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TU Graz: Ein Blasorchester als Dachschmuck

23.08.2010 | 19:03 |  KLAUS HÖFLER (Die Presse)

Die chemischen Institute der Technischen Universität in Graz haben eine neue Heimat bekommen. Zwei Kunstprojekte schmücken den 48 Millionen Euro teuren Komplex am Rande der Altstadt.

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Das Knäuel aus Trichtern und Röhren glitzert im Sonnenlicht. Auf den ersten Blick ist es ein undurchsichtiges Wirrwarr, auf den zweiten Blick eine dreidimensionale Collage aus 14 Trompeten, 14 Posaunen und sieben Tuben, die der gebürtige Grazer Constantin Luser zu seiner „Molekularorgel“ zusammengesetzt hat. Für die spektakuläre Skulptur hat er die Bögen und Windungen der handelsüblichen Blasinstrumente zunächst „auseinandergebogen“ und schließlich zu einer neuen, visionären Eigenkreation ineinander verschlungen und zusammengeschweißt. Ein Instrument ist es trotz Metamorphose geblieben. 35 Töne sind den vorgestimmten Einzelkomponenten entlockbar. Dafür wird es aus seiner Gartenpavillon-Dachhöhe auf Mannsgröße abgesenkt und mit Mundstücken aufgerüstet.

Der Beweis für die Bespielbarkeit des Kunstwerks soll im Rahmen des „steirischen herbst“ nachgereicht werden: Peter Jakober hat für die Programmschiene „Musikprotokoll“ ein Auftragswerk komponiert. Die 35 dafür notwendigen Musiker sind ein Symbol für das Cross-over zwischen Kunst und Technik: Einen Teil des Orchesters stellt die Musikuniversität, der andere Teil wird aus dem TU-eigenen Studentenblasorchester rekrutiert. Die Uraufführung des Stücks und Einweihung der „Molekularorgel“ findet am 7. Oktober statt.

Das Kunstwerk schmückt die Dachterrasse des neu errichteten Gebäudes der „Neuen Chemie“ der Technischen Universität in Graz. Insgesamt 48 Millionen Euro wurden in die räumliche Aufrüstung des TU-Campus zwischen Kopernikus- und Stremayrgasse von der Bundesimmobiliengesellschaft (BIG) investiert. „Das größte Bauprojekt in der 200-jährigen Geschichte der TU“, freut sich Rektor Hans Sünkel. Die mehr als 10.000 Quadratmeter Gesamtnutzfläche teilen sich in einen großzügigen Lehr- und Forschungstrakt (8000 Quadratmeter) und ein modernes Hörsaalzentrum, verbunden durch kleine Innenhöfe.

 

Außenhaut als farbverspielte Molekülhaut

Unter anderem 1200 Tonnen Betonstahl und 350 Kilometer Stromkabel wurden während der zweijährigen Bauzeit verarbeitet und verlegt. Auch die Fassade des neuen Gebäudes ist Teil eines Kunstprojekts: Robert Schaberl hat die Außenhaut mit speziellen Farbpigmenten versehen, die den Gebäudekomplex je nach Perspektive in unterschiedlichen Farben schillern lassen und auch ein Molekül symbolisieren sollen.

Der Komplex, von dem man sich eine städtebauliche Aufwertung für den gesamten Altstadtrandbezirk Jakomini erhofft, ist neue Heimat für die Institute für Anorganische Chemie, Physikalische und Theoretische Chemie, Organische Chemie, Analytische Chemie und Lebensmittelchemie. Die Übersiedlung vom alten Gebäude – das für die kommenden zwei bis drei Jahre von den chemischen Instituten der Karl-Franzens- Universität genutzt werden wird – ist für Ende des Jahres vorgesehen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.08.2010)

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