11.02.2012 18:34 | Meine Presse Merkliste0

Raubkunst im Lentos: Klimt-Bild soll restituiert werden

20.04.2009 | 14:32 |  von BARBARA PETSCH (DiePresse.com)

Ein Damenbildnis von Gustav Klimt soll an die Erben von Aranka Munk zurückgegeben werden. Die Abgebildete soll Ria Munk sein, die 1911 Selbstmord beging. Aufgespürt wurde es von Provenienzforscherin Lillie.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Die Entscheidung passt gut zur heurigen Kulturhauptstadt Linz.“ Rechtsanwalt Alfred Noll ist mit der Entscheidung der Stadt Linz zufrieden. Bürgermeister Franz Dobusch (S) und Erich Watzl (V), Vizebürgermeister und Kulturreferent, empfehlen dem Verwaltungsausschuss der Museen der Stadt und dem Gemeinderat zu beschließen, das „Damenbildnis“ von Gustav Klimt, das rund 15 Mio. Euro wert ist, zurückzugeben.

Das Gemälde zeigt die Tochter des Industriellenpaares Alexander und Aranka Munk, Ria, die 24-jährig 1911 den Freitod wählte. Forscherin Sophie Lillie hat die Bildgeschichte recherchiert und in ihrem „Handbuch der enteigneten Kunstsammlungen Wiens“ (Czernin-Verlag) veröffentlicht. „Ria Munk III“, wie das Damenbildnis auch heißt, wurde als eines von mehreren Gemälden von Rias Eltern zur Erinnerung an ihre Tochter bei Klimt in Auftrag gegeben. Aranka Munk nahm „Ria“ in ihre Villa in Bad Aussee mit. 1941 wurde die betagte Dame mit 79 nach Lodz deportiert, wo sie wenig später ums Leben kam. Ihren Kunstbesitz erklärte das NS-Regime für verfallen.

Das Bild soll über einen Kunsthändler und ehemaligen Nachbarn in den Besitz der Stadt Linz und somit ins Lentos gelangt sein. Anwalt Noll hatte seit 2007 im Auftrag der Rechtsnachfolger von Aranka Munk die Rückgabe des Bildes betrieben.

Die Stadt Linz hat die Provenienzforschung in diesem Fall intensiviert und nun, möglicherweise im Hinblick auf das Kulturhauptstadtjahr, die Entscheidung zur Rückgabe getroffen, obwohl keine Verpflichtung bestanden hat. „Das ist richtig“, bestätigt Noll, „Linz zeigt, dass es sich der moralischen Verantwortung bewusst ist. Das Verhalten ist vorbildlich. Ich könnte nicht vor Gericht ziehen. Das Leopold-Museum sollte sich an diesem Fall ein Beispiel nehmen. Man könnte die Entscheidung von Linz durchaus als Präjudiz für die weitere Vorgangsweise des Leopold-Museums betrachten.“ Aranka Munk war die ältere Schwester von Jenny Steiner; dieser gehörten Schieles „Häuser am Meer“, heute im Leopold-Museum. Um das Bild gibt es immer wieder Kontroversen, wiewohl auch hier kein Rechtsanspruch auf Rückgabe besteht.

Außer Ria Munk ist in Linz noch ein weiterer Restitutionsfall in Diskussion: „Maiwiese“ von Emil Nolde aus dem Lentos wird von Erben des Hamburger Urologen Siegfried Julius verlangt. Er verlor sein Vermögen durch die NS-Reichsfluchtsteuer. Den Großteil seiner wertvollen Kunstsammlung schickte seine Haushälterin in die Schweiz – wo sie nie ankam. Julius konnte sich in die USA retten. Die Stadt Linz erwarb 1953 vom Kunsthändler Friedrich Welz die „Maiwiese“. Welz und Wolfgang Gurlitt waren wichtige Kunsthändler im Dritten Reich. „Die Sammlung Gurlitt der Neuen Galerie der Stadt Linz“ (Vorgänger des Lentos) von Walter Schuster ist die Basis für die Forschung. Zwei Gemälde aus dem Lentos wurden bereits zurückgegeben: „Die Näherin“ von Lesser Ury sowie Schieles „Stadt am Fluss“.

(c) repro stadt linz

vergrößern

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.04.2009)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo
Als Gast kommentieren

...oder einloggen um als registrierter Benutzer zu kommentieren (Vorteile dieser Variante)


Mit dem Absenden Ihres Kommentares erklären Sie sich mit den Forenregeln einverstanden.

*... Pflichtfelder

Sicherheitscode
(Was bringt das?)*


Schwer lesbar?
Neuen Code generieren

Verbleibende Zeichen

5 Kommentare
Gast: Heinz Geyer
21.04.2009 09:27
0 0

Eigenartige Restitutierung

In einem Jahr, wo man sich ueber freie Meinungsaeusserung ereifert (Honsik Prozess) muss es schon zu denken geben, dass Restitutierung scheinbar eine Einbahnstrasse ist. Niemand setzt sich fuer Restituierung in Tschechien usw ein, von Enteignung (sprich Raub) in Palaestina ganz zu schweigen

Gast: kuenringer
21.04.2009 06:19
0 0

Und was ist mit den Kunstschaetzen die die briten, Franzosen und Russen gestohlen haben,...

Warum immer nur Oesterreich? Man hoert nie etwas, dass oben genannte Nationen Raubkunst zurueckgegeben haben!
Ich finde es richtig das man gestohlenen Besitz zurueckgeben muss, aber man sollte auch veroeffentlichen ob andere Nationen dies tun, weil sonst Oesterreich international nicht im guten Licht steht, betreffend Restitution.

Antworten harbard
21.04.2009 08:23
0 0

Re: Und was ist mit den Kunstschaetzen...

...sie haben unsere amerikan. befreier
...vergessen!
...dort drüben liegt noch genügend (auch privat)
...was bei uns 1945 "befreit" wurde!

Gast: Hanns G.
20.04.2009 23:11
0 0

Die Menschheit darf auch Eigentum anmelden

Wieder ein Gemälde, daß der Öffentlichkeit entzogen wird, um es in Tresoren für immer verschwinden zu lassen.

Eigentum sollte da seine Grenze haben, wo ein Interesse der Menschheit darüber steht. Aber das weiß eigentlich jeder, der über solche Dinge verfügt. Rechtlich kann ein Eigentümer nicht belangt werden, wenn er die Sache, z.B. dieses Bild, verbrennt. Und da kommen dann auch schon die Fragezeichen auf, die hinter dem uneingeschränkten Privateigentum von menschlichem Kulturgut stehen. Man könnte bei solchen Exponaten auch vom kulturellen Fingerabdruck der Menschheit sprechen.

Eine Sicherstellung im Interesse der Menschheit findet durchaus seine Berechtigung.

Antworten Gast: oh maria
21.04.2009 16:28
0 0

Re: Die Menschheit darf auch Eigentum anmelden

ein kultureller Fingerabdruck der Menschheit? nein sicherlich nicht!!!!!
ein Fingerabdruck eines genialen Malers und noch dazu mit viel Herz, denn er hat Schiele etc. ordentlich gefördert