Queer British Art: Ausstellung über ''homosexuelle Kunst'' zeigt Liebe und Lust im Verborgenen

Verschlüsselte Liebesbotschaften, anziehende Körper, sensible Porträts und verdrehtes Rollenspiel waren die Waffen, mit denen homosexuelle Künstler gegen Vorurteile und sexuelle Unterdrückung kämpften. Das Museum Tate Britain in London nimmt nun den 50. Jahrestag der Legalisierung von Sex zwischen homosexuellen Männern zum Anlass für die erste große öffentliche Schau über "homosexuelle Kunst" in Großbritannien.

(c) Tate Gallery

Die Schau "Queer British Art 1861-1967" läuft vom 5. April bis zum 1. Oktober. Sie nimmt die Abschaffung der Todesstrafe für sogenannte abartige sexuelle Handlungen 1861 als Ausgangspunkt und endet mit der teilweisen Legalisierung von homosexuellem Sex 1967.

David Hockney: "Life Painting for a Diploma", 1962

(c) Tate Gallery/Yageo Foundation

"Zwischen diesen beiden gesetzlichen Meilensteilen liegen enorme gesellschaftliche, künstlerische und soziale Umwälzungen", sagte Kuratorin Clare Barlow.

John Craxton (1922-2009): "Head of a Greek Sailor", 1940

(c) Tate Gallery/Estate of John Craxton

Tate Britain-Direktor Alex Farquharson zufolge erklärt die "enthüllende Schau" die Relevanz der Künstler und ihrer persönlichen Geschichten für die Gesellschaft heute.

(c) Tate Gallery

Begonnen wird mit den "verschlüsselten Gelüsten" der angeblich so prüden viktorianischen Zeit. Bedeutende Maler wie Frederic Leighton oder Simeon Solomon schufen in einer "Welt der Zweideutigkeiten" Werke, die einer "homoerotischen Interpretation" offenstanden. In Anlehnung an die Bibel, die Antike oder die italienische Renaissance konnten so häufig gleichgeschlechtliche Zuneigung oder etwa "die Darstellung von Jünglingen mit den sanften Konturen einer weiblichen Brust" trotz kritischer Stimmen gesellschaftsfähig werden, heißt es in der Ausstellung.

Solomon wurde 1873 in einer öffentlichen Toilette gemeinsam mit einem anderen Mann verhaftet und verurteilt. Er starb 1905 in einem Armenhaus.

Simeon Solomon (1840-1905): "Sappho and Erinna in a Garden at Mytilene", 1864

(c) Tate Gallery

Auch Abbildungen sizilianischer Jünglinge des deutschen Fotografen Wilhelm von Gloeden (1856-1931) sind in der Ausstellung zu sehen.

Ein Porträt des verfolgten irischen Schriftstellers Oscar Wilde von 1884 wird erstmals öffentlich gezeigt. Es wird zum "emotionalen Effekt" von der Tür seiner Gefängniszelle flankiert, so Barlow.

(c) Tate Gallery

Die Intellektuellen der Bloomsbury Group um Virginia Woolf, Vanessa Bell, Duncan Grant und anderen werden in ihren "unkonventionellen Dreiecksbeziehungen und selbstverständlichen Akzeptanz von gleichgeschlechtlichem Sex" vorgestellt. Grants seinerzeit als "Alptraum" kritisiertes Gemälde von badenden Männern im Londoner Hyde Park und sein Porträt eines uniformierten Polizisten - dem Liebhaber des Erzählers E.M. Forster - werden gezeigt. 

Duncan Grant (1885-1978): "Bathing", 1911

(c) Tate Gallery

Teil der Ausstellung ist auch Kunst von Hannah Gluckstein, die sich Gluck nannte - ohne geschlechtsbestimmendes "Miss" davor. Sie stammte aus einer reichen Familie und porträtierte viele Frauen aus der Upper Class. 

Hannah Gluckstein (1985-1978): "Gluck", 1942

(c) Tate Gallery/ National Portrait Gallery

Der walisische Fotograf Angus McBean, eine Kultfigur des Surrealismus,  fotografierte die Beatles für ihr erstes Album. In der Ausstellung ist sein Porträt von Quentin Crisp zu sehen. Der britische Dandy, Autor und Schauspieler gilt heute als Schwulenikone. 

Angus McBean (1904-1990): Quentin Crisp, 1941

(c) National Portrait Gallery/Estate of Angus McBean / National Portrait Gallery, London

Der britische Maler Henry Scott Tuke, Zeitgenosse und Bekannter von Oscar Wilde, ist für seine Akte von jungen Männern bekannt. Nach seinem Tod geriet er in Vergessenheit - und wurde erst von schwulen Künstlern in den 1970ern wiederentdeckt.  

Henry Scott Tuke (1858-1929): "The Critics", 1927


(c) Tate Gallery/Warwick District Council (Leamington Spa, UK)  

Der britische Sänger und Comedian Douglas Byng war bekannt dafür, in weibliche Rollen zu schlüpfen. 

Paul Tanqueray (1905-1991): "Douglas Byng", 1934

(c) Tate Gallery/ Estate of Paul Tanqueray

Der Maler Keith Vaughan ist nicht nur für seine Bilder bekannt, sondern auch für seine Tagebücher: darin schildert er das schwierige Verhältnis zu seiner eigenen Homosexualität - die letzten Einträge schrieb er, an Krebs erkrankt, unmittelbar vor seinem Suizid. 

Keith Vaughan (1912 – 1977): "Out. Drawing of two men kissing", 1958–73 

(c) Tate Gallery/DACS, The Estate of Keith Vaughan

"Self portrait and Nude" war der künstlerische Durchbruch für die Malerin Laura Knight, die verheiratet war und zwei Kinder hatte. Später war sie Kriegsmalerin im Zweiten Weltkrieg - und malte außerdem Szenen von den Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher.

Laura Knight (1877-1970): "Self portrait and Nude", 1913

(c) Tate Gallery/National Portrait Gallery (London, UK)