Die Entscheidung passt gut zur heurigen Kulturhauptstadt Linz.“ Rechtsanwalt Alfred Noll ist mit der Entscheidung der Stadt Linz zufrieden. Bürgermeister Franz Dobusch (S) und Erich Watzl (V), Vizebürgermeister und Kulturreferent, empfehlen dem Verwaltungsausschuss der Museen der Stadt und dem Gemeinderat zu beschließen, das „Damenbildnis“ von Gustav Klimt, das rund 15 Mio. Euro wert ist, zurückzugeben.
Das Gemälde zeigt die Tochter des Industriellenpaares Alexander und Aranka Munk, Ria, die 24-jährig 1911 den Freitod wählte. Forscherin Sophie Lillie hat die Bildgeschichte recherchiert und in ihrem „Handbuch der enteigneten Kunstsammlungen Wiens“ (Czernin-Verlag) veröffentlicht. „Ria Munk III“, wie das Damenbildnis auch heißt, wurde als eines von mehreren Gemälden von Rias Eltern zur Erinnerung an ihre Tochter bei Klimt in Auftrag gegeben. Aranka Munk nahm „Ria“ in ihre Villa in Bad Aussee mit. 1941 wurde die betagte Dame mit 79 nach Lodz deportiert, wo sie wenig später ums Leben kam. Ihren Kunstbesitz erklärte das NS-Regime für verfallen.
Das Bild soll über einen Kunsthändler und ehemaligen Nachbarn in den Besitz der Stadt Linz und somit ins Lentos gelangt sein. Anwalt Noll hatte seit 2007 im Auftrag der Rechtsnachfolger von Aranka Munk die Rückgabe des Bildes betrieben.
Die Stadt Linz hat die Provenienzforschung in diesem Fall intensiviert und nun, möglicherweise im Hinblick auf das Kulturhauptstadtjahr, die Entscheidung zur Rückgabe getroffen, obwohl keine Verpflichtung bestanden hat. „Das ist richtig“, bestätigt Noll, „Linz zeigt, dass es sich der moralischen Verantwortung bewusst ist. Das Verhalten ist vorbildlich. Ich könnte nicht vor Gericht ziehen. Das Leopold-Museum sollte sich an diesem Fall ein Beispiel nehmen. Man könnte die Entscheidung von Linz durchaus als Präjudiz für die weitere Vorgangsweise des Leopold-Museums betrachten.“ Aranka Munk war die ältere Schwester von Jenny Steiner; dieser gehörten Schieles „Häuser am Meer“, heute im Leopold-Museum. Um das Bild gibt es immer wieder Kontroversen, wiewohl auch hier kein Rechtsanspruch auf Rückgabe besteht.
Außer Ria Munk ist in Linz noch ein weiterer Restitutionsfall in Diskussion: „Maiwiese“ von Emil Nolde aus dem Lentos wird von Erben des Hamburger Urologen Siegfried Julius verlangt. Er verlor sein Vermögen durch die NS-Reichsfluchtsteuer. Den Großteil seiner wertvollen Kunstsammlung schickte seine Haushälterin in die Schweiz – wo sie nie ankam. Julius konnte sich in die USA retten. Die Stadt Linz erwarb 1953 vom Kunsthändler Friedrich Welz die „Maiwiese“. Welz und Wolfgang Gurlitt waren wichtige Kunsthändler im Dritten Reich. „Die Sammlung Gurlitt der Neuen Galerie der Stadt Linz“ (Vorgänger des Lentos) von Walter Schuster ist die Basis für die Forschung. Zwei Gemälde aus dem Lentos wurden bereits zurückgegeben: „Die Näherin“ von Lesser Ury sowie Schieles „Stadt am Fluss“.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.04.2009)


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