Künstlerin schuf Papst-Porträt aus 17.000 Kondomen

22.03.2013 | 16:47 |   (DiePresse.com)

Niki Johnsons Timing war schlecht: Sie arbeitete monatelang an einem Riesen-Bild von Benedikt XVI. Kurz vor Fertigstellung trat er zurück.

Drucken Versenden AAA
Schriftgröße
Kommentieren

Viel Durchhaltevermögen, aber schlechtes Timing hat die amerikanische Künstlerin Niki Johnson: sie fertigte aus 17.000 Kondomen ein Porträt von Benedikt XVI. "Eggs Benedict", so der Titel des Bildes, zeigt das frühere Kirchenoberhaupt im bunten, päpstlichen Gewand, die Hände gefaltet. Fertig wurde das Bild genau in der Woche, in der der deutsche Papst Ende Februar seinen Rücktritt erklärte.

Die Idee kam ihr im März 2009, als sie im Radio Benedikts kontroverse Äußerung beim Afrikabesuch hörte, Aids lasse sich nicht mit Kondomen besiegen, diese könnten das Problem vielmehr noch verschlimmern. "Das hat mich total angespornt, etwas zu tun und eine Diskussion anzuzetteln", sagte Johnson am Mittwoch der Nachrichtenagentur dpa. "Wir müssen auf Weltführer Druck machen, die sich gegen Gesundheitsförderung und sexuelle Aufklärung stellen."

"Wie ein bunter Regenbogen von Kondomen"

Von vorn sieht man dem Kunstwerk auf den ersten Blick nichts an. Es wirkt wie ein Mosaik aus bunten Knoten. Johnson zog die Präservative durch die Maschen eines Netzes, wie beim Teppichknüpfen. Ausgerollt, längs gefaltet und dann bunt gebündelt, um möglichst viele Farbnuancen zu erhalten.

Von hinten wirkt das päpstliche Porträt ganz anders. "Wie ein bunter Regenbogen von Kondomen", erklärt die 35-jährigen Künstlerin, die am Milwaukee Institut für Kunst und Design (US-Staat Wisconsin) unterrichtet.

Wie macht man Kondome haltbar?

Über Monate hinweg experimentierte Johnson "wie ein Wissenschafter" mit den bunten Gummis. Sonnenlicht macht sie brüchig und bleich, luftdicht hinter Plexiglas und mit Argongas versetzt halten sie am besten. Im vergangenen November kam die Lieferung des Großhandels ins Haus. Die ersten Hundert Kondome auszurollen, sei ja noch "lustig" gewesen, doch dann war es Knochenarbeit, meint Johnson. Allein 135 Stunden habe es gedauert, die Knoten zu knüpfen.

Anfangs sollte es nur Benedikts Gesicht sein, am Ende wuchs das Bild zum 100 x 130 Zentimeter großen Halbporträt an. "Unglaublich was man mit Kondomen alles machen kann", meint die Künstlerin. "Sie sehen hier wie bunte Kreide aus." Natürlich rechne sie mit "ein wenig Kontroverse", aber in dem Bild steckten neben einer ernsten Botschaft auch Humor und Witz.

Der Rahmen fehlt noch

Johnson bastelt derzeit noch an einem vergoldeten Rahmen. Am Ende kommt das Werk in einen Plexiglasbehälter und auf einen Sockel. Die Betrachter sollen von hinten sehen, aus was das Bild gemacht ist. Eine Galerie in Milwaukee hat "Eggs Benedict" bereits für Juni gebucht. Die mit einem Deutschen verheiratete Amerikanerin will möglichst viele Betrachter zu Diskussionen anregen. Und das auf lange Zeit: "Luftdicht verpackt hat das Kondom-Kunstwerk bestimmt eine Lebensdauer von 50 Jahren", hofft Johnson.

