekonferenz geströmt, um den Meister vielleicht himself anzutreffen. Doch der schickte einen befreundeten Kunstkritiker, er selbst sei, ja, zu müde für die Reise gewesen. Dabei ist 75 doch kein Alter. Egal. Man genoss das Herabschweben des Motivs und war – erstaunt. Mit wilden, poppigen Farben und skizzenhaftem Strich war zu rechnen. Auch die perspektivisch verspielte Bühne überraschte nicht, eine Referenz Hockneys an die geliebte Oper, an das Drama, für das er selbst mehrfach Bühnenbilder beisteuerte (Rake's Progress, Wagner-Opern). Schrift aber hatte niemand erwartet. Schon gar nicht zwei Wörter: „Wien“ und „Musik“. „Erfrischend naiv“, konstatierte eine Kuratorin. „Eingänglicher als vieles zuvor“, ein Maler. Ein wenig enttäuscht waren alle. Hauptwerk hat Hockney hier keines abgeliefert. Nicht einmal einen britischen Witz. Eher ist es einfach das, was es ist: Was einem müden Briten eben so einfällt, wenn er diesen Auftrag bekommt – und ihn niemand davon abhält, die erstbeste Assoziation abzuschicken.

Schließlich war Hockney, der in den 60er-Jahren mit tollen Bildern toller Swimmingpools bekannt wurde, zuletzt ganz woanders. Er war aus Los Angeles heimgekehrt und hatte sich in die Landschaft seiner Jugend in Nordengland versenkt. Vor Ort malte er sie auf riesige Leinwände; bunt, fröhlich, populär zeichnete er sie rasch mit der Brush-App auf sein iPad, das er wie einen Skizzenblock benützt – er war einer der Ersten in England, die ein solches besaßen, da kann man ihn wohl Pionier nennen.

Eine solche iPad-Zeichnung liegt auch dem „Eisernen“ zugrunde. Wie für seine aktuelle Ausstellungstournee wurde dieses Bild dann großformatig ausgedruckt. Noch nie zuvor natürlich so groß. Dem Mega-Rahmen Staatsoper haben bisher viele Stars der zeitgenössischen Kunst nicht widerstehen können: Jeff Koons, Matthew Barney, Maria Lassnig, Cy Twombly, Rosemarie Trockel etc. 15 waren es bisher, ein Buch vereint sie jetzt erstmals. Und Hockney fasste – nennen wir es lakonisch – zusammen, was sich dabei alle dachten. Wien. Musik.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.11.2012)

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