Kunst am Hudson River

Die New Yorker Kunstmesse Armory Show bekam unter neuer Leitung ein neues Programm verordnet und hat dadurch an Gewicht gewonnen.

Die Installation „Towers“ von Künstler Douglas Coupland ist aus Legosteinen gebaut.
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Die Installation „Towers“ von Künstler Douglas Coupland ist aus Legosteinen gebaut.
Die Installation „Towers“ von Künstler Douglas Coupland ist aus Legosteinen gebaut. – (c) APA/AFP/TIMOTHY A. CLARY

Dieser Tage dreht sich in New York alles um die Kunst. Die Armory Art Week, die ab Mittwoch die Stadt in ihren Bann gezogen hat, versammelt gut ein Duzend Messen. Die Hauptmesse, an den Piers 92 und 94 am Hudson River gelegen, ist die Armory Show, die heuer erstmals unter der Leitung von Benjamin Genocchio stattfindet. Der Kunstredakteur übernahm die Leitung zwar schon im Vorjahr von Noah Horowitz, der zur Art Basel Miami wechselte, aber die Zeit war zu knapp um der Messe seinen eigenen Stempel aufzudrücken. Das hat er heuer nachgeholt, mit sichtlichem Erfolg. Sein erklärtes Ziel war es, die Kunst wieder in den Vordergrund zu rücken.

Sektoren statt Trennung. So eliminierte er die scharfe Trennung zwischen Moderne und Gegenwartskunst. Stattdessen schuf er neue Sektoren, wie beispielsweise „Insight“, der sich auf Solo- oder Zweierausstellungen und thematische Präsentationen von Kunst vor 2000 konzentriert. Neu ist auch „Platform“ für großformatige Skulpturen und Installationen. Ins Auge springt dort eine elfteilige Installation in rot mit weißen Tupfen der Künstlerin Yayoi Kusama. Die „Focus“-Sektion, die sich zuvor einem Land oder einer Region widmete, wurde durch eine kuratierte Themenschau ersetzt. Den Job übernahm Jarrett Gregory, Kuratorin im Los Angeles County Museum of Art. Das Thema: „What Is To Be Done?“ dreht sich um Veränderung. Zu sehen sind beispielsweise Fotoarbeiten von Deana Lawson oder Bilder des Polen Roman Opalka, dessen Werk sich immer um die Zeit dreht.

Genocchio ist es jedenfalls gelungen, 71 Neuaussteller und Rückkehrer zu gewinnen, darunter wichtige Galerien wie Pace, White Cube, Lévy Gorvy und Jeffrey Deitch. Insgesamt stellen 209 Galerien aus. Deitch widmete den Stand der Künstlerin und New Yorker Societydame Florine Stettheimer. Die Wände sind in der Farbe Magenta gestrichen und mit Plastikvorhängen versehen, die an ihr Bühnenbild für die Oper „Four Saints in Three Acts“ erinnert. Neben Arbeiten der Künstlerin hängen Werke von Laura Owens und Cecily Brown. Der auffällige Messestand genoss auch viel mediale Aufmerksamkeit. Ebenfalls weiblich dominiert ist das Programm der Galerie Whitestone aus Tokio, die abstrakte Arbeiten von Yayoi Kusama, Atsuko Tanaka und Yuko Nasaka zeigt. Tanaka ist eine wichtige Vertreterin der Künstlergruppe Gutai, die seit einer viel beachteten Retrospektive im Guggenheim Museum in New York 2013 international einen Aufschwung erlebt.

Aus Österreich sind heuer nur Thaddaeus Ropac und die Galerie Krinzinger dabei. Ropac mit zwei Arbeiten von Robert Longo: „Study of Elegiac Flag '2“ und „Study of Helena“. Krinzinger hat unter anderem neue Arbeiten von Jonathan Meese dabei.

Wer nicht in New York ist, kann sich die Messe übrigens auf der Website artsy.net ansehen, wo fast alle Werke zu finden sind. Die Armory kooperiert mit der Onlineplattform.

Neben der Armory Show ist heuer vor allem die Messe der Art Dealers Association of America zu erwähnen, die heuer mit vielen Einzelpositionen und experimentelleren Präsentationen aufwartet. So wagt sich Marian Goodman über den selten gezeigten italienischen Minimalisten Ettore Spalletti und Sean Kelly über ebenfalls kaum ausgestellte Papierarbeiten der Belgierin Ilse D'Hollander.

Die junge, hippe Messe Independent New York sei noch erwähnt. Sie ist reifer geworden, weil sie immer mehr etablierte Galerien anzieht. Dadurch hat sie etwas an Coolness-Faktor verloren. Hier trifft man auf interessante Positionen aus Amerika wie Europa, die noch nicht breitenwirksam vermarktet wurden. Die Galerie David Lewis hat beispielsweise Reiseposter von Barbara Bloom aus den 1980er-Jahren im Programm und die Galerie Invisible-Exports zeigt neue Kollagen der Künstlerin Anne Doran.

Etabliert

Art on Paper. Alles, was drei Mal stattfindet ist eine Tradition, sagt ein Sprichwort. So gesehen hat es die Kunstmesse Art on Paper heuer geschafft. Die 2015 von dem Kunstveranstalter Art Market Productions und dem Hudson River Park Trust ins Leben gerufene Messe, die in der Armory Art Week angesiedelt ist, findet auch im dritten Jahr großen Zuspruch. Der Name ist Programm: Der Fokus liegt auf Künstlern, die vorrangig mit Papier als Medium arbeiten. Zu den Höhepunkten zählt eine „Crushed Heineken Can“ von Gavin Turk für 1300 Dollar und Grafiken von Alex Katz um 20.000 Dollar.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.03.2017)

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