Freier Eintritt zum nackten Sebastian Kurz

Das BKA wird ohne sein Wissen als Unterstützer einer reißerischen Schau im BA-Kunstforum genannt.

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(c) Die Presse (Clemens Fabry)

Es ist keine reguläre Ausstellung des BA-Kunstforums auf der Freyung, das sonst eher für ein arriviertes Programm moderner und zeitgenössischer Kunst steht, von Frida Kahlo bis zu einer Retrospektive von Gerhard Rühm (im Herbst 2017). Das lange Sommerloch aber wird hin und wieder mit Vermietungen gefüllt, mit denen man kuratorisch nichts zu tun habe, wie Direktorin Ingried Brugger auf Anfrage betont. So etwa heuer mit einer Ausstellung mehrerer zeitgenössischer chinesischer Künstler, organisiert von der Hamburger Firma Bell Art Center.

Neben Ölbildern des konservativen Landschaftsmalers Bai Yuping zeigt man auch Arbeiten der jüngeren, seit 1995 in Deutschland lebenden Künstlerin Jiny Lan, die am Montag damit auf die Titelseite der U-Bahn-Gratiszeitung gekommen ist, dass sie vor Publikum ein Bild vom Außenminister Österreichs, Sebastian Kurz, gemalt hat, und zwar, wie Gott ihn schuf. Das Bild ist jetzt fertig, zeigt ihn als eine Art Faun im Parlament und ist in ungefähr so, wie man es sich vorstellen kann. Beziehungsweise so, wie Jiny Lan sich Kurz nackt vorgestellt hat.

Interessant sind die beteiligten bzw. als solche genannten Institutionen: Auf dem Eingangsplakat dieser privaten, bei freiem Eintritt besuchbaren Ausstellung liest man unter den Kooperationspartnern auch die Kunst- und Kultursektion des Bundeskanzleramts (BKA); diese weiß allerdings nichts von einer Unterstützung oder Kooperation, auch das Logo wird schon seit Jahren nicht mehr so ausgegeben. Von Bell Art war dazu am Mittwoch keine Auskunft zu bekommen.

 

„Am Rande der Apokalypse“

Die auf den „Kulturaustausch zwischen China und Europa“ spezialisierte „Plattform“, so die Eigendefinition, sorgte voriges Jahr für Aufregung in Deutschland: Sie hatte die erste Anselm-Kiefer-Ausstellung in China ohne Zustimmung des Künstlers organisiert, was dieser nicht goutierte, er fühle sich „vergewaltigt“ und „wie ein toter Künstler“. Kuratiert hat die Kiefer-Ausstellung die Direktorin des Ludwig-Museums Koblenz, Beate Reifenscheid, die dafür in der Kunstszene stark kritisiert wurde. Reifenscheid verfasste auch den Text zur Wiener Ausstellung der Kurz-Aktmalerin, deren „Malerei sich mit großer Dynamik entfaltet“, so Reifenscheid: Ihre Kunst drehe sich u. a. um „Epen und Dramen, die sich am Rande der Apokalypse entlangbewegen“. (sp)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.08.2017)

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