Haus der Geschichte: Drozda erwägt Neubau

Minister Drozda präsentierte die Pläne für ein redimensioniertes Haus der Geschichte in der Neuen Burg. Das soll aber nur ein Provisorium sein: Langfristig kann er sich einen Neubau am Heldenplatz vorstellen.

THEMENBILD: GEPLANTER STANDORT ´HAUS DER GESCHICHTE �STERREICHS´
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THEMENBILD: GEPLANTER STANDORT ´HAUS DER GESCHICHTE �STERREICHS´
(c) APA (GEORG HOCHMUTH)

Der überraschendeste Satz war der letzte in der Pressekonferenz von Kulturminister Thomas Drozda, bei der er – gemeinsam mit ÖNB-Direktorin Johanna Rachinger, KHM-Direktorin Sabine Haag und Historiker Oliver Rathkolb die neuen Pläne für das Haus der Geschichte in der Neuen Burg präsentierte. Dass das Museum wie ursprünglich geplant im November 2018 zum 100-Jahr-Jubiläum der Republik eröffnen würde, war eigentlich schon vom Tisch – weil die Finanzierung dazu fehlte. Drozda holte daher Vorschläge ein, wie das Projekt redimensioniert werden könnte, um eine Eröffnung 2018 doch noch zu bewerkstelligen. Bei den Budgetverhandlungen in der Vorwoche sicherte er sich das Geld dafür: Statt mit 29,5 Millionen Euro, die das von Ex-Minister Josef Ostermayer projektierte Haus gekostet hätte, will er nun mit zehn Millionen auskommen, die Ausstellungsfläche wird kleiner. Dafür soll es nun aber doch bis 2018 fertig werden – und Drozda, Haag und Rachinger betonten bei der Präsentation ihre Freude darüber.

Dann die Überraschung: Der vorgestellte Plan soll nur ein Provisorium sein. „Wir haben uns für die nächste Legislaturperiode vorgenommen, neu zu diskutieren, ob es einen Neubau am Heldenplatz geben könnte“, sagte Drozda zum Schluss der Präsentation. Dann würden die Container, die das Parlament während des Umbaus auf dem Heldenplatz bezieht, weg sein, das Museum könnte dann von der Neuen Burg in ein neues Gebäude gegenüber ziehen. „Wie lang das Haus der Geschichte hier sein wird, hängt von der Finanzierung eines Neubaus ab“, sagte Drozda und fügte hinzu, dass der Umzug wohl noch bis zu seinem 60. Lebensjahr dauern würde – er ist jetzt 51.

Musikinstrumente bleiben, wo sie sind

Für die ersten Jahre nach 2018 soll das Haus der Geschichte also in der Neuen Burg bleiben. Die Reduktion der Kosten forderte einige Anpassungen: Statt 3000 wird es nur noch 1870 Quadratmeter Publikumsfläche geben, darunter fallen der Bereich beim Haupteingang der Nationalbibliothek, die Prunkstiege, der sogenannte Hitler-Balkon und die Fläche davor. Eingebüßt wurden große Flächen im ersten Stock, in der Beletage des Gebäudes, stattdessen kommen Schauräume im Mezzanin dazu: Die Gartensäle mit Fenstern zum Burggarten, in denen einst der Korridor des Staunens des Weltmuseums hätte errichtet werden sollen. Das bedeutet, dass die Sammlung Alter Musikinstrumente in der Beletage (vorerst) unangetastet bleibt – Kritiker des Hauses der Geschichte haben ihre Verlegung stets verurteilt, während auf Ministeriumsseite argumentiert worden ist, dass die „veraltete“ Schau ohnehin neu gestaltet werden sollte.

Zehn Millionen Euro für ein Provisorium? Das Geld würde nicht vergeudet, sagt Drozda, denn eine Sammlung müsste ohnehin aufgebaut und die Räume in der Neuen Burg müssten saniert werden – sollte das Haus der Geschichte letztlich ausziehen, könnte das Weltmuseum die Säle für den Korridor des Staunens sogar zurückbekommen. „Wir sind die Wachhunde, die darauf schauen, dass aus der Zwischenlösung keine permanente Lösung wird“, sagte Oliver Rathkolb, der dem wissenschaftlichen Beirat des Hauses der Geschichte angehört. Dass diese Zwischenlösung um ein gutes Drittel kleiner ist als der letzte Entwurf, findet er nicht schlimm: „1000 Quadratmeter mehr oder weniger spielen keine Rolle, wenn man einen kreativen Direktor hat, der innovative Ausstellungsprojekte macht und die sozialen Medien zu nutzen weiß.“ Dieser Direktor soll noch heuer gefunden werden, daraufhin soll rasch ein inhaltliches Konzept erarbeitet werden. Im Mai 2017 soll die Architektur-Ausschreibung für die Einrichtung des Museums folgen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.10.2016)

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