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Klimt: Experten-Showdown

04.02.2012 | 15:50 |  von Almuth Spiegler (Die Presse)

Am Mittwoch wird in London das wiederentdecktes Bild „Seeufer mit Birken“ von Gustav Klimt versteigert. Zwei neue Gemäldeverzeichnisse anlässlich des Klimt-Jubiläumsjahrs werden heuer noch für Aufsehen sorgen.

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Drinnen oder draußen, das ist die Frage, die Besitzer von Werken verschiedener Kunstmarktgrößen wie Gustav Klimt bewegt. Werkverzeichnisse dienen dem Kunstmarkt als wesentliche Werkzeuge zur Preisbildung und im Kampf gegen Fälschungen. Eine heikle Angelegenheit. Das kennt man in Österreich von Egon Schiele, über dessen Werkverzeichnis sich Rudolf Leopold und die New Yorker Galeristin Jane Kallir in die Haare gerieten. Ein nächster Experten-Showdown kündigt sich heuer im Klimt-Jubiläumsjahr anlässlich seines 150. Geburtstags an. Neben einer Handvoll Harmlosigkeiten erscheinen auch parallel zwei bisher noch auffällig wenig beworbene, groß angelegte Klimt-Übersichtswerke, die für einiges Aufsehen sorgen werden.

Der Taschen Verlag wird im Mai/Juni einen angeblich „opulenten“ Klimt-Band herausgeben. Federführend dabei ist Österreichs international wohl anerkanntester Klimt-Experte, Tobias Natter, einst im Belvedere für Klimt zuständig, jetzt Direktor des Leopold-Museums. Neben Aufsätzen anderer Kapazitäten, wie Maren Bisanz-Prakken aus der Albertina, wird das Buch auch ein von Natter neu erarbeitetes Verzeichnis aller Gemälde Klimts enthalten, bei dem mit „einigen Überraschungen“ zu rechnen sei, so der Autor.

Eine ist sicher, dass das am Mittwoch in London zur Versteigerung kommende Gemälde „Seeufer mit Birken“ (1901) nicht darin enthalten sein wird, wie Natter auf „Presse“-Anfrage erklärt: „Ich hatte im vergangenen Jahr wiederholt versucht, das Bild im Original zu sehen, aber das war bis zum Redaktionsschluss leider nicht möglich.“ Eine seltsame Sache.

Bild war Fachwelt nicht bekannt.
Dabei war die Wiederentdeckung des seit Entstehung in Familienbesitz befindlichen Werks eine der spektakuläreren Ereignisse auf dem Klimt-Markt, der sonst vor allem von Restitutionen befeuert wird. Doch diesmal war es anders: Das wirklich von „haunting beauty“ (Sotheby's) ausgezeichnete, auf sieben bis 9,5 Millionen Euro geschätzte Landschaftsbild hing, der Fachwelt unbekannt, seit über 100 Jahren bei einer holländischen Familie an der Wand.

Voriges Jahr meldeten sich die Besitzer, deren Vorfahren das Bild 1902 bei einer Ausstellung in Düsseldorf erwarben, bei Alfred Weidinger, dem stellvertretenden museologischen Direktor des Belvedere, für eine Bestätigung der Echtheit des Bildes. Weidinger ist der zweite international bekannte Klimt-Experte Österreichs. Er gab 2007 den sogenannten „Goldziegel“ heraus, einen riesigen Band über Klimts Leben und Werk, beim Prestel Verlag. Das Buch ist in der Fachwelt allerdings umstritten, in der „Presse“ wurde es von dem (weniger erfolgreichen) Klimt-Experten Otmar Rychlik als „rasch zusammengebastelter, weitgehend unsystematischer Wälzer“ rezensiert.

Weidinger arbeitet allerdings an einem neuen Klimt-Buch, mit aktualisiertem und ausführlicherem Malereiverzeichnis. „Das Buch, das damals bei Prestel erschien, wurde auf Wunsch des Verlegers als Coffee Table Book konzipiert und war dadurch auch sehr erfolgreich“, so Weidinger zur „Presse“. Jetzt folgt im Herbst, ebenfalls bei Prestel, ein „handlicherer“ Werkkatalog. Das späte Erscheinen soll laut Weidinger ermöglichen, „sämtliche neuen Forschungsergebnisse zu berücksichtigen“, die der „Ausstellungsreigen der anderen Häuser“ bringen könnte.

Wie viele neue Gemälde er aufgespürt hat, kann er noch nicht definitiv sagen, noch ist er auf zwei heißen Spuren. Je nach „Erfolg“ werden es aber „wohl drei bis vier zusätzliche Werke sein“.

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