Neustart für Bonhams in Österreich

29.12.2012 | 18:04 |  von Almuth Spiegler (Die Presse)

Einen schweren Stand hatte das englische Auktionshaus Bonhams bisher in Österreich – die Konkurrenz war erdrückend. Mit der neuen Repräsentantin Jacqueline Nowikovsky setzt man auf die Jugend.

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Derartige Meldungen gibt es auch nur mehr aus den pragmatischerweise gerne mit besten Kontakten zu Österreichs adeligem Erbschatz ausgestatteten Repräsentantenbüros internationaler Auktionshäuser in Wien: Livia Liechtenstein, die seit Jahren die österreichische Außenstelle des englischen Auktionshauses Bonhams geleitet hat, zieht sich zurück. Der Grund: Verheiratung. Herzlichen Glückwunsch!

Es folgte ihr für die Zeit nicht einmal einer Schwangerschaft sogar ein in diesen Sphären selten gesehener Mann, George Mullen, nach. Der in Wien aufgewachsene 37-Jährige mit englischen Wurzeln hatte bereits ein ähnlich kurzes Gastspiel bei Christie's Wien hinter sich und leitete zuletzt in Paris eine Galerie für junge zeitgenössische Kunst. Bis er im Frühjahr bei Bonhams Austria eincheckte. Und im Herbst wieder ausschied – ob ebenfalls aus Heiratsgründen, ließ Bonhams diesmal unkommentiert. Mullen weniger: Er wolle kein Haus vertreten, das dermaßen „im Schatten von Sotheby's, Christie's und Dorotheum“ stehe.

Kunstblog für „Presse“-Schaufenster.
Jacqueline Nowikovsky hatte damit anscheinend kein Problem, die 28-Jährige übernahm im Herbst die Repräsentantenstelle. Einer breiteren Öffentlichkeit ist sie durch ihr Buch „Der Wert der Kunst“ bekannt, das 2011 im Czernin Verlag herauskam, und durch ihren Kunstblog für das „Schaufenster“ der „Presse“. Begonnen hat sie ihre Karriere allerdings im Ausland, an einem der renommiertesten Handelsorte für Klassische und Alte Meister, beim Schweizer Kunsthändler Jan Krugier.

In Wien zurück, beriet Nowikovsky junge Kunstsammler. Und schwärmt jetzt: „Das ist das Schöne an meiner neuen Aufgabe! Bisher kannte ich ja nur die Leidenschaft für Kunst – dabei gibt es auch so viel Leidenschaft für andere Sparten.“ Und von denen lernt sie bei Bonhams naturgemäß einige kennen, ist das traditionelle, 1793 gegründete Auktionshaus doch breitest aufgestellt – es gibt über 60 Departments, von Immobilien über Juwelen, Wein, Whisky, Sport-Memorabilia, Drucken, Gemälden, Asiatika bis hin zu Automobilen.

Oldtimer und Juwelen. Oldtimer sind dabei einer der wichtigsten Pfeiler von Bonhams. Da sei das Haus auch bei den österreichischen Sammlern bereits gut bekannt, so Nowikovsky. Bei Juwelen sei man in England und Hongkong sehr stark, in Österreich gebe es für diesen zur Zeit sehr starken Markt ebenfalls schon viele Einlieferer. Schließlich werde zur Zeit „extrem viel Kapital in hochwertigen Juwelen angelegt“. Eher „unter dem Radar“ der österreichischen Sammlerschaft wirft Bonhams sich in Südafrika in die Schlacht um die Vorreiterschaft bei südafrikanischer Kunst, erklärt sie. Auch im südostasiatischen Raum sei Bonhams stark.

Konkrete Zahlen sind vom englischen Traditionshaus allerdings schwer zu bekommen, ist man doch im Gegensatz zu Christie's oder Sotheby's nicht börsenotiert. Von der breiten Ausrichtung und Größe könnte man aber das Dorotheum wohl ganz gut als Vergleich heranziehen – die Zahl der Mitarbeiter (rund 700) und Auktionen (beim Dorotheum 600, bei Bonhams 700 pro Jahr) ähneln sich. Wie die anderen internationalen Häuser, die in Wien vertreten sind, hält aber auch Bonhams keine eigenen Auktionen hier ab, das Büro in der Garnisongasse bestreitet Nowikovsky allein – „mit einem Backoffice von 400 Experten in London“, erklärt sie lachend. Immer wieder kommen diese Experten zu den üblichen Schätztagen angereist.

Was aber hat Nowikovsky sich speziell vorgenommen, um Bonhams aus „dem Schatten“ der starken Konkurrenz zu führen? „Wir waren vielleicht nicht überpräsent in den letzten Jahren, aber Livia Liechtenstein hat eine gute Basis aufgebaut“, sagt sie. Auf jeden Fall will sie die hohen Levels im Automobilbereich noch weiter bekannt machen. Und das Bewusstsein stärken, dass Bonhams auch eine Option für Käufer, nicht nur für Einbringer sei. Das hätte man etwa bei der jüngsten Versteigerung einer südafrikanischen Sammlung gesehen, bei der einige „wunderschöne Zeichnungen von Klimt und Schiele“ an „drei sehr glückliche Bieter“ gingen. Aus Österreich? Das will Nowikovsky so nicht bestätigen. „Wir haben unsere Kunden aber über das Angebot in Kenntnis gesetzt.“

Zur Person

Jacqueline Nowikovsky,1985 in Wien geboren, hat einen Doktor in Philosophie und hat ein Buch über den „Wert der Kunst“ (Czernin)geschrieben. Sie lernte beim Schweizer Kunsthändler Jan Krugier und übernahm im Herbst die Österreich-Repräsentanz von Bonhams.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.12.2012)

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