(c) EPA (NIKI JOHNSON / HANDOUT) Kuenstlerin schuf PapstPortraet 17000

vergrößern

(APA/dpa)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

11 Kommentare

Gebrauchte????


Re: Gebrauchte????

Von der Künstlerin, alle mit verschiedenen Partnern! Das war schon ein ordentlicher Rekord.

3 1

Sie hätte auch ein vor der Geburt erm*rdetes Kind

abbilden können.

Re: Sie hätte auch ein vor der Geburt erm*rdetes Kind

Und was hat das mit Kondomen zu tun?

war in der ausgabe noch ein freier platz?

welcher presseredakteur fand diese meldung ver-öffentlichungswürdig? unlängst waren 10 synchronnasenbohrer in der kärtnerstrasse...

dieses "Kunstwerk"

sollte sie mal mit dem Prroppheten versuchen.

O sancta Zensoria. Also von vorn.

Ich wurde wieder mal nicht freigeschaltet.
Der Tante fand die Arbeit, einen Bildteppich aus 17000 Kondomen zu knüpfen, also mühsam? Aber sie wollte irgendwas provozieren, Aufmerksamkeit, eine Reaktion, egal was? Ich fürchte, sie hat etwas verwechselt. Die Mainstream-Provokationen wie diese provozieren nicht durch besonderen Mut, durch besonderen Widerspruchsgeist, durch Kynismus oder Esprit, sondern allenfalls durch die Verwendung von soviel Fleiß, Sitzfleisch, Ausdauer und Arbeitszeit auf eine sinnfreie Bastelarbeit. Bastler, habituelle Blasphemiker und Bonmot-Schwätzer provozieren nicht durch die von ihnen hergestellten Nippes, sondern durch ihre schiere Existenz, die von anderen finanziert werden muß.

Jetzt kann sie sich alle 17.000 Kondome......


schlechtes timing

Haha, da soll noch mal wer behaupten, daß es keinen Gott gibt. Billiger Provokationsversuch, technisch miserable Umsetzung. Such dir einen Brotjob Tussi, für "Künstler" reicht es nicht.

Kein Bein mehr da

zum Anpinkeln?

17 2

Nicht nur das Timing ist schlecht, sondern sie hätte auch denken, sowie recherchieren und sich dann die Arbeit ersparen können.

Wenn in nichtkatholischen Gebieten Afrikas die AIDS Problematik nicht geringer ist als in katholischen, dann kann ja wohl nicht das Kondomverbot daran schuld sein.

Unlogik herrscht auch dort, wo unterstellt wird, dass ausgerechnet jene, die sich an die Lehre der Kirche in der Frage der ehelichen Treue nicht halten und "fremd gehen", genau jene wären, die sich beim Kondomverbot nun plötzlich an die Lehre der Kirche halten und deshalb Sex nur ohne Kondom vollziehen. Geht's noch absurder?

Dass zudem für die Zeugung von Kindern ein Kondom nicht gerade das geeignete Mittel ist, sollte auch leicht einsichtig sein. Wenn aber die Ehepartnerin nicht mit der Treue des Partners rechnen kann, sondern ständig fürchten muss, ob er vielleicht doch mit anderen Frauen verkehrt hat und vielleicht doch ohne Kondom, dann wird es nur mehr Kondomsex geben und die natürliche Empfängnis und die Hoffnung auf Nachwuchs kann man vergessen.

Nicht zuletzt scheint die Kondomkünstlerin die Aussagen Benedikts für all jene nicht zu kennen, die sich NICHT nach der Lehre der Kirche richten und ständigen Partnerwechsel vorziehen: Für diese Gruppe, so Benedikt, ist der KondomGEBRAUCH ein erster Schritt zum ethischen Handeln.

Meinung

Jetzt Kultur-Newsletter abonnieren

Die Meldungen des Tages aus den Bereichen Kunst und Kultur. Kostenlos.

Newsletter bestellen

Code schwer lesbar? » Neu laden

AnmeldenAnmelden