Kunsthalle Wien: Schweizer Bär gefällt New York

Urs Fischer in den USA und 2012 in der Kunsthalle Wien. Auktionen: Warhol bei Christie's, tschechische Moderne der Sammlung Hascoe bei Sotheby's.

Kunsthalle Wien Schweizer Baer
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teddy bear sculpture – (c) REUTERS (LUCAS JACKSON)

Er war Kabelträger beim Schweizer Fernsehen, bevor ihn das Kunsthaus Zürich lancierte. Inzwischen ist er Liebkind der New Yorker Szene: Urs Fischer, Jahrgang 1973, Schweizer, ist schon rein körperlich ein schwergewichtiger Mann. Ursus ist lateinisch und bedeutet der Bär. Ein solcher brütet unter einer Lampe über imaginären Bilanzen, vielleicht schläft er aber auch bloß. Jedenfalls sitzt die sieben Meter hohe und 17 Tonnen schwere Bronzeskulptur, von der es nur zwei Exemplare gibt (mit Zertifikat des Künstlers) auf dem Seagrams Plaza in New York. Fischers Bär (Schätzpreis: zehn Mio. Dollar) wirbt für eine Christie's-Auktion: Nachkriegs- und zeitgenössische Kunst wird am 11. Mai in New York versteigert. Dort werden auch ein Selbstporträt von Andy Warhol (1963–1964, 20 bis 30 Mio. Dollar) sowie ein Mark Rothko verkauft: „Untitled“ (1961) von dem abstrakten Expressionisten Rothko (1903–1970) war seit 50 Jahren in einer Privatsammlung. Schätzpreis: 18 bis 22 Mio. Dollar.


Medienphänomen Fischer. Urs Fischer, gelernter Fotograf, weiß die Medien zu bedienen: Er macht sich rar, lässt andere über sich sprechen, zeigt sich auf originellen Aufnahmen mit Hund und Tätowierungen. Die Kunsthalle Wien widmet ihm von Februar bis Mai 2012 eine Ausstellung. Auf der Internet-Plattform YouTube kann man Fischer, der Pop-Art variiert (rosa Torten, zerquetschte Keyboards), ebenso wie einem seiner Sammler begegnen: Adam Lindeman, aus einer Sammlerfamilie stammend, stellte einen der Bären – welcher der zwei es ist, wird nicht verraten – auf seinem Anwesen am Meer in Montauk bei New York auf.

Lindeman hat ein Buch über das Sammeln mit Aufsätzen wichtiger Protagonisten der Kunstszene publiziert, das manchen erzürnte, weil es Kritiken für obsolet erklärt: „Collecting Contemporary“, Taschen, Köln, 25 Euro: „Egotrip de Luxe mit erotischem Einschlag“ schrieb die „Zürcher Zeitung“.


Markt & Manipulation. Weitere Kunstmarktlektüre für die Osterfeiertage: „Hype. Kunst und Geld“ (dtv, 14.50 €) von Piroschka Dossi erschien zwar bereits 2007, handelt aber von der wirklich spannenden Frage, wie Hypes und Preise entstehen – und wie dabei manipuliert wird. Piroschka Dossi, Juristin, Kunsthistorikerin, arbeitete im Management. Verheiratet ist sie mit dem Künstler Ugo Dossi, der auf seiner Homepage Workshops zur Freisetzung der Kreativität anbietet. Ja, wenn Kunst so einfach wäre – wie die US-Autorin, Lehrerin, Künstlerin und Poetin Julia Cameron (63) 1992 proklamierte: „The Artists Way“ oder: „Der Weg des Künstlers“ wurde ein Bestseller: zu haben für 9.90 € (Knaur), da muss sich keiner grämen, der nicht Picasso wird. Hier passt folgendes Urs-Fischer-Zitat: „Don't get high about your own supply.“

Kehren wir auf halbwegs gesicherte Pfade zurück: Bei Sotheby's in Paris werden am 18. Mai Schriften Robespierres versteigert sowie Briefe der Habsburger aus den Jahren 1443–1823: Von Karl V., Philipp II., Maria Theresia. Tschechische Kunst aus der Sammlung der Familie Hascoe wird am 11./12. Mai im „stilwerk“ (Praterstraße 1) vorgestellt, die Auktion ist am 13. Juni in London. Angeboten werden Werke von František Kupka („Le Sourire I“ aus den „Mechanical Cycle Series“, Schätzpreis 150.000–200.000 Pfund), Bohumil Kubišta, František Foltýn (Imperialismus 120.000–180.000 Pfund).

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.04.2011)

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