Festspiele für die Kunst

Die Salzburger Festspielzeit nützt auch die Kunstszene für Geschäfte. Zwei Messen und einige Ausstellungen buhlen um das kaufkräftige Publikum. ?

Kolhammer & Mahringer bieten auf der Art & Antique „Dompteuse mit vier Füchsen“ von Max Ernst an.
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Kolhammer & Mahringer bieten auf der Art & Antique „Dompteuse mit vier Füchsen“ von Max Ernst an.
Kolhammer & Mahringer bieten auf der Art & Antique „Dompteuse mit vier Füchsen“ von Max Ernst an. – (c)

Wenn andere Städte sich auf die ruhige Sommerzeit einstellen, erwacht Salzburg zum Leben. Während der sechs Wochen Festspielzeit fällt die internationale Bourgeoisie ein. Das Festival lockt kaufkräftiges Publikum in die Stadt, das hat auch die Kunstszene erkannt und nützt die Zeit für Kunstmessen. Bei den Osterfestspielen gibt es bereits seit Jahrzehnten eine parallele Messe, im Sommer erst seit 2007. Doch die heiße Ferienzeit ist schwieriger zu bedienen als Ostern.

Da sind einmal die höheren Temperaturen, die auch Festspielgäste während des Tages lieber die umliegenden kühlen Wälder oder Seen aufsuchen lassen. Und für die Einheimischen gilt, wer nicht gerade zu den Festspielen geht, ist auf Urlaub. So gab es in den letzten Jahren einige Wechsel bei den Messebetreibern. 2015 übernahm schließlich die Messemacherin Alexandra Graski-Hoffmann, die mit Festspielausstellungen viel Erfahrung hat, die Sommermesse. Sie ist auch die Veranstalterin der Salzburger Art & Antique zu Ostern. Sie hat eine kleine, feine Messe mit zehn österreichischen und deutschen Kunsthändlern zusammengestellt, die Kunst von der Antike bis zur Gegenwart bietet. Die Location ist die Salzburger Residenz.

Aber während zu Ostern die Messe in den prunkvollen Räumen stattfindet, ist Graski-Hoffmann im Sommer auf ein klimatisiertes Zelt im Residenzhof ausgewichen, um einen Rundgang selbst bei heißen Temperaturen angenehm zu gestalten. Heuer läuft die Messe vom 12. bis 20. August und bietet wieder eine breite Palette an Kunst und Antiquitäten. Ganz ausgehfein ist etwa bei „Christoph Bacher Archäologie“ eine edle Dame im Profil mit einem Lotusdiadem. Ihr Porträt ist auf einem Relief aus Kalkstein zu finden, das nach Memphis in die Zeit 1290 vor Christus entführt. Das alte Ägypten hat heuer im Salzburger Sommer ja Saison, denn auch die Festspiele treten mit Verdis „Aida“die Reise an den Nil an. Der Preis liegt bei 48.000 Euro.

Bauernmöbel treffen hier auf das avancierte Design von Vintageschmuck oder auf antike Uhren, wie sie Lilly's Art im Programm hat, darunter eine ungewöhnliche Kruzifixuhr um 21.000 Euro. Zeichnungen, etwa von Otto Mueller bei Kolhammer & Mahringer, treten mit kunstvoll verspielten Intarsien auf Barockmöbeln beim Kunsthaus Wiesinger auf. Kolhammer & Mahrhinger bieten auch Papierarbeiten von Max Ernst, wie „Dompteuse mit vier Füchsen“ um 28.000 Euro. Kunsthandel Freller wiederum hat den Dauerbrenner Alfons Walde im Programm, der auf Salzburger Messen immer vertreten ist.

Klein und fein

Neben der Art & Antique hat sich 2015 eine Gruppe von Händlern organisiert und eine zweite Messe aus der Taufe gehoben. Thomas Salis, Wienerroither & Kohlbacher (W&K), Johannes Faber, Galerie Ruberl und der deutsche Händler Beck & Eggeling beziehen seither während der Festspielwochen die Salzburger Universität. „Der Kunstsalon versteht sich als Gegenentwurf zur konventionellen Kojen-Kunstmesse: Unter den Renaissance-Fresken der Sala Terrena wird die Kunst im offenen Display einer kuratierten Zusammenschau präsentiert“, sagt Initiator Thomas Salis.

Beck & Eggeling bringt heuer Impressionismus, Expressionismus sowie Zeitgenossen nach Salzburg. Dabei sind ein wichtiger Schwerpunkt die Künstler der Gruppe Zero, Heinz Mack und Otto Piene. Johannes Faber, spezialisiert auf Vintagefotografie, kommt mit großen Namen der österreichischen, tschechischen und amerikanischen Fotografie. Zu den diesjährigen Höhepunkten zählen Aufnahmen von Dennis Hopper, Germaine Krull, August Sander und Edward Weston.

Im Fokus der Sammlung der Galerie Konzett steht der Wiener Aktionismus im Kontext internationaler Kunstströmungen von 1960 bis heute. Das Ausstellungsprogramm der Galerie ist themenorientiert und verbindet die ursprüngliche Sammlung, vorrangig performative und aktionistische Tendenzen der 1960er-Jahre, mit aktuellen Positionen. Werke von Günter Brus, Maria Lassnig, Otto Muehl, Rudolf Polanszky, Arnulf Rainer, und Franz West sind in der Sala Terrena zu sehen. Die Galerie Ruberl hat sich auf die klassische Moderne bis zur Avantgarde nach 1945 spezialisiert. In Salzburg ist Arnulf Rainer mit Werken von den 1950er- bis 1980er-Jahren vertreten. Thomas Salis zeigt Werke der deutschen und französischen klassischen Moderne und ausgewählte Protagonisten internationaler Nachkriegskunst, wie Marc Chagall, Joan Miró und Pablo Picasso. W&K schließlich zeigt wichtige Vertreter der österreichischen Jahrhundertwende rund um Klimt und Schiele.

Neben der Messe machen einige Galerien Festspielausstellungen. Bei der Galerie Thaddaeus Ropac hat das jahrelange Tradition. Heuer zeigt Ropac eine Ausstellung mit neuen Werken von Imi Knoebel. Galerist Thomas Salis bespielt neben dem Kunstsalon in seiner Galerie auch eine Ausstellung, die er heuer dem französischen Impressionismus und deutschen Expressionismus widmet. Schließlich sei noch die Galerie Mario Mauroner erwähnt, die ebenfalls seit Jahren eine Sommerschau macht, heuer u. a. mit Skulpturen von Tony Cragg.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.08.2017)

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