Was uns die teuersten Bilder 2012 sagen

22.12.2012 | 18:01 |  von Almuth Spiegler (Die Presse)

Der High-End-Kunstmarkt lieferte heuer sichere Aktien für die Superreichen. Der absolute Rekordhalter, Edvard Munchs "Schrei", gibt jedenfalls ein passendes Sinnbild für dieses auslaufende Krisenjahr ab.

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Seit Ende Oktober kann jeder es sehen: das teuerste Bild, das die Menschheit je öffentlich versteigert hat. Anfangs haben sich vor dem New Yorker Museum of Modern Art Schlangen gebildet, um Edvard Munchs Pastellversion des ikonischen „Schreis“ zu sehen; mittlerweile hat sich die Lage etwas beruhigt. Der Karton bleibt immerhin noch vier Monate lang zu sehen; Leihgeber (also der unbestätigte Käufer) soll das MoMA-Board-Mitglied Leon Black sein, ein kunstbegeisterter New Yorker Finanzmanager, wie es so schön heißt. Für fast 120 Millionen Dollar (90 Millionen Euro) hat er im Mai selbst für einen weltweiten Medienschrei gesorgt, als er das Bild über Nacht zum „teuersten ever“ gemacht hat.

Immerhin – ein recht treffendes Bild für dieses auslaufende Jahr 2012, in dem nicht einmal der Weltuntergang funktionieren wollte. Was allerdings funktionierte, war das Luxussegment des internationalen Kunstmarkts – hier tummeln sich die Superreichen, die ihr Geld ins Trockene bringen wollen. Kunst scheint dafür eine attraktive Option zu sein, wenn das Portfolio schon vor Immobilien platzt.

Dementsprechend hervorragend gehen abgesicherte Spitzenstücke, dementsprechend dümpelt das Mittelsegment, woran auch viele Galerien zu leiden haben. Künstler aufzubauen ist in Krisenzeiten ein beinhartes Geschäft.

Rothkos meditative Aktien. Die vier teuersten Kunstverkäufe auf dem Auktionsmarkt 2012 illustrieren diese Geschichte: Platz eins geht weit abgeschlagen an Munch. Dann stoßen wir schon auf einen der großen, allseits beliebt und höchst dekorativen Klassiker des 20.Jahrhunderts, der heuer wie die warmen Semmeln wegging: Im Mai versteigerte Christie's ein meditatives Großformat des abstrakten Expressionisten Marc Rothkos um den Rekordpreis von 87 Millionen Dollar für „Orange, Red, Yellow“, das teuerste Gemälde zeitgenössischer Kunst, das je versteigert wurde. Im November folgte Sotheby's mit Rothkos „Royal Red and Blue“ um 75,1 Millionen Dollar; geschätzt war es auf nicht mehr als 50Millionen. Es war Teil der sensationellen Herbstauktionen für zeitgenössische Kunst der beiden Auktionsriesen, die mit je rund 300 bzw. 321 Millionen Euro die erfolgreichsten Auktionen darstellten, die je abgehalten worden waren.

Platz drei wird ebenfalls von einer unschlagbar sicheren Aktie belegt, könnte man meinen: ein Seerosenbild Claude Monets, das Christie's nun um rund 44 Millionen Dollar verkauft hat. Vor zwei Jahren allerdings ging ein ähnliches nicht einmal um die Hälfte weg. So viel zur Sicherheit – es gibt keine absolute. Platz vier jedoch erinnert an den Meister dieser Herbstsaison, Andy Warhol, dessen Foundation seine Sammlung von Christie's verkaufen ließ, um sich nur noch auf ihren Hauptzweck, die Unterstützung von Künstlern, konzentrieren zu können. Das 3-D-Bild „Statue of Liberty“ von 1962, eines von nur dreien, das Warhol in dieser Technik produziert hatte, kam nicht aus der Stiftung, es erreichte trotzdem gute 43,7 Millionen Dollar.

