Weltexklusiv: Blumen für Kim Il-noever

Im MAK wird Kunst aus Nordkorea ausgestellt. Ein Porträt von Peter Noever ist leider nicht dabei.

Die Frage ist so alt wie die kurze Periode des politischen Liberalismus in Österreich, und wer weiß, vielleicht wird sie auch Kim Jong-il noch einmal stellen, wenn in Pjöngjang für Freiheit demonstriert wird: „Derfn's denn des?“ In Österreich jedenfalls ist das die wichtigste Frage überhaupt, denn ob man etwas darf oder nicht, entscheiden immer andere, zuvörderst der Staat, die Partei oder die „Kronen Zeitung“.

Darf also das Wiener Museum für angewandte Kunst (MAK) dem nordkoreanischen Steinzeitregime unter dem Titel „Blumen für Kim Il Sung. Kunst und Architektur aus der Demokratischen Volksrepublik Korea“ eine Plattform für die Präsentation ihrer hermetischen Propagandakunst bieten?

Nein, sagt Michael Jeanée, Kolumnist der „Kronen Zeitung“ und als prompter Verkünder der lichtvollen Emanationen seines geliebten Buchstabenführers Hans Dichand einer der ausgewiesenen Experten für den verwerflichen Charakter jeglicher Propaganda. Ja, wird das denkende Gemüt meinen. Aber man würde sich wünschen, dass der Veranstalter die angesichts der politischen und ökonomischen Verhältnisse in Nordkorea angemessene Distanz zum Präsentierten erkennen lässt. Das tut er nicht.

Problematisch ist also nicht, dass eines der schlimmsten Regime der Welt die Möglichkeit erhält, sich selbst zu präsentieren – es kann sich damit in den Augen westlicher Betrachter ohnehin nur selbst desavouieren. Es ist auch nicht wirklich problematisch, dass die Kunstministerin im Katalogvorwort um „Respekt“ für die Leistungen der Künstlerinnen und Künstler wirbt, „die mit hoher Fertigkeit und großem Engagement ein Leben abbilden, das das ihre ist, gerade auch wenn es uns fremd vorkommt“. Warum sollte sie die Differenz zwischen Abbildung und Wirklichkeit in Nordkorea verstehen, wenn sie sie schon in Österreich nicht versteht?

Problematisch ist, dass der Direktor des MAK im Katalog allen Ernstes schreibt, die Ausstellung zeige, „dass kulturelle Unterschiede mit gegenseitigem Respekt überbrückbar sind“. Denn die Idee, dass es sich bei der Differenz zwischen einer westlichen Gesellschaft und einem totalitären Regime um „kulturelle Unterschiede“ handle, die man mit „gegenseitigem Respekt“ überbrücken könne, kann an sich nur ein Trottel oder ein ideologischer Geisterfahrer haben.

Noever ist kein Trottel, sondern der österreichische Paradevertreter des linken „radical chic“: Moskau, Havanna, Pjöngjang. Kulturelle Vielfalt, Respekt, Verständnis. Dass das MAK nach der unhinterfragten Selbstdarstellung des künstlerischen Totalitarismus Otto Muehls nun die Selbstdarstellung des politischen Totalitarismus der Kims betreibt, hat also ganz direkt mit Peter Noever zu tun: An Muehl faszinierte ihn der gescheiterte Versuch, das Leben mit totaler Macht der Kunst unterzuordnen, an den Kims die noch laufende Übung, das Leben und die Kunst der totalen Macht zu unterwerfen. Peter Noever ist ein Verharmloser des Totalitären. Aber das darf man sein. In Österreich.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.05.2010)

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