Weltexklusiv: Blumen für Kim Il-noever

18.05.2010 | 19:25 |  MICHAEL FLEISCHHACKER (Die Presse)

Im MAK wird Kunst aus Nordkorea ausgestellt. Ein Porträt von Peter Noever ist leider nicht dabei.

Drucken Versenden AAA
Schriftgröße
Kommentieren

Die Frage ist so alt wie die kurze Periode des politischen Liberalismus in Österreich, und wer weiß, vielleicht wird sie auch Kim Jong-il noch einmal stellen, wenn in Pjöngjang für Freiheit demonstriert wird: „Derfn's denn des?“ In Österreich jedenfalls ist das die wichtigste Frage überhaupt, denn ob man etwas darf oder nicht, entscheiden immer andere, zuvörderst der Staat, die Partei oder die „Kronen Zeitung“.

Darf also das Wiener Museum für angewandte Kunst (MAK) dem nordkoreanischen Steinzeitregime unter dem Titel „Blumen für Kim Il Sung. Kunst und Architektur aus der Demokratischen Volksrepublik Korea“ eine Plattform für die Präsentation ihrer hermetischen Propagandakunst bieten?

Nein, sagt Michael Jeanée, Kolumnist der „Kronen Zeitung“ und als prompter Verkünder der lichtvollen Emanationen seines geliebten Buchstabenführers Hans Dichand einer der ausgewiesenen Experten für den verwerflichen Charakter jeglicher Propaganda. Ja, wird das denkende Gemüt meinen. Aber man würde sich wünschen, dass der Veranstalter die angesichts der politischen und ökonomischen Verhältnisse in Nordkorea angemessene Distanz zum Präsentierten erkennen lässt. Das tut er nicht.

Problematisch ist also nicht, dass eines der schlimmsten Regime der Welt die Möglichkeit erhält, sich selbst zu präsentieren – es kann sich damit in den Augen westlicher Betrachter ohnehin nur selbst desavouieren. Es ist auch nicht wirklich problematisch, dass die Kunstministerin im Katalogvorwort um „Respekt“ für die Leistungen der Künstlerinnen und Künstler wirbt, „die mit hoher Fertigkeit und großem Engagement ein Leben abbilden, das das ihre ist, gerade auch wenn es uns fremd vorkommt“. Warum sollte sie die Differenz zwischen Abbildung und Wirklichkeit in Nordkorea verstehen, wenn sie sie schon in Österreich nicht versteht?

Problematisch ist, dass der Direktor des MAK im Katalog allen Ernstes schreibt, die Ausstellung zeige, „dass kulturelle Unterschiede mit gegenseitigem Respekt überbrückbar sind“. Denn die Idee, dass es sich bei der Differenz zwischen einer westlichen Gesellschaft und einem totalitären Regime um „kulturelle Unterschiede“ handle, die man mit „gegenseitigem Respekt“ überbrücken könne, kann an sich nur ein Trottel oder ein ideologischer Geisterfahrer haben.

Noever ist kein Trottel, sondern der österreichische Paradevertreter des linken „radical chic“: Moskau, Havanna, Pjöngjang. Kulturelle Vielfalt, Respekt, Verständnis. Dass das MAK nach der unhinterfragten Selbstdarstellung des künstlerischen Totalitarismus Otto Muehls nun die Selbstdarstellung des politischen Totalitarismus der Kims betreibt, hat also ganz direkt mit Peter Noever zu tun: An Muehl faszinierte ihn der gescheiterte Versuch, das Leben mit totaler Macht der Kunst unterzuordnen, an den Kims die noch laufende Übung, das Leben und die Kunst der totalen Macht zu unterwerfen. Peter Noever ist ein Verharmloser des Totalitären. Aber das darf man sein. In Österreich.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.05.2010)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

1 Kommentare
Gast: Keine Propagandakunst
20.05.2010 16:06
1

Was versteht diese Ministerin überhaupt?

Noever ist kein Trottel, aber ein Liebkind der Kulturministerin, deren Kommentar durch nicht zu überbietende Banalität geradezu verstört, wenn sie "Respekt für Künstlerinnen und Künstler" fordert, die sich bedingungslos einer Staatsdoktrin beugen, sich dafür gut bezahlen lassen, dass sie "ein Leben abbilden", von dem diese Ministerin doch tatsächlich glaubt, dass "das das ihre ist"!
Wo Noever ist, darf C. Schmied nicht fehlen, ist er doch einer der wenigen, der dieser Frau eine Bühne für ihre jedesmal desavouierenden Ansichten bietet.
Gefälliges Kunsthandwerk als Kunst zu deklarieren und in einem Bundesmuseum auszustellen ist kein Weg, den ein anderer MuseumsdirektorIn beschreiten würde, das wenigstens tröstet.

Meinung

Jetzt Kultur-Newsletter abonnieren

Die Meldungen des Tages aus den Bereichen Kunst und Kultur. Kostenlos.

Newsletter bestellen

Code schwer lesbar? » Neu laden

AnmeldenAnmelden