Die österreichischen Auktionshäuser spielen da preislich natürlich in einer anderen Liga, dafür konnte das Dorotheum das bisher erfolgreichste Geschäftsjahr abschließen. Spitzenpreis war hier Lorenzo Lippis „Der Triumph Davids“, der 869.800 Euro brachte, ein symbolisch freudiges Bild für 2013. „Im Kinsky“ bestätigt einmal mehr den Trend zur „Nummer sicher“ mit dem heurigen Top-Los von Alfons Walde, sein „Einsamer Berghof“ verkaufte sich um 425.000 Euro.

Die teuersten Bilder

Jackson Pollock, „No. 5“, 140 Millionen Dollar, Privatverkauf

Willem de Kooning,„Woman III“, 137,5Mio Dollar, Privatverkauf

Klimt, „Goldene Adele“, 135 Mio. Dollar, Privatverkauf

Munch, „Der Schrei“, 119,9 Mio. Dollar, Auktion Sotheby's

Picasso, „Akt mit grünen Blättern und Büste“, 106,5 Mio. Dollar, Auktion Christie's

„Der Schrei“, führt mit Abstand das Ranking der teuersten Bilder an: mit 120 Millionen Dollar bei Sotheby's.

Für rund 87 Mio. Dollar wurde Mark Rothkos „Orange, Red, Yellow“ (1961) im Frühjahr bei Christie's verkauft.

Ex aequo mit Platz vier: Für Claude Monets „Seerosen“, gemalt 1905, konnte Christie's im November rund 44 Millionen Dollar erzielen.

Die Freiheitsstatue in 3-D von Andy Warhol, 1962, brachte bei Christie's im vergangenen Herbst rund 44 Millionen Dollar ein.

Dorotheum: Höchster Zuschlag heuer in Österreich: Lorenzo Lippi, „Der Triumph Davids“, 869.800 Euro.

Im Kinsky: Top-Los 2012 im Wiener Auktionshaus war heuer Alfons Waldes „Einsamer Berghof“, verkauft im Frühling um 425.000 Euro. Das Bild kam aus den USA und war auf bis zu 250.000 Euro geschätzt worden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.12.2012)

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5 Kommentare

Eine Frage noch:

Wieso wird hier nicht der Kartenspieler von Cezanne fuer immerhin 250 Millionen Euro erwaehnt?
Dagegen hat nicht mal der teuerste Picasso mit mehr als 180 Millionen, der hier auch nicht erwaehnt wird, es handelt sich um ein Schluesselwerk des Kubismus, gemeinsam gemalt mit Bracque in den Pyrenaeen, was zu melden.

Zum Verstaendnis

Nein, ich verwechsle nicht Munch mit Warhol, aber im Endeffekt ist's das Gleiche in Gruen.
Munch war ein ganz guter Maler, aber sicher kein Cezanne. Und Warhol hat nicht einmal gemalt, er hat Siebdrucke von Zeitungsfotos auf Leinwaende drucken lassen und dann etwas Farbe draufgepinselt.
Erst viel spaeter hat er dann wirklich ein paar eigene Polaroid - Fotos als Vorlage genommen.

Gute PR

Ja, ich erinnere mich gut daran, kurz vor das MoMA in New York umgebaut wurde, war genau diese Version des Schreis in einer Ausstellung skandinavischer Kuenstler zu sehen, das war im Erdgeschoss, und ich stand fast allein in dieser Ausstellung damals. Das Bild war halt irgendeines von vielen dort, nix besonderes, voellig ungesichert, ich weiss noch, ich hab nur genauer hingeschaut, weil da die paar Woerter auf deutsch geschrieben auf dem Bild standen, ich las sie und das war's ...
Mal ganz ehrlich, es ist ein Allerweltsbild, recht dekorativ, aufgrund der massenhaften Verbreitung
fast schon als kitschig zu erkennen, und genau das lieben die Amerikaner, ganz im Ernst: Warhol war nichts anderes als der Grossmeister des Kitsch.
Und das gleiche gilt, fuerchte ich, fuer den Schrei.

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Re: Gute PR

finde das schreien von damals bei weitem nicht so kitschig wie den popscherl.....

Gute PR


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