Ein Gott mit drei Köpfen– einer europäisch, einer afrikanisch, einer asiatisch –, mit drei Brüsten und drei Penissen? Der gekreuzigte Jesus mit Hammer und Sichel auf der Brust, Hakenkreuz im Schritt, Buddha über der Schulter und Halbmond über der „INRI“-Inschrift? Unter anderem diesen „Entwurf für ein multikulturelles Kompromiss-Kruzifix“ veröffentlichte Karikaturist Manfred Deix am 12. bzw. 19. November in der Nachrichtenillustrierten „News“. Anlass war das EU-Kruzifixverbot in Schulklassen.
Diakone der Erzdiözese Wien sahen sich dadurch nun veranlasst, der Staatsanwaltschaft eine Sachverhaltsdarstellung zu übermitteln. Darin verweisen Andreas Frank, Max Angermann und Gerhard Sarman darauf, „dass in den Deix-Karikaturen zum Thema ,Gott‘ bzw. ,Kruzifix‘ u.a. auch gegen das NS-Verbotsgesetz verstoßen wird; außerdem werden religiöse Lehren herabgewürdigt (§188 Strafgesetzbuch)“. Viele Gläubige hätten sich in ihren religiösen Gefühlen verletzt gefühlt. „Wir wollten das einfach einmal überprüfen lassen“, so Diakon Angermann. „Es ist keine Klage. Die Sachverhaltsdarstellung will nichts anderes, als die Staatsanwälte aufmerksam machen: Das ist erschienen, es gab Proteste, bitte schaut euch an, ob das in unserem pluralen Staat in Ordnung ist.“
„Karikatur heißt Übertreibung“
Der Karikaturist war für eine Stellungnahme nicht erreichbar. „Deix wollte sicherlich keine religiösen Gefühle verletzen“, teilt Oliver Voigt, Chef der Verlagsgruppe „News“, mit. „Karikatur kommt von caricare bzw. caricatura und bedeutet Überladung, Übertreibung.“ trick/apa
("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.12.2009)

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