Neue Kunstmesse in Berlin

Art Berlin heißt die neue Messe, die eine Kooperation von ABC und der Art Cologne ist. Als Kunstmarktstandort tut sich die Stadt nicht leicht. ?

Die Wiener Galeristin Gabriele Senn zeigt Werke von Hans Weigand, darunter „Welle aus dem 16. Jh.“.
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Die Wiener Galeristin Gabriele Senn zeigt Werke von Hans Weigand, darunter „Welle aus dem 16. Jh.“.
Die Wiener Galeristin Gabriele Senn zeigt Werke von Hans Weigand, darunter „Welle aus dem 16. Jh.“. – (c) Iris Ranzinger

Berlin ist kultig, Berlin ist ein Magnet für die kreative Szene, aber als Kunstmarktplatz tut sich die Stadt schwer. Die Kunstmesse Artforum Berlin hat das schmerzlich erfahren und 2011 aufgegeben. Gehalten hat sich die Art Berlin Contemporary (ABC), eine Verkaufsveranstaltung, die von Galerien für Galerien gemacht wurde und junge und unkonventionelle Kunst zeigte. ABC war ein beliebtes und berlintypisches Projekt, das versuchte, Kunstmesse neu zu denken und eher als Ausstellung zu funktionieren. Das Konzept, nur Einzelpositionen zu präsentieren, war auf die Künstler fokussiert und inhaltlich interessant, aber kommerziell war das schwierig. Jetzt hat sich das Team der ABC Verstärkung von der Art Cologne geholt und veranstaltet heuer vom 14. bis 17. September erstmals die Kunstmesse Art Berlin Fair.

Messepartner gesucht

Die ABC verstand sich nicht als klassische Kunstmesse. Sie arbeitete nicht gewinnorientiert, verzichtete auf Kojen, und jede Galerie präsentierte nur eine Position. „Den Ausstellern fiel es zunehmend schwer, mit Einzelpositionen die höher werdenden Kosten zu tragen. Sie wünschten sich eine Weiterentwicklung in eine stärker verkaufsorientierte Messe, bei der mehr Arbeiten präsentiert werden können“, sagt Maike Cruse, bisher Chefin der ABC und jetzt auch Direktorin der neuen Messe Art Berlin, zur „Presse am Sonntag“.

Zudem ist Berlin ein schwieriger Standort für den Verkauf. „Berlin ist kein traditioneller Kunstmarktstandort. Nach New York ist Berlin zwar der zweitgrößte Galeriestandort, aber die Sammlertradition fehlt hier. Da sich aber viele junge Firmen in Berlin ansiedeln und immer mehr internationale Sammler herziehen, fangen auch hier die Leute langsam an, Kunst zu sammeln“, sagt Cruse. Aber mit den Kunstmarktmetropolen sei das noch nicht vergleichbar. Auch habe es seitens der Stadt keinerlei Unterstützung für die ABC gegeben. „Das war eine große Enttäuschung, dass uns die Wirtschaftspolitik hier vollkommen im Stich gelassen hat“, kritisiert Cruse. Somit war man gezwungen, nach einer neuen Lösung zu suchen, die sich bei einem Gespräch mit Art-Cologne-Direktor Daniel Hug ergab. „Wir wussten, dass wir das Konzept Richtung Messe weiterentwickeln mussten, und das geht nur mit einem Messepartner, denn uns als Galerien fehlt dafür jegliche Infrastruktur“, so Cruse. Unter Hochdruck wurde das Konzept erarbeitet. Die Messe ist in Besitz der Koelnmesse, die auch die Art Cologne betreibt, die Leitung in Berlin haben Cruse und ihr Team. „Wir haben uns darauf geeinigt, die Messe zumindest die nächsten fünf Jahre zu veranstalten.“

Das Konzept der ABC werde laut Cruse nicht gänzlich verloren gehen. „Die solide Basis bleibt. Rund 70 Aussteller der ABC sind auch heuer wieder dabei“, sagt die Direktorin. Das Segment wurde verbreitert, es wurden ganz junge Galerien gewonnen, was wichtig sei für die Zukunft. „Wir haben einige Galerien, die zum ersten Mal auf einer Messe ausstellen“, sagt Cruse. Das mittlere Segment umfasse die etablierten zeitgenössischen Galerien, die sehr stark vertreten seien. Ganz neu biete die Messe auch den Bereich der Moderne. „Wir konnten 15 Galerien gewinnen, die das Segment Moderne und Nachkriegskunst vertreten werden, einen Bereich, den wir bisher gar nicht hatten.“ Dieses Segment lockt aber etablierte Sammler mit viel Geld an. So gesehen ist das ein geschickter Schachzug.


Sechs Österreicher

110 Galerien konnten für die neue Messe gewonnen werden, darunter auch einige Österreicher. Der Großteil der Aussteller ist deutsch, rund die Hälfte sind Berliner Galerien. Zu den Platzhirschen zählen Esther Schipper, Sprüth Magers, Meyer Rieger, Mehdi Choukri. Im Segment Moderne und Nachkriegskunst kommen Schönewald und Schwarzer aus Düsseldorf, Galerie Georg Nothelfer, Ikeda Gallery und die Galerie Michael Schultz zur Messe, um nur einige zu nennen. Von den ganz Jungen sind Deborah Schamoni, Leslie, Gillmeier Rech und Sandy Brown vertreten.

Aus Österreich reisen Christine König, Krobath aus Wien, Bernd Kugler aus Innsbruck, Nikolaus Ruzicska aus Salzburg sowie die Galerie Gabriele Senn und Elisabeth und Klaus Thoman aus Wien und Innsbruck an. König wird Arbeiten von Andreas Duscha zeigen, der von digitalem Bildmaterial ausgehend historische Begebenheiten und politische Phänomene thematisiert. Gabriele Senn hat Werke von Hans Weigand mit Wellen- und Surferbildern im Programm, wie die „Welle aus dem 16. Jh.“ . Die Galerie Thoman wiederum zeigt Werke von Michael Kienzer, der die Begriffe Raum, Zeit, Fläche und Verdichtung thematisiert. Zu sehen ist unter anderem die Installation „Punkt, Linie, Fläche“ von 2012. Rund um die Art Berlin gibt es ein Programm mit Talks und Performances.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.09.2017)

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