Experten: "Mona Lisa" aus Isleworth ist echt

Im Herbst wurde eine zweite Version des Gemäldes vorgestellt, die vor dem "Original" entstanden sein soll. Kunstexperten meldeten Zweifel an. Nun liegen neue Forschungsergebnisse vor.

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Ein bisschen runder, ein bisschen glattere Haut: Stammt die ''Isleworth Mona Lisa'' von Da Vinci? – (c) REUTERS DENIS BALIBOUSE

Wenn es denn stimmt, wäre es eine Weltsensation: Die im Herbst vorgestellte "Isleworth Mona Lisa" soll echt sein. Das gab die Mona Lisa Foundation mit Sitz in Zürich am Mittwoch bekannt. Demnach hätten wissenschaftliche Tests gezeigt, dass das Gemälde eindeutig aus der Hand Leonardo da Vincis stammt. Die Stiftung beruft sich auf die renommierte Eidgenössische Technische Hochschule (ETH) Zürich, wo die Analysen vorgenommen wurden.

Die Leinwand stammt aus Da Vincis Zeit

An der ETH Zürich sei - nach einer Untersuchung an der Universtität Oxford - ein zweiter Test mittels Radiokarbonmethode durchgeführt worden, um das Alter der Leinwand festzustellen, so die Stiftung. Demnach könne das Material, auf dem die "Isleworth Mona Lisa" gemalt ist, auf eine Entstehungszeit zwischen 1410 und 1455 (95,4 Prozent Wahrscheinlichkeit) datiert werden. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Leinwand zwischen 1425 und 1450 entstand, liegt bei 68,2 Prozent. Die Mona Lisa im Louvre ist auf Pappelholz gemalt, aber Da Vinci malte durchaus auch auf Leinwand.

Das Alter der Leinwand würde jedenfalls zu Da Vincis Lebensdaten (1452 bis 1519) passen - und auch zur Geschichte der Entstehung der "Isleworth Mona Lisa", wie sie die Mona Lisa Foundation vertritt.

Zweifel unter Experten

Da Vinci persönlich soll das täuschend ähnliche und bereits bekannte Bild rund zwölf Jahre vor dem berühmten Werk im Pariser Louvre (circa 1503 bis 1506) gemalt haben, behauptete die Mona Lisa Foundation bereits im September. Zuerst per Dokumentarfilm und anschließend live wurden die Erkenntnisse vorgestellt, die Kunstexperten, Physiker und Forensiker während zehn Jahren Arbeit an der "Früheren Mona Lisa" gesammelt haben. Experten meldeten jedoch Zweifel an (DiePresse.com berichtete).

Geometrie: die Struktur von Der vitruvianische Mensch über den Mona Lisas
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Geometrie: die Struktur von Der vitruvianische Mensch über den Mona Lisas
Geometrie: die Struktur von Der vitruvianische Mensch über den Mona Lisas – (C) Mona Lisa Foundation / Alfonso Rubino
Nun argumentiert die Foundation, dass der Geometrie-Experte Alfonso Rubino festgestellt habe, dass Da Vinci jene Geometrie eingearbeitet habe, die er später in Der vitruvianische Mensch (um 1490) aufgegriffen und perfektioniert hat. Nur das Malergenie selbst habe das machen können. Schon früher habe der Nuklearphysiker John Asmus - in gleich vier Tests - die Pinseltechnik Da Vinci zugeordnet.

Die Mona Lisa aus dem Pariser Louvre und die "Isleworth Mona Lisa" sind einander sehr ähnlich, aber nicht identisch. Die Haare, die Struktur der Hände, der durchscheinende Stoff ihres Kleides, die Atmosphäre der Landschaft sind anders. Der Ausdruck der Abgebildeten ist mädchenhafter, die Haut ein wenig glatter, das Gesicht runder - nur das geheimnisvolle Lächeln ist gleich. Der Grund: Im Abstand von zehn Jahren sei ihm die gleiche Frau Modell gesessen, meint die Foundation. 

Linkes die ''Isleworth Mona Lisa'', rechts jene aus dem Louvre
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Linkes die ''Isleworth Mona Lisa'', rechts jene aus dem Louvre
Linkes die ''Isleworth Mona Lisa'', rechts jene aus dem Louvre – (c) Reuters / EPA

Hintergrund "dilettantisch"?

Kunsthistoriker argumentierten, dass der deutlich ungenauer gemalte Hintergrund der "Isleworth Mona Lisa" dilettantisch ausgeführt sei - und daher unmöglich von Da Vinci stammen könnte. Die Mona Lisa Foundation hält diesem Argument entgegen, dass das Gemälde im Gegensatz zur Louvre-Version unvollendet sei.

Das Bild löste schon nach seiner Entdeckung 1913 unter Kunsthistorikern keine langfristigen Begeisterungsstürme aus. Ein Sammler fand es in einem englischen Landhaus, die Gegend gab dem Bild den Namen. Der britische Kunstliebhaber Henry Pulitzer kaufte 1962 das Gemälde und brachte es in die Schweiz, wo es über 40 Jahre in einem Safe war. Die "Isleworth Mona Lisa" gehört derzeit einem internationalen Konsortium, das anonym bleiben will.

Madrider "Zwillingsschwester"

In der Vergangenheit sind immer wieder Bildnisse von Schönen aufgetaucht, die mit der geheimnisvoll Lächelnden im Pariser Louvre um ihren Ruhm konkurrieren wollten. Zuletzt hatte im Februar 2011 eine "Zwillingsschwester" in Spanien für Aufsehen gesorgt (mehr dazu hier, siehe Bild unten). Experten fanden heraus, dass die Dame im Madrider Prado-Museum wirklich in der Werkstatt da Vincis entstand. Sie dürfte aber von einem von Da Vincis Schülern - vermutlich Francesco Melzi oder Andrea Salai - stammen.

Rechts die MAdrider Mona Lisa, links das Original
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Rechts die MAdrider Mona Lisa, links das Original
Rechts die MAdrider Mona Lisa, links das Original – (c) Reuters

Nicht zu vergessen ist zudem, dass "Mona Lisa" seit ihrer Entstehung zu den meistkopierten Gemälden der Welt zählt.

''Mona Lisa'': Ein Original und zwei Schwestern

(APA/sda/DPA/her)